Weißes Haus blockiert Anthropics Plan zur Ausweitung von Mythos-Zugang
Die Trump-Regierung lehnt Anthropics Vorhaben ab, 70 weiteren Organisationen Zugang zum KI-Modell Mythos zu gewähren.

Das Weiße Haus hat einen Plan des KI-Unternehmens Anthropic abgelehnt, den Zugang zu seinem leistungsstarken KI-Modell Mythos deutlich auszuweiten. Das berichtete das Wall Street Journal am Donnerstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Anthropic, bekannt als Entwickler des KI-Assistenten Claude, wollte rund 70 weiteren Unternehmen und Organisationen den Zugang zu Mythos ermöglichen.
Durch diese Erweiterung hätte sich die Gesamtzahl der zugangsberechtigten Einheiten auf 120 erhöht. Beamte des Weißen Hauses lehnten den Schritt jedoch aus Sicherheitserwägungen ab. Die Regierung von Donald Trump ist damit direkt in die Verbreitung des Modells eingebunden – ein ungewöhnlicher Vorgang, der die besondere Sensibilität von Mythos unterstreicht.
Sicherheitsbedenken und begrenzte Rechenkapazität
Der Grund für die restriktive Handhabung liegt in den Fähigkeiten des Modells selbst: Anthropic gibt an, dass Mythos in der Lage sei, Software-Schwachstellen zu identifizieren und weitreichende Cyberangriffe durchzuführen. Genau deshalb ist der Zugang bislang streng limitiert. Washington sieht in dem Modell potenzielle Risiken für die nationale Sicherheit und behält sich daher eine aktive Rolle bei der Einführung vor.
Zusätzlich zu den Sicherheitsbedenken äußerten Beamte des Weißen Hauses auch Zweifel daran, ob Anthropic über ausreichend Rechenleistung verfügt, um so viele Nutzer gleichzeitig zu bedienen. Die Sorge: Eine zu breite Nutzerbasis könnte die Fähigkeit der Regierung beeinträchtigen, selbst auf das Modell zuzugreifen. Eine öffentliche Einführung von Mythos ist laut dem WSJ-Bericht ohnehin nicht geplant.
Milliardenbewertung und Finanzierungspläne
Parallel zu den Diskussionen um Mythos wurde am Mittwoch bekannt, dass Anthropic in Gesprächen mit Investoren steht, um frisches Kapital bei einer Bewertung von 900 Milliarden US-Dollar aufzunehmen. Diese Summe würde die aktuelle Bewertung des Unternehmens mehr als verdoppeln – ein enormer Sprung, der das wachsende Interesse der Investorenwelt an führenden KI-Unternehmen widerspiegelt.
Berichten zufolge zielt ein Teil dieser Finanzierungsrunde darauf ab, genügend Rechenkapazität für den Betrieb von Mythos zu sichern. Dies verdeutlicht, wie eng die technischen und finanziellen Herausforderungen bei der Entwicklung hochleistungsfähiger KI-Modelle miteinander verknüpft sind. Für Anthropic ist die Beschaffung ausreichender Infrastruktur offenbar eine der zentralen Prioritäten.
Der Fall Mythos zeigt exemplarisch, wie stark staatliche Stellen in den USA zunehmend in die Entwicklung und Verbreitung fortschrittlicher KI-Systeme eingreifen. Für deutsche Beobachter und Anleger ist dies ein weiteres Zeichen dafür, dass KI-Regulierung und nationale Sicherheitsinteressen weltweit zu einem entscheidenden Faktor in der Tech-Branche werden.
