Zwangsarbeitsvorwürfe gegen VW in Xinjiang
Untersuchungen enthüllen Einsatz uigurischer Arbeiter beim Teststreckenbau

Der deutsche Automobilkonzern Volkswagen sieht sich mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Im Zentrum der Kritik steht der Bau einer Teststrecke in der westchinesischen Provinz Xinjiang, bei dem mutmaßlich Zwangsarbeiter zum Einsatz kamen. Diese Informationen wurden dem Handelsblatt von VW-Mitarbeitern zugespielt und durch den deutschen Wissenschaftler Adrian Zenz überprüft. Zenz, der seit Jahren zu Zwangsarbeit und Internierungslagern in Xinjiang forscht, fand Hinweise auf den Einsatz von uigurischen Zwangsarbeitern auf den Internetseiten der Firmen, die mit dem Bau der Teststrecke beauftragt waren.
Die Vorwürfe wiegen schwer, insbesondere da sie in einem Kontext erfolgen, in dem bereits andere Unternehmen wie der Chemiekonzern BASF ihre Beteiligungen in der Region aufgrund ähnlicher Bedenken abgestoßen haben. Die Teststrecke, die Volkswagen gemeinsam mit seinem Joint-Venture-Partner SAIC errichtet hat, steht nun im Mittelpunkt der Kritik. Neben der Teststrecke betreibt VW in Urumqi, der Hauptstadt von Xinjiang, auch ein Fahrzeugwerk. Die Region ist seit langem für die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren durch den chinesischen Staat bekannt, was den Druck auf Unternehmen erhöht, ihre Geschäftsbeziehungen dort zu überdenken.
Die neuen Vorwürfe könnten den Druck auf Volkswagen weiter erhöhen, sich vollständig aus Xinjiang zurückzuziehen. Dies folgt auf Forderungen von Politikern mehrerer Parteien, die den Konzern aufgefordert haben, seine Geschäfte in der Region zu beenden. Die Kritik an Volkswagen ist nicht neu; das Unternehmen steht bereits seit einiger Zeit wegen seiner Produktion in Urumqi in der Kritik. Eine Überprüfung der Fabrik durch einen externen Dienstleister, einen sogenannten Auditor, hatte im vergangenen Jahr stattgefunden, wobei die Teststrecke jedoch ausgenommen wurde. Laut VW ergab die Untersuchung der Fabrik keine Hinweise auf eine Unterdrückung von Uiguren oder Zwangsarbeit.
Die Glaubwürdigkeit dieser Ergebnisse wird jedoch von einigen Seiten in Frage gestellt. Kritiker bemängeln unter anderem, dass die Befragung der Mitarbeiter unter Umständen nicht frei von Vorbehalten durchgeführt wurde. Darüber hinaus wurden der Untersuchung enge Grenzen gesetzt, was Zweifel an der Vollständigkeit der Überprüfung aufkommen lässt. Die Teststrecke, die im Jahr 2019 fertiggestellt wurde, dient zum Testen von Fahrzeugen unter extremen Temperaturen. Berichte über den Bau der Strecke und die Beteiligung von Arbeitern aus sogenannten „Armutsbekämpfungsprogrammen“ werfen ein beunruhigendes Licht auf die Praktiken, die möglicherweise zur Realisierung des Projekts angewandt wurden.
Volkswagen weist die Vorwürfe zurück und betont, dass der Konzern sich an die Leitlinien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte halte, wonach Zwangsarbeit ausgeschlossen sei. Dennoch bleibt die Situation in Xinjiang ein sensibles Thema, das nicht nur für Volkswagen, sondern für die gesamte internationale Geschäftswelt Herausforderungen in Bezug auf ethische Geschäftspraktiken und Menschenrechte darstellt.
