Vorsicht am Aktienmarkt vor US-Preisdaten und Frankreich-Wahlen
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Neue US-Preisdaten am Freitag und die Wahlen in Frankreich am Sonntag sorgen erneut für viel Vorsicht am Aktienmarkt. Der DAX bewegte sich seitwärts in engen Bahnen. Am Aktienmarkt bot sich auch getern ein ähnliches Bild wie schon in den vergangenen Handelstagen: Der DAX bewegte sich weiter in einer überschaubaren Bandbreite zwischen 18.000 und 18.400 Punkten und schloss am Ende bei 18.210 Punkten um 0,3 Prozent leicht höher. Die Schwankungsbreite lag zwischen 18.141 und 18.265 Punkten in einem engen Rahmen. Damit bleibt der deutsche Leitindex zwar weiter auf hohem Niveau und über der Marke von 18.000 Punkten, zu mehr reicht es derzeit aber nicht.
Vorgestern war der deutsche Leitindex zwischenzeitlich bis auf 18.045 Zähler abgesackt, hatte sich dann aber wieder stabilisiert. Der MDAX der mittelgroßen Unternehmen gewann ebenfalls leicht 0,15 Prozent. "Bis zum Wochenende dürfte die Marktliquidität vor allem in Europa eher gering bleiben, bei gleichzeitig steigender Nervosität", hieß es in einer Einschätzung der Expertinnen und Experten von Index-Radar. "Neben den anstehenden Inflationszahlen aus den USA am Freitag (PCE) sorgt die erste Runde der französischen Parlamentswahlen am Sonntag für Zurückhaltung."
Während sich in Frankreich ein massiver Rechtsruck abzeichnet, bleibt die Situation um die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) weiter unklar. Schon im Januar wurde mit Zinssenkungen gerechnet, die noch immer zu hohen Inflationsraten bremsen aber die Notenbanker seitdem immer wieder aus. Die US-Notenbanker um Bankchef Jerome Powell wollen in ihrer Geldpolitik ähnlich wie auch die EZB datenabhängig entscheiden, also auf Sicht fahren. Am Freitag wird nun mit dem Preisindex der persönlichen Konsumausgaben ein für die Fed zentraler Datenkranz veröffentlicht. "Wenn die Inflationsdaten dem Markt nicht genehm sind, kann die Stimmung schnell kippen", warnte Jochen Stanzl von CMC Markets.
Nach enttäuschend aufgenommenen Zahlen von Chiphersteller Micron haben an der Wall Street Standardaktien Auftrieb erhalten. Der Leitindex Dow Jones ist mittlerweile um rund 0,2 Prozent ins Plus gedreht, die Technologiebörse Nasdaq gibt Anfangsgewinne ab und ringt mit ihren Schlusskursen, ebenso wie der marktbreite S&P-500-Index. Die Schwankungen bleiben dabei aber gering. Neue Wirtschaftsdaten haben kaum Einfluss. Vor den Preisdaten morgen scheuen auch die US-Anleger größere Engagements. Zudem findet heute die erste Fernsehdebatte zwischen Präsident Joe Biden und Herausforderer Donald Trump statt.
Im zuletzt so erfolgsverwöhnten Chipsektor dämpft ein Kursrutsch von Micron von über sechs Prozent die Stimmung. Angesichts des anhaltenden KI-Booms und ausverkaufter Speicherchips reichten die Umsatzprognosen den Investoren nicht aus - obwohl die Unternehmensziele für das laufende Quartal in etwa den Konsensschätzungen entsprachen. Der Optimismus hinsichtlich der KI-getriebenen Nachfrage hatte die Aktie in diesem Monat um 14 Prozent steigen lassen. Andere Halbleiteraktien, darunter der KI-Vorreiter Nvidia notieren ebenfalls schwächer.
Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in den USA derweil in der vergangenen Woche stärker gesunken als erwartet. Die Zahl der Hilfsanträge fiel um 6.000 auf 233.000, wie das Arbeitsministerium am Nachmittag in Washington mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 235.000 Anträge gerechnet. Damit bleibt der Arbeitsmarkt trotz der hohen Zinsen ungebrochen robust. Dass die US-Wirtschaft unter Dampf steht zeigt auch die dritte Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das erste Quartal. Danach stieg das BIP zum Vorquartal auf ein Jahr hochgerechnet um 1,4 Prozent, wie das Handelsministerium in Washington nach einer dritten Schätzung mitteilte. Eine vorherige Schätzung wurde um 0,1 Prozentpunkte angehoben.
