Nvidia B300-Server in China kosten jetzt eine Million Dollar
US-Exportbeschränkungen und Schwarzmarkt-Druck treiben die Preise für Nvidias leistungsstärkste KI-Server in China auf Rekordhöhen.

Die Preise für Nvidias B300-Server haben sich in China nahezu verdoppelt und erreichen laut Brancheninsidern inzwischen rund 7 Millionen Yuan – umgerechnet etwa eine Million US-Dollar. Das berichtet Reuters exklusiv unter Berufung auf vier anonyme Quellen. Zum Vergleich: Ende letzten Jahres lagen die Preise noch bei etwa 4 Millionen Yuan.
Der drastische Preisanstieg ist das Ergebnis mehrerer zusammenwirkender Faktoren. Einerseits treibt die starke Nachfrage chinesischer Technologieunternehmen nach KI-Rechenkapazität die Preise in die Höhe. Andererseits hat ein hartes Vorgehen der US-Behörden gegen Chip-Schmuggel das Angebot auf dem Graumarkt – einem wichtigen Lieferkanal für China – erheblich verknapp.
Strafverfolgung trifft Graumarkt hart
Ein entscheidender Auslöser für die jüngste Preiseskalation war die im März eingeleitete Strafverfolgung von Yih-Shyan „Wally" Liaw, einem Mitbegründer des Nvidia-Partners Supermicro, durch US-Behörden. Dieser Schritt hat den Graumarkt für Nvidia-Hardware in China spürbar unter Druck gesetzt und das verfügbare Angebot weiter eingeschränkt.
Nvidia selbst bestätigte gegenüber Reuters, dass der Verkauf des B300 in China beschränkt sei. Das Unternehmen betonte, seine Partner zur strikten Einhaltung der Vorschriften zu verpflichten. „Da Systeme immer größer und komplexer werden, ist eine unrechtmäßige Umleitung ein Rezept für das Scheitern", erklärte Nvidia. „Nvidia bietet keinen Service oder Support für solche Systeme an, und die Durchsetzungsmechanismen sind streng und wirksam."
In den Vereinigten Staaten kostet ein B300-Server, der acht B300-GPUs enthält, laut den Quellen rund 550.000 US-Dollar – gegenüber etwa 500.000 Dollar Ende letzten Jahres. Die Preisdifferenz zwischen dem US-Markt und China verdeutlicht die enorme Knappheitsprämie, die durch die verschärften Exportbeschränkungen entstanden ist.
Chinesische Unternehmen weichen auf Mietmodelle aus
Für viele chinesische Unternehmen sind die gestiegenen Kaufpreise schlicht unerschwinglich geworden. Sie prüfen daher zunehmend Mietoptionen. Kurzfristige Einjahresverträge kosten inzwischen bis zu 190.000 Yuan pro Monat, wie die Quellen berichten. Zudem vermeiden viele chinesische Tech-Konzerne es bewusst, Nvidia-Hardware direkt in ihren Büchern zu führen, um einer möglichen Gefährdung durch US-Sanktionen zu entgehen.
Der B300 von Nvidia ist mit 288 GB High-Bandwidth Memory ausgestattet und liefert 14 PetaFLOPS Rechenleistung bei FP4-Präzision. Damit gehört er zu den leistungsstärksten Chips, die aktuell für KI-Inferenz-Aufgaben verfügbar sind. Nvidia und Partner wie Supermicro begannen im vergangenen September mit der Auslieferung des Chips.
Chinesische KI-Nutzung wächst rasant
Der Preisdruck trifft auf eine Branche im Aufwind: Chinesische KI-Modelle haben ihren Anteil an der weltweiten Token-Nutzung laut Morgan Stanley im März 2026 auf 32 Prozent gesteigert – gegenüber lediglich 5 Prozent im Vorjahr. Angetrieben wird dieses Wachstum durch Fortschritte bei der Codierung und agentenbasierte Fähigkeiten. Unternehmen wie MiniMax, Zhipu und Alibabas Qwen meldeten im Februar und März jeweils einen Anstieg der Token-Nutzung um das Sechs- bis Siebenfache im Vergleich zum Dezember.
Zusätzlich zur B300-Knappheit trägt auch die Unsicherheit rund um den Export von H200-Chips zur angespannten Lage bei. Obwohl beide Regierungen Exportgenehmigungen erteilt haben, wurde der H200 noch nicht nach China geliefert, da Uneinigkeit über die Verkaufsbedingungen besteht. Diese Situation versuchen Huawei und andere chinesische KI-Chiphersteller zu nutzen, um Nvidias Marktanteil von 55 Prozent in China anzugreifen. Der Wettbewerber AMD hält dort derzeit lediglich einen Anteil von 4 Prozent.
