VW bringt Elektro-Pick-ups in die USA
Rückkehr der Marke Scout soll neue Marktchancen eröffnen und Glaubwürdigkeit stärken

Volkswagen hat in den USA unter der Marke „Scout“ zwei neue Elektrofahrzeuge vorgestellt. Mit dem „Scout Traveler SUV“ und dem „Scout Terra Truck“ will der deutsche Automobilhersteller in die Segmente der Pick-ups und großen SUVs einsteigen, die in den USA sehr beliebt sind. Beide Fahrzeuge können entweder als reine Elektroautos genutzt werden oder als Hybridfahrzeuge, bei denen ein benzinbetriebener Generator die Batterie auflädt. Der „Traveler“ soll ab 2027 auf dem Markt erhältlich sein, der „Terra“ ein Jahr später.
Die Entscheidung, die Marke „Scout“ wiederzubeleben, basiert auf der langen Geschichte dieser Fahrzeuglinie in den USA. Ursprünglich ab 1961 gebaut, war der Scout ein robustes Fahrzeug, das vor allem von Farmern und Handwerkern genutzt wurde, bis die Produktion 1980 eingestellt wurde. 2021 wurde die Marke durch eine Übernahme Teil von Volkswagen. Laut VW-Finanzvorstand Arno Antlitz soll „Scout“ dem Unternehmen Glaubwürdigkeit im US-Markt verleihen und neue Wachstumschancen erschließen. Der Konzern hat in den letzten Jahren bereits einen Marktanteil von vier bis fünf Prozent in den USA erreicht und verzeichnete ein Wachstum von 24 Prozent im Vorjahr.
Um die Produktion der neuen Scout-Modelle zu ermöglichen, errichtete VW ein großes Werk in Blythewood, South Carolina. Das Werk umfasst sechseinhalb Quadratkilometer und stellt eine Investition von zwei Milliarden Dollar dar. Dort sollen mehr als 4000 Mitarbeiter jährlich über 200.000 Fahrzeuge produzieren. Darüber hinaus wurden drei Milliarden Dollar in die Entwicklung einer eigenständigen Elektro-Plattform für die Scout-Modelle investiert, die unabhängig vom Hauptsitz in Wolfsburg entwickelt wird.
Branchenkenner äußern jedoch Zweifel an den Erfolgsaussichten der neuen Scout-Modelle. Der Markt für Elektrofahrzeuge wächst in den USA langsamer als erwartet, und die Konkurrenz im Bereich der Elektro-Pick-ups ist bereits stark. Hersteller wie GM, Ford, Rivian und Tesla bieten ähnliche Modelle an, was die Markteinführung für VW zu einer Herausforderung macht. Zusätzlich belastet ein im Frühsommer 2024 vereinbartes Joint Venture zwischen VW und dem US-Start-up Rivian das Projekt. Rivian stellt ebenfalls Elektro-Pick-ups her, was zu interner Konkurrenz führen könnte.
Analysten sehen die Zusammenarbeit mit Rivian kritisch. Patrick Hummel von der UBS äußerte, dass es Überschneidungen zwischen den beiden Marken geben könnte und hinterfragt die Investition von fünf Milliarden Euro in die Marke Scout. Laut internen Informationen soll VW-Konzernchef Oliver Blume sogar offen über einen möglichen Abbruch des Projekts gesprochen haben, da die Kosten erheblich sind. Trotz dieser Unsicherheiten betonte Antlitz, dass die Diskussion über die Zusammenarbeit aktuell auf die Software fokussiert ist, jedoch weitere Optionen bestehen.
