Volkswagen trennt sich von Personalchef Kilian
Fehlender Rückhalt, Stellenabbau und Differenzen bei Beteiligungen führen zur Trennung

Volkswagen trennt sich überraschend und mit sofortiger Wirkung von Personalchef Gunnar Kilian. Der Aufsichtsrat des Konzerns fasste dazu einen entsprechenden Beschluss. Als Grund wurden "unterschiedliche Vorstellungen bei der Steuerung von Beteiligungsgesellschaften" genannt. Nach Angaben aus dem Umfeld des Konzerns fehlte dem 50-Jährigen der Rückhalt für eine Vertragsverlängerung, die in wenigen Monaten zur Entscheidung angestanden hätte.
Kilian war seit dem Jahr 2000 im Unternehmen tätig und hatte seine Laufbahn im Konzernbetriebsrat begonnen. Im Jahr 2018 wurde er in den Vorstand berufen und übernahm das Ressort Personal. Damals zählte er zu den jüngsten Managern eines DAX-Konzerns. VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sowie Konzernchef Oliver Blume bedankten sich für Kilians langjährige Tätigkeit. Blume würdigte insbesondere dessen Kenntnisse der Konzernstrukturen und seinen Beitrag zur Transformation des Unternehmens.
Die Führung des Personalressorts übernimmt vorerst kommissarisch VW-Markenchef Thomas Schäfer. Kilian galt über viele Jahre hinweg als enger Vertrauter der IG Metall, die bei Volkswagen traditionell großen Einfluss besitzt. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat sich dieses Verhältnis zuletzt abgekühlt – unter anderem wegen der aktuellen Diskussionen um den Stellenabbau.
In den vergangenen Monaten hatte das Thema Personalabbau bei Volkswagen wiederholt für Schlagzeilen gesorgt. Im Dezember hatten sich Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretung nach längeren Verhandlungen auf ein umfassendes Sanierungsprogramm für die Kernmarke VW verständigt. Vorgesehen ist der Abbau von rund einem Viertel der derzeit rund 130.000 Stellen in Deutschland bis zum Jahr 2030. Betriebsbedingte Kündigungen sind laut Vereinbarung ausgeschlossen. Stattdessen sollen Altersteilzeitregelungen ausgeweitet sowie Abfindungsangebote für freiwillig ausscheidende Mitarbeiter genutzt werden.
Hintergrund der Einschnitte sind strukturelle Probleme des Konzerns. Überkapazitäten und eine schwache Nachfrage auf wichtigen Märkten wie China und Europa belasten die Geschäftsentwicklung. Zudem stehen dem Wolfsburger Autobauer hohe Investitionen in die Elektromobilität bevor, die in Kombination mit steigenden Personalkosten die Wettbewerbsfähigkeit einschränken. Die Maßnahmen sollen helfen, den Konzern zukunftsfähig aufzustellen und Spielräume für Investitionen zu schaffen.
