Wall Street verschiebt Fed-Zinssenkungen: Goldman Sachs revidiert Prognose
Hartnäckige Inflation und ein robuster Arbeitsmarkt zwingen zwei Wall-Street-Banken zur Revision ihrer Fed-Zinsprognosen.

Zwei führende Wall-Street-Banken haben ihre Erwartungen für Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve deutlich nach hinten verschoben. Als Hauptgründe nennen die Analysten eine hartnäckige Inflation sowie einen widerstandsfähigen Arbeitsmarkt, der die Dringlichkeit für geldpolitische Lockerungsmaßnahmen erheblich verringert. Zusätzlich trüben mehrere Angebotsschocks den wirtschaftlichen Ausblick.
Goldman-Sachs-Analyst David Mericle erklärte konkret, dass die Bank ihre letzten beiden prognostizierten Zinssenkungen jeweils um ein Quartal nach hinten verschiebt. Goldman Sachs rechnet nun mit Zinssenkungen im Dezember 2026 und März 2027 – und damit deutlich später als bisher angenommen.
Inflation bleibt hartnäckiger als erwartet
Als zentralen Faktor für die Revision nennt Mericle die Weitergabe der Energiekosten, die die Kern-PCE-Inflation beeinflusst. Die Kern-PCE-Inflation – der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator, der Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert – bleibt damit auf einem erhöhten Niveau und gibt der Notenbank wenig Spielraum für schnelle Zinssenkungen.
Für deutsche Anleger ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung, da die Geldpolitik der Fed traditionell starke Auswirkungen auf die globalen Kapitalmärkte hat. Eine länger anhaltende Hochzinsphase in den USA beeinflusst Wechselkurse, Anleihemärkte und Aktienentwicklungen weltweit – und damit auch Portfolios hiesiger Privatanleger.
Widerstandsfähiger Arbeitsmarkt bremst Lockerungsdruck
Neben der Inflation spielt der robuste US-Arbeitsmarkt eine entscheidende Rolle bei der Neubewertung der Zinsprognosen. Ein starker Arbeitsmarkt signalisiert der Fed, dass die Wirtschaft keine unmittelbare Unterstützung durch niedrigere Zinsen benötigt. Solange die Beschäftigungslage stabil bleibt, fehlt ein wesentlicher Auslöser für eine beschleunigte Zinswende.
Hinzu kommen mehrere Angebotsschocks, die den wirtschaftlichen Ausblick zusätzlich eintrüben. Diese Faktoren erhöhen die Unsicherheit und machen es für die Fed schwieriger, einen klaren Kurs in Richtung Zinssenkungen einzuschlagen.
Was bedeutet das für Anleger?
Die Verschiebung der erwarteten Zinssenkungen hat weitreichende Konsequenzen für verschiedene Anlageklassen:
- Anleihen: Höhere Zinsen über einen längeren Zeitraum belasten Anleihekurse
- Aktien: Wachstumswerte und zinssensitive Sektoren stehen unter Druck
- US-Dollar: Ein länger hohes Zinsniveau stützt tendenziell den Greenback
- Immobilien: Höhere Finanzierungskosten dämpfen den Immobilienmarkt
Die Revision von Goldman Sachs unterstreicht, dass die Märkte ihre Erwartungen an eine schnelle Zinswende der Fed grundlegend überdenken müssen. Anleger sollten ihre Portfoliostrategien entsprechend anpassen und die kommenden Inflations- und Arbeitsmarktdaten der USA genau im Blick behalten.
