Warum Aktienmärkte geopolitische Krisen ignorieren
Trotz Iran-Krise, Venezuela-Konflikt und Grönland-Debatte steigen die Aktienmärkte weltweit. Der S&P 500 legte seit Jahresbeginn 1,5% zu, während Investoren geopolitische Risiken zunehmend ausblenden.

Die globalen Aktienmärkte zeigen sich Anfang 2025 bemerkenswert robust gegenüber geopolitischen Spannungen. Trotz der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten durch die Trump-Regierung, Drohungen gegen den Iran und Diskussionen über eine mögliche Grönland-Annexion verzeichnen die wichtigsten Indizes deutliche Gewinne.
Positive Entwicklung an den Börsen
Der S&P 500 verzeichnete seit Jahresbeginn lediglich drei Verlusttage und liegt aktuell 1,5% im Plus. Der Dow Jones Industrial Average gewann sogar fast 3%, während der technologielastige Nasdaq Composite um 1,2% zulegte. Auch die europäischen Märkte zeigen Stärke: Der paneuropäische Stoxx 600 kletterte um fast 4%.
Besonders beeindruckend entwickeln sich die asiatischen Märkte. Der MSCI AC Asia Pacific Index stieg in diesem Jahr um über 5% auf ein Rekordhoch. Japans Nikkei 225 und Südkoreas Kospi erreichten ebenfalls neue Allzeithochs.
Experten erklären die Gelassenheit
Eric Freedman, Chief Investment Officer bei Northern Trust Wealth Management (verwaltetes Vermögen: 492,6 Milliarden Dollar), sieht einen wichtigen Grund für die Marktruhe: "Keine anderen großen Wirtschafts- oder Militärmächte haben reagiert." Die Investoren hätten sich zudem an die Kurswechsel des Weißen Hauses angepasst.
Alex Morris, CEO von F/m Investments, spricht von einer "wachsenden Gewöhnung" an Trumps Rhetorik und Handlungen. Anthony Esposito von AscalonVI Capital betont, dass die Märkte geopolitische Risiken schon seit längerem nicht mehr einpreisen würden.
Strukturelle Faktoren überwiegen
Benjamin Jones, Global Head of Research bei Invesco, weist darauf hin, dass Geopolitik und militärische Konflikte historisch gesehen Portfolios nicht so stark belastet hätten wie befürchtet. Stattdessen dominieren andere Faktoren: US-Zinssenkungen, KI-Investitionen und politische Konjunkturimpulse treiben die Märkte an.
Shihan Abeyguna von Morningstar erklärt, die Märkte betrachteten Geopolitik inzwischen als "chronisches Risiko statt als akuten Schock". Die Bewertungen seien nicht überzogen genug, um ohne echten Schock anfällig für anhaltende Kursrückgänge zu sein.
Dollar profitiert von Unsicherheit
Während Aktien steigen, zeigt sich der US-Dollar-Index ebenfalls stark und legte seit Jahresbeginn um rund 1% zu. Bei Rohstoffen führten die Schlagzeilen zu Preisschwankungen: Gold, Silber und Öl verzeichneten Bewegungen, da Händler nach sicheren Häfen suchten und die Auswirkungen möglicher US-Interventionen im Nahen Osten auf das Ölangebot abwogen.
Für Anleger bedeutet die aktuelle Lage: Die Märkte haben gelernt, zwischen Rhetorik und tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen zu unterscheiden. Solange fundamentale Faktoren wie Unternehmensgewinne und Geldpolitik positiv bleiben, scheinen geopolitische Spannungen nur begrenzte Auswirkungen zu haben.
