VW warnt vor drohendem Produktionsstopp
Chip-Mangel und Handelskonflikt bringen Werke in Zwickau und Wolfsburg unter Druck

Volkswagen sieht sich erneut mit Problemen in der Lieferkette konfrontiert und warnt vor möglichen Produktionsstopps in seinen Werken. Nach Informationen eines Medienberichts könnte es bereits ab der kommenden Woche zu Einschränkungen in der Fertigung kommen. Besonders betroffen seien demnach die Standorte Zwickau und Wolfsburg. In Zwickau solle die Produktion ab Mittwoch in Kurzarbeit gehen, während im Stammwerk in Wolfsburg ein Produktionsstopp der Golf-Reihe drohe. Der Grund für die Schwierigkeiten liegt im anhaltenden Mangel an Halbleitern, die für die Herstellung moderner Fahrzeuge unerlässlich sind.
Ein Sprecher des Konzerns widersprach dem Bericht jedoch entschieden. Die Behauptung, es seien bereits Entscheidungen über Kurzarbeit gefallen, entspreche nicht der Wahrheit. Nach seiner Darstellung seien solche Aussagen auf der Belegschaftsversammlung in Zwickau nicht gefallen. Dennoch wollte der Sprecher nicht ausschließen, dass sich die Lage kurzfristig verschärfen könnte. Aktuell lasse sich nicht mit Sicherheit sagen, ob und wann die Lieferung bestimmter Bauteile ins Stocken geraten werde.
Die Engpässe hängen mit dem niederländischen Chip-Hersteller Nexperia zusammen, der im Besitz des chinesischen Technologiekonzerns Wingtech ist. Nexperia geriet in den Sog des Handelskonflikts zwischen China und den USA. Aufgrund von Beschränkungen auf amerikanischer Seite könnten Lieferungen elektronischer Steuerungen, in denen Nexperia-Halbleiter verbaut sind, in Europa bald ausbleiben. Die US-Regierung hatte Wingtech bereits im Jahr 2024 auf eine schwarze Liste gesetzt, weil sie Risiken für die nationale Sicherheit sieht.
Volkswagen erklärte, dass in zahlreichen Komponenten seiner Fahrzeuge Halbleiter von Nexperia verwendet werden, die der Konzern über verschiedene Zulieferer bezieht. Derzeit laufe die Produktion planmäßig, betonte der Sprecher erneut. Gleichzeitig stehe man in engem Austausch mit allen relevanten Partnern, um mögliche Störungen frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen.
Laut Medienberichten soll Volkswagen vorsorglich Kontakt mit der Arbeitsagentur aufgenommen haben, um sich auf mögliche Kurzarbeit vorzubereiten. Davon könnten nach ersten Schätzungen mehrere Zehntausend Beschäftigte betroffen sein. Im Werk Wolfsburg stehen die Produktionsbänder für Golf und Tiguan am Freitag aufgrund einer Inventur ohnehin still. Nach derzeitiger Planung soll die Fertigung in der kommenden Woche wieder anlaufen, sofern die Versorgung mit Bauteilen stabil bleibt.
Die Automobilverbände ACEA und VDA warnen unterdessen vor größeren Auswirkungen auf die gesamte Branche. Beide fordern die Politik auf, sich für stabile Lieferketten einzusetzen und Abhängigkeiten von chinesischen Herstellern zu verringern. Der Fall Nexperia verdeutliche, wie verwundbar die europäische Industrie gegenüber geopolitischen Spannungen geworden ist.