Der Euro legt derweil leicht zu. Am späten Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,0709 Dollar und damit etwas mehr als am Morgen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0696 (Mittwoch: 1,0689) US-Dollar fest. Der Handel zwischen Euro und Dollar verlief bisher ruhig. Konjunkturdaten bewegten die Kurse kaum. In der Eurozone hat sich das Geldmengenwachstum zuletzt weiter beschleunigt, während sich die Wirtschaftsstimmung leicht eintrübte.
Die Ölpreise legen derweil leicht zu. Am Nachmittag kostet sowohl ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent als auch der US-Sorte WTI rund 0,8 Prozent mehr. Die leichte Schwäche des US-Dollars stützte die Ölpreise etwas. Ein schwächerer Dollar macht Rohöl für Käufer aus anderen Währungsräumen günstiger. Dies stützt die Nachfrage. Seit einigen Wochen tun sich die Erdölpreise mit der Richtungssuche schwer. Entscheidende Impulse blieben bis zuletzt Mangelware.
Rheinmetall hat im Bereich Autozulieferung einen Großauftrag eingeheimst. Ein namhafter internationaler Autokonzern habe mehrere Millionen elektrische Kühlmittelpumpen bestellt, teilte der Rüstungs- und Autozulieferkonzern mit. Der Auftragswert liege im niedrigen dreistelligen Millionen Euro-Bereich. Die Pumpen werden in hybridbetriebenen Fahrzeugen verbaut. Die bis 2030 vorgesehene Produktion sei bereits angelaufen.
Die größten Geldhäuser in den USA verfügen nach Einschätzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) über eine krisenfeste Kapitalausstattung. Alle getesteten 31 Institute bestanden den jährlichen Stresstest der Finanzaufseher, wie die Fed mitteilte. Auch die Deutsche Bank hatte mit ihrem US-Ableger bei der Belastungsprobe anhand simulierter Krisenszenarien keine Probleme. Jedes Institut sei bei einer hypothetischen Rezession oberhalb ihrer Mindestkapitalanforderungen geblieben.
Der Modehändler Hennes & Mauritz (H&M) ist schwach ins dritte Geschäftsquartal gestartet. Der Umsatz im Juni dürfte in Landeswährung sechs Prozent unter dem Vorjahreswert liegen, teilten die Schweden mit. Vor allem zu Monatsbeginn habe schlechtes Wetter in zahlreichen Märkten die Geschäfte belastet. Dazu komme ein hoher Vergleichswert bei den Erlösen im Juni 2023. Der neue H&M-Chef Daniel Ervér hält trotzdem an seinem Jahresziel fest und peilt 2024 weiterhin eine operative Marge von zehn Prozent an.
Düstere Geschäftsaussichten belasten Walgreens Boots Alliance. Die US-Apothekenkette senkte heute ihre Gewinnprognose und kündigte an, weitere umsatzschwache Filialen in den USA schließen zu wollen. Wie viele Filialen dicht gemacht werden, gab der Konzern nicht bekannt. An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an: Walgreens-Aktien brechen um rund ein Viertel ein auf 11,72 Dollar - der niedrigste Stand seit 27 Jahren. Walgreens leidet unter dem schwachen Einzelhandelsumfeld in den USA und dem Druck auf Kostenerstattungen. Verbraucherinnen und Verbraucher halten sich wegen der anhaltenden Inflation beim Kauf rezeptfreier Gesundheitsprodukte zurück. In den ersten neun Monaten erhöhte sich so der Nettoverlust auf 5,6 Milliarden Dollar von 2,9 Milliarden im Vorjahreszeitraum.
Die Raumfahrtfirma SpaceX des Milliardärs Elon Musk soll in einer weiteren Finanzierungsrunde offenbar mit 210 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 196 Milliarden Euro) bewertet werden. Dieses Volumen werde bei der Platzierung von weiteren Anteilen bei Investoren angestrebt, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das wären 30 Milliarden Dollar mehr als bei dem Verkauf von Anteilen im Dezember.
Das deutsche KI-Startup Helsing spricht einem Zeitungsbericht zufolge mit Investoren über eine Finanzspritze von knapp 500 Millionen Dollar. Das würde eine Bewertung von 4,5 Milliarden Dollar ergeben, berichtete die "Financial Times". Helsing aus München entwickelt Software und Künstliche Intelligenz (KI), die im Bereich der Verteidigung zum Einsatz kommt. Das Unternehmen arbeitet dabei mit Streitkräften, Behörden und der Industrie zusammen.
