Wall Street im Aufwind
Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

Die US-Anleger zeigten sich gestern optimistisch an der Wall Street, da sich die Rezessionsängste allmählich abschwächten. Das Zinsthema, das in den letzten Tagen im Fokus stand, trat in den Hintergrund.
Die großen US-Aktienindizes konnten im Verlauf des Handelstages ihre Gewinne ausbauen und schlossen höher. Die gestrigen Hinweise der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) auf mögliche weitere Zinserhöhungen, die den Markt belastet hatten, wurden heute weniger beachtet.
Der Dow-Jones-Index knüpfte an seine vorherige Gewinnserie an und legte um 1,26 Prozent auf 34.408 Punkte zu, den höchsten Stand seit Mitte Dezember. Auch die zinssensitive Technologiebörse Nasdaq verzeichnete einen Anstieg um 1,15 Prozent, während der marktbreite S&P-500-Index um 1,22 Prozent stieg und neue Jahreshochs erreichte.
Positive Konjunkturdaten spielten ebenfalls eine Rolle bei der Stärkung des Marktes. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Mai überraschend um 0,3 Prozent und dämpften damit die Rezessionsängste der Anleger. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der US-Wirtschaft.
Auch die Industriestimmung im Bundesstaat New York verbesserte sich überraschend stark im Juni, was positiv überraschte. Die wöchentlichen Daten vom Arbeitsmarkt deuteten auf eine Stagnation hin, aber insgesamt bleibt der Arbeitsmarkt robust.
Die Geldpolitik der US-Notenbank hatte gestern auch Auswirkungen auf die chinesischen Technologieaktien an der New Yorker Börse. Die Senkung des Hauptleitzinses durch die chinesische Zentralbank zur Unterstützung der schwächelnden Wirtschaft führte unter anderem zu einem Kursanstieg von 3,1 Prozent bei Alibaba.
Auch der Tech-Gigant Apple kehrte auf die Erfolgsspur zurück und erreichte ein neues Rekordhoch. Die Aktie stieg um über ein Prozent und schloss bei 186,01 Dollar.
Der deutsche Leitindex DAX hatte anfangs Schwierigkeiten, sich nach dem jüngsten Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) zu erholen, konnte aber im Verlauf des Tages ansteigen und schloss nur leicht schwächer. Der DAX erreichte einen Schlussstand von 16.290 Punkten und bleibt trotz der Aussicht auf weitere Zinserhöhungen robust.
Die EZB hat gestern die Zinsen um weitere 25 Basispunkte auf 4,00 Prozent angehoben. EZB-Chefin Christine Lagarde betonte, dass weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich seien und verwies auf die zu hohe Inflation. Die Aussicht auf steigende Zinsen belastete jedoch die europäischen Aktien, da Marktstrategen skeptischer wurden und europäische Positionen abbauten.
Die Wirtschaftsforschungsinstitute DIW, IfW und RWI revidierten ihre Wachstumsprognosen für Deutschland nach unten. Das DIW erwartet einen Rückgang von 0,2 Prozent, das IfW von 0,3 Prozent und das RWI ebenfalls von 0,3 Prozent.
Am Devisenmarkt führte der Zinsentscheid der EZB zu einem schwächeren Dollar, was wiederum die Ölpreise stützte. Der japanische Yen hingegen schwächelte weiter aufgrund der Spekulationen über weitere Zinserhöhungen in den USA.
Siemens kündigte Milliardeninvestitionen in Fabriken und Forschung in Asien, den USA und Europa an. Die Aktie setzte ihren Aufwärtstrend fort und erreichte ein neues Rekordhoch.
Die Aktionäre von Brenntag stärkten dem Vorstand den Rücken und brachten dem aktivistischen Investor Primestone eine Niederlage bei. Die Hauptversammlung des Chemikalienhändlers votierte für die Vorschläge des Unternehmens zur Besetzung des Aufsichtsrates.
Atoss Software verzeichnete einen Kursrutsch aufgrund des Verkaufs eines umfangreichen Aktienpakets durch die Mehrheitsaktionärin AOB Invest. Die Aktie verlor rund 12,8 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittspreis der letzten sechs Monate.
Der Modekonzern Hugo Boss hob seine mittelfristigen Ziele an, da das Unternehmen schnelleres Wachstum erwartet als zuvor prognostiziert. Der Umsatz soll bis 2025 fünf Milliarden Euro erreichen und das operative Ergebnis 600 Millionen Euro.
Der Bahnzulieferer Vossloh gab optimistischere Prognosen für das Jahr 2023 bekannt, da vor allem das Geschäft mit standardisierten Produkten gut läuft. Der Umsatz wird nun zwischen 1,125 und 1,2 Milliarden Euro erwartet, und das operative Ergebnis soll 87 bis 94 Millionen Euro betragen.
Der Verkauf des Fußballklubs Manchester United an ein Konsortium aus Katar steht offenbar kurz bevor. Die Familie Glazer, die den Klub kontrolliert, wird sich komplett zurückziehen. Die Aktie von Manchester United stieg daraufhin deutlich an.
Das schwedische Bekleidungsunternehmen H&M verzeichnete im zweiten Quartal ein geringeres Umsatzwachstum aufgrund ungünstigen Wetters in wichtigen Regionen.
Der Rückversicherer Swiss Re sieht sich für die Zukunft gut gerüstet und erwartet steigende Preise und Potenzial im Bereich der Naturkatastrophenrisiken.
Im Gerichtsfall um die "Thunfisch-Anleihen" in Mosambik hat die Credit Suisse eine Abweisung der Klage beantragt. Die Bank argumentiert, dass ein faires Verfahren nicht möglich sei, da die Regierung Mosambiks keine Dokumente offenlege.
Die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS hat auch juristische Altlasten mit sich gebracht. Ein Zivilprozess um die "Thunfisch-Anleihen" soll im September beginnen.
