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Wasserstoffbusse erobern den öffentlichen Nahverkehr

Steigende Flottenzahlen, technische Vorteile und Herausforderungen für die Logistikbranche

3 Min
Wasserstoffbusse erobern den öffentlichen Nahverkehr

In Deutschland setzen immer mehr Verkehrsbetriebe auf wasserstoffbetriebene Busse. Ein Großauftrag zeigt, dass der öffentliche Personennahverkehr zunehmend auf diese klimafreundliche Technologie umstellt. Besonders der Regionalverkehr Köln (RVK) gehört zu den Vorreitern. Das Unternehmen betreibt mittlerweile 130 wasserstoffbetriebene Busse, die größte Flotte dieser Art in Deutschland. Die Fahrzeuge stammen unter anderem vom nordirischen Hersteller Wrightbus, der mit diesem Auftrag seine ersten Busse auf den europäischen Kontinent geliefert hat.

In einer weitläufigen Garage im Industriegebiet Brühl werden die Busse gewartet. Da Wasserstoff leicht entzündlich ist, sind dort hochempfindliche Sensoren installiert, die bei einem Anstieg des Wasserstoffgehalts Alarm schlagen. Trotz dieser technischen Herausforderungen sieht der RVK große Vorteile in der Nutzung von Wasserstoff. Die Fahrzeuge können mit einer Tankfüllung bis zu 350 Kilometer zurücklegen, während batterieelektrische Busse deutlich längere Ladezeiten benötigen. Zudem gibt es in manchen Städten, wie in Manchester, nicht ausreichend leistungsfähige Stromnetze, um eine große Anzahl an Elektrobussen gleichzeitig aufzuladen.

Auch andere deutsche Städte erkennen die Vorteile dieser Technologie. Duisburg hat beschlossen, seine komplette Dieselbusflotte auf Wasserstoffantrieb umzustellen. Bis 2030 sollen 100 Brennstoffzellenbusse beschafft werden, die ersten 25 wurden bereits bei Solaris bestellt. Auch der Rostocker Anbieter Rebus Regionalbus investiert in diese Technologie und hat 52 Fahrzeuge bei dem polnischen Hersteller bestellt, von denen 15 bereits geliefert wurden. Laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) waren bereits im vergangenen Jahr 877 wasserstoffbetriebene Busse in Deutschland im Einsatz, ein deutlicher Anstieg gegenüber früheren Jahren.

Wrightbus, ein Unternehmen mit 78-jähriger Geschichte im Busbau, ist erst seit wenigen Jahren im Bereich Wasserstoff aktiv. Die Busse des Herstellers sind mit Wasserstofftanks auf dem Dach ausgestattet, die den Treibstoff in einer Brennstoffzelle in Strom umwandeln. Diese Technologie bietet Vorteile gegenüber rein batteriebetriebenen Bussen, da sie eine längere Reichweite ermöglicht und schneller betankt werden kann. Der RVK plant, seine Flotte weiter auszubauen und bis Ende 2025 auf mehr als 160 Wasserstoffbusse zu erhöhen.

Die Umstellung auf Wasserstoffantrieb wurde in der Vergangenheit stark gefördert. Bereits 2019 erhielt der RVK Zuschüsse vom Bundesverkehrsministerium und der EU. Insgesamt wurden über 40 Millionen Euro an Fördermitteln bereitgestellt, um die Mehrkosten gegenüber Dieselbussen zu decken. Mit diesen Mitteln wurde nicht nur die Anschaffung der Busse finanziert, sondern auch der Bau von Wasserstofftankstellen vorangetrieben. In Meckenheim und Wermelskirchen wurden bereits Tankstellen errichtet, zwei weitere entstehen in Mechernich und Bergisch Gladbach. Dort ist sogar die Eigenproduktion von Wasserstoff geplant, um eine unabhängige Versorgung sicherzustellen.

Während sich Wasserstoff im öffentlichen Nahverkehr zunehmend durchsetzt, stehen Logistikunternehmen vor größeren Herausforderungen. Lkw-Speditionen haben bislang kaum auf Wasserstoff umgestellt, da die Infrastruktur nicht ausreicht und die politischen Unterstützungen fehlen. Zwar wäre Wasserstoff für den Fernverkehr geeignet, da er eine hohe Reichweite ermöglicht und schnell betankt werden kann, doch derzeit existieren in Deutschland nur rund 100 Wasserstofftankstellen, die meist für Pkw ausgelegt sind. Zudem sind Wasserstoff-Lkw deutlich teurer als ihre dieselbetriebenen Pendants.

Die hohen Kosten und die unzureichende Tankstellen-Infrastruktur sorgen dafür, dass Transportunternehmen wie DHL Freight bislang auf Wasserstoff verzichten. Daimler Truck hat zwar bereits 2000 Vorbestellungen für seinen neuen batteriebetriebenen Lkw erhalten, doch bei wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen gibt es bisher nur wenige Testmodelle im Einsatz. Ohne gezielte Fördermaßnahmen und eine bessere Infrastruktur wird sich Wasserstoff in der Logistikbranche voraussichtlich langsamer etablieren als im öffentlichen Nahverkehr.

Auch andere Verkehrsanbieter setzen verstärkt auf Wasserstoff. Neben dem RVK haben Unternehmen wie die Saarbahn, Cottbusverkehr und die Vestische in Herten bereits Fahrzeuge bestellt. In Deutschland gibt es mittlerweile rund 100 Vorbestellungen für Wasserstoffbusse, was der bisherigen Jahresproduktion von Wrightbus entspricht. Trotz der Herausforderungen scheint sich der alternative Antrieb im Nahverkehr zunehmend durchzusetzen.

MobilitätNachverkehrBusWasserstoff

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