VW präsentiert günstigen Elektro-Kleinwagen ID. Every1
Partnerschaft mit Rivian, geringe Margen und Produktion in Portugal – Herausforderung für Konzern in Krise

Volkswagen stellte in Düsseldorf sein künftiges Elektroauto ID. Every1 vor, das ab 2027 in Serie produziert werden soll. Mit einem geplanten Preis von rund 20.000 Euro positioniert VW das Fahrzeug bewusst im günstigen Segment, um Elektromobilität für eine breitere Zielgruppe attraktiv zu machen. Intern trägt der Kleinwagen bislang noch die kürzere Modellbezeichnung „ID.1“. Über den endgültigen Namen werde allerdings bis zum Marktstart noch verhandelt, heißt es aus Unternehmenskreisen.
Der ID. Every1 wird auf einer überarbeiteten Variante der bewährten MEB-Plattform basieren. Anders als bisherige Elektromodelle von VW erhält der Kleinwagen einen Frontantrieb mit einem Motor, der eine Leistung von 70 kW (95 PS) erreicht. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 130 Stundenkilometern. VW gibt für den ID. Every1 eine Akkureichweite von mindestens 250 Kilometern an. Das Fahrzeug richtet sich damit klar an Stadtbewohner und ähnelt optisch stark dem bereits angekündigten Modell ID.2all, das VW ab 2026 zu einem Preis unter 25.000 Euro anbieten möchte.
Eine wesentliche Neuerung für Volkswagen ist die Kooperation mit dem US-amerikanischen Elektroautohersteller Rivian. Im Rahmen einer Software-Allianz investiert VW insgesamt fünf Milliarden Dollar. Der ID. Every1 soll das erste VW-Modell sein, das von dieser Partnerschaft profitiert. Software-Updates und neue Funktionen lassen sich beim ID. Every1 nach dem Kauf individuell und dauerhaft nachrüsten. Laut Entwicklungschef Kai Grünitz wird das Fahrzeug somit über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg anpassbar bleiben.
Der Kleinwagen wird voraussichtlich in Palmela, Portugal, gefertigt. Aufgrund des niedrigen Verkaufspreises muss VW bei der Herstellung Kompromisse eingehen. Details dazu, wie viele Komponenten tatsächlich von Volkswagen selbst hergestellt werden, blieben bislang offen. Besonders kritisch dürfte die Wirtschaftlichkeit des Modells sein, denn Volkswagen befindet sich derzeit in einer tiefgreifenden Krise. Das Unternehmen plant, bis 2030 rund 35.000 Stellen abzubauen und jährlich 15 Milliarden Euro einzusparen. Der ID. Every1 wird daher laut Insidern nur geringe Margen abwerfen und primär als Volumenmodell dienen.
Eine ursprünglich geplante Kooperation mit Renault zur Kostensenkung kam letztlich nicht zustande. Der Konzern setzt das Projekt nun allein um; auch VW-Töchter Seat und Skoda erhalten vorerst keine vergleichbaren Modelle. Mit dem ID. Every1 tritt Volkswagen künftig gegen etablierte Wettbewerber an, etwa gegen den derzeit günstigsten Elektro-Kleinwagen auf dem deutschen Markt, den Dacia Spring, sowie das Leapmotor-Modell TO3.
