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Warum die IREN-Aktie heute um fast zehn Prozent einbricht

IREN-Aktien stürzen auf ein neues 52-Wochen-Tief, belastet von einer Gartner-Warnung und Stress im Neocloud-Sektor.

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Warum die IREN-Aktie heute um fast zehn Prozent einbricht

Die Aktien von IREN fielen im morgendlichen Handel heute um nahezu -9,7 Prozent und erreichten damit einen neuen 52-Wochen-Tiefststand. Der Betreiber von AI-Clouds und Rechenzentren wurde dadurch deutlich unter das wichtige Unterstützungsniveau gedrückt, das er bereits am Mittwoch durchbrochen hatte. Hinter dem Kursrutsch steht eine mehrtägige Talfahrt im gesamten Neocloud-Sektor, die sich nun beschleunigt hat.

Der Haupttreiber ist ein am Mittwoch veröffentlichter Forschungsbericht von Gartner. Die Analysten prognostizieren darin, dass mehr als 80 Prozent der Neocloud-Anbieter – also Unternehmen, die GPU-Kapazitäten für KI-Workloads vermieten – bis 2030 nicht mehr als eigenständige Geschäfte bestehen werden. Zur Begründung heißt es, dass die Einnahmen aus KI-Rechenzentren weit hinter den enormen Kapitalkosten zurückbleiben, die für deren Bau erforderlich sind.

Kreditmarkt-Stress bei CoreWeave schürt Sorgen

Zusätzlich zum Schock durch den Gartner-Bericht sorgte ein dramatischer Anstieg der Renditen der High-Yield-Anleihen von CoreWeave auf 15 Prozent für Erschütterungen in den Kreditmärkten. Dieser Sprung wirft Fragen nach den Finanzierungsannahmen auf, die dem gesamten Neocloud-Sektor – einschließlich IREN – zugrunde liegen. Die weithin verbreitete einwortige Reaktion von Elon Musk auf den Anstieg der Anleiherenditen verstärkte die negative Stimmung zusätzlich. Auch die Warnung des Venture-Capital-Unternehmers Chamath Palihapitiya vor einer Blase im privaten KI-Kreditgeschäft übte weiteren Druck auf die Kurse aus.

IREN startete in die heutige Sitzung mit residualen Schäden aus der Ankündigung vom Mittwoch. Damals hatte das Unternehmen einen Data-Center-Campus mit 900 Megawatt Kapazität in frühen Entwicklungsstufen in Wagga Wagga, Australien, vorgestellt. Dieses Projekt liegt außerhalb des zuvor gesicherten Stromportfolios und erfordert weitere Genehmigungen seitens des Netzbetreibers. Hinzu kommt das vollständige Verschwinden des Prämienaufschlags beim Cloud-Deal mit Anthropic, der die Aktien am Montag noch kurzfristig gestützt hatte.

Breiter Markt bietet keine Entlastung

Der breitere Markt liefert keine Unterstützung. Der Nasdaq liegt heute bei einem Minus von -1,1 Prozent, was eine risikoscheue Haltung gegenüber Technologie- und Wachstumswerten widerspiegelt. Die Anleger bereiten sich zudem auf die heute fälligen PPI-Inflationsdaten vor, nachdem die am Mittwoch veröffentlichten CPI-Zahlen höher als erwartet ausgefallen waren und die Erwartungen auf zusätzliche Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed geschürt hatten.

Auch die Peer-Unternehmen im Neocloud-Bereich, CoreWeave und Nebius, fallen deutlich. Das bestätigt, dass es sich bei dem Verkauf um eine sektorweite Neubewertung und nicht um ein IREN-spezifisches Ereignis handelt. Für deutsche Anleger ist dies ein wichtiger Hinweis: Die Kursbewegung spiegelt weniger die operative Entwicklung eines einzelnen Unternehmens wider als vielmehr eine grundsätzliche Neubewertung des gesamten Geschäftsmodells der GPU-Vermietung.

Fazit: Vier Belastungsfaktoren treffen aufeinander

Insgesamt haben mehrere Faktoren zusammengewirkt: die Gartner-Warnung hinsichtlich der Lebensfähigkeit der Branche, die durch die Anleiherenditen von CoreWeave signalisierte Stresssituation in den Kreditmärkten, die makroökonomische Angst vor Zinserhöhungen und der Zusammenbruch kurzfristiger positiver Katalysatoren. All dies drückte IREN auf sein niedrigstes Niveau seit 52 Wochen.

Die Aktie notiert nun mehr als 64 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 76,87 US-Dollar. Bullen – darunter Dan Ives von Wedbush, der den Ausverkauf als „weit übertrieben" bezeichnete – stehen damit vor einem steilen Aufstieg, um die Stimmung wieder zu stabilisieren. Ob die Neubewertung des Sektors bereits übertrieben ist oder ob weitere Korrekturen folgen, dürfte maßgeblich von den kommenden Inflationsdaten und der Entwicklung der Kreditmärkte abhängen.

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