Warren Buffetts defensiver Schachzug
Ein Blick auf Buffetts Aktienverkäufe und Portfoliostrategie im dritten Quartal 2023

Warren Buffett, der legendäre Investor und CEO von Berkshire Hathaway, hat im dritten Quartal 2023 eine defensive Position eingenommen, indem er sich von einigen wichtigen Aktien trennte. Laut einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC verkaufte Buffett in den Monaten Juli bis Ende September mehr Aktien, als er neue hinzufügte. Eine der bemerkenswertesten Veräußerungen war seine komplette Beteiligung am Automobilhersteller General Motors (GM), die einen Wert von über 780 Millionen Dollar hatte. Zudem reduzierte er seine Anteile am Ölkonzern Chevron um elf Prozentpunkte.
Die Nachricht von Buffetts Verkäufen wurde in der Nacht zum Mittwoch veröffentlicht und zog sofort die Aufmerksamkeit von Investoren auf der ganzen Welt auf sich. Das Aktienportfolio von Berkshire Hathaway, das einen Wert von mehr als 300 Milliarden Dollar hat, wird von vielen Anlegern genau verfolgt. Über die Jahrzehnte hinweg hat Buffett sich den Ruf eines erfolgreichen Aktieninvestors erworben und wird oft als "das Orakel von Omaha" bezeichnet.
Neben General Motors und Chevron trennte sich Buffett auch von seiner Beteiligung im Wert von 650 Millionen Dollar am Chemieunternehmen Celanese. Kleinere Beteiligungen an Unternehmen wie UPS, Johnson & Johnson und Procter & Gamble wurden ebenfalls aus dem Portfolio entfernt. Die Beteiligungen an Amazon und dem Versicherer Aon wurden leicht reduziert, blieben jedoch immer noch bei jeweils über einer Milliarde Dollar.
Warren Buffett, der 93 Jahre alt ist, verwaltet sein Portfolio zusammen mit seinen beiden Investment-Managern Ted Weschler und Todd Combs. In der Regel hält Buffett die Identität der Personen, die hinter den einzelnen Trades stehen, geheim, aber gelegentlich gibt er Einblicke. Die größte Position im Portfolio bleibt unverändert die Beteiligung an Apple, die zum Ende des dritten Quartals einen Wert von 156,8 Milliarden Dollar hatte.
Die Bank of America, American Express und Coca-Cola sind weitere wichtige Positionen im Portfolio von Buffett. Chevron, das zuvor eine der größten Positionen war, befindet sich jetzt auf dem fünften Platz. Buffetts Beteiligung an HP, dem zehntgrößten Unternehmen in seinem Portfolio, wurde um 15 Prozent reduziert, während die übrigen Top Ten-Positionen unverändert blieben.
Im dritten Quartal 2023 trennte sich Berkshire Hathaway insgesamt von Aktien im Wert von fünf Milliarden Dollar. Dies führte zu Verlusten in Höhe von 24,1 Milliarden Dollar für das Unternehmen, was auch den Nettogewinn negativ beeinflusste. Dennoch lief das operative Geschäft gut.
Berkshire Hathaway ist ein vielfältiges Konglomerat, zu dem Versicherungsgeschäfte, eine Energie- und eine Industriesparte sowie mehr als 80 kleine und mittelständische Unternehmen gehören. Trotz der Verkäufe von Aktien im dritten Quartal kaufte Buffett im gleichen Zeitraum Aktien im Wert von 1,1 Milliarden Dollar zurück und hat seit Jahresbeginn insgesamt rund sieben Milliarden Dollar in Rückkäufe investiert. Dies wurde von den Aktionären positiv aufgenommen, und die Aktien von Berkshire Hathaway erreichten im September ein neues Rekordhoch.
Buffett profitierte auch von den gestiegenen Renditen von US-Staatsanleihen, da das Unternehmen hohe Cash-Reserven in solche Anleihen investiert hat. Ende September lagen die Barmittel bei 157,2 Milliarden Dollar, ein neuer Rekord. 126,4 Milliarden Dollar davon waren in Anleihen investiert, die eine Rendite von über fünf Prozent erzielten. Buffett und sein langjähriger Geschäftspartner Charlie Munger suchen weiterhin nach geeigneten Übernahmezielen, um diese Mittel gewinnbringend anzulegen.
