VW setzt auf Feststoffbatterien
Powerco schließt Lizenzdeal mit Quantumscape für Serienfertigung. Hürden bleiben bestehen.

Volkswagen (VW) hat einen bedeutenden Schritt in Richtung der Feststoffzellentechnologie gemacht. Am Donnerstag gab die VW-Tochtergesellschaft Powerco eine Lizenzvereinbarung mit dem kalifornischen Start-up Quantumscape bekannt. Diese Vereinbarung ermöglicht die Serienfertigung von Feststoffzellen für bis zu eine Million Elektroautos jährlich. Gleichzeitig wurde das 2018 gegründete Joint Venture mit Quantumscape aufgelöst, und die Geschäftsbeziehungen wurden auf Powerco übertragen, die 2022 gegründet wurde.
Frank Blome, der Vorstandschef von Powerco, erklärte, dass das Ziel dieser Zusammenarbeit darin bestehe, den Kunden die modernsten und nachhaltigsten Batteriezellen anzubieten. Er betonte, dass VW und Quantumscape seit Jahren zusammenarbeiten und die Prototyp-Zellen von Quantumscape intensiv getestet wurden. Die Vorfreude sei groß, diese zukunftsweisende Technologie in die Serienproduktion zu überführen.
Volkswagen ist seit 2012 mit Quantumscape verbunden und hält eine Hauptanteilseignerschaft. Bislang haben die Wolfsburger rund 300 Millionen Euro in das Unternehmen investiert. Im Januar dieses Jahres meldeten VW und Quantumscape gemeinsam einen technologischen Durchbruch. Ein Prototyp der beiden Unternehmen überstand mehr als 1000 Ladezyklen, was einer Lebensdauer von etwa 500.000 Kilometern entspricht. Nach diesen Tests behielt die Zelle immer noch etwa 95 Prozent ihrer ursprünglichen Speicherkapazität. Dies bedeutet, dass der Akku trotz zahlreicher Lade- und Entladevorgänge kaum altert, ein Problem, das bei vielen aktuellen Elektroautos besteht.
Traditionell verwenden Batterien für Elektroautos Elektrolyte, also flüssige Materialien, um den Strom in den Zellen zu leiten. Feststoffbatterien hingegen kommen ohne diese Flüssigkeiten aus und bieten zahlreiche Vorteile: Sie ermöglichen schnelleres Laden – innerhalb von 15 Minuten könnte ein Elektroauto vollständig aufgeladen sein, was dreimal schneller ist als derzeit üblich. Zudem versprechen Feststoffbatterien eine größere Reichweite von bis zu 1000 Kilometern für ein Mittelklassefahrzeug und eine deutlich geringere Brandgefahr. Diese Vorteile konnten bisher jedoch hauptsächlich im Labor nachgewiesen werden. Die Herstellung von Feststoffzellen ist komplizierter, da die Komponenten sehr präzise aufeinander abgestimmt sein müssen und die Materialien hinsichtlich ihres Temperaturverhaltens optimiert werden müssen. Qualität und Kosten sind derzeit noch nicht für die Serienproduktion geeignet.
Auch andere große Automobilhersteller, darunter BMW, arbeiten intensiv an der Entwicklung von Feststoffbatterien. BMW hat 2022 seine Forschungs- und Entwicklungsarbeit mit dem US-Start-up Solid Power erweitert und eine entsprechende Lizenzvereinbarung abgeschlossen. In Parsdorf bei München soll ein Batteriezentrum für die Prototyp-Fertigung von Festkörperzellen entstehen, und BMW plant, bereits im kommenden Jahr Demonstrationsfahrzeuge mit dieser Technologie vorzustellen. Ein Serieneinsatz ist jedoch wie bei VW nicht vor Ende des Jahrzehnts geplant.
Experten weisen darauf hin, dass die derzeitige Lithium-Ionen-Batterietechnologie noch weiterentwickelt werden kann, bevor Feststoffzellen im nächsten Jahrzehnt dominieren könnten. Der Elektroauto-Unternehmer Henrik Fisker warnte, dass die letzten zehn Prozent der Entwicklung von Feststoffbatterien weitaus schwieriger seien als die ersten 90 Prozent. Fiskers Unternehmen hat mittlerweile Insolvenz angemeldet.
