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Volkswagen schließt Werk in Nanjing

Erstmals zieht sich der Konzern komplett aus einem chinesischen Produktionsstandort zurück

2 Min
Volkswagen schließt Werk in Nanjing

Volkswagen schließt erstmals eines seiner Werke in China. Die Produktionsstätte im ostchinesischen Nanjing, betrieben gemeinsam mit dem Partnerunternehmen Saic, steht nach Konzernangaben bereits still und soll bis Ende des Jahres vollständig geschlossen werden. Damit zieht sich der Konzern aus einem Standort zurück, der seit 2008 zur Fertigung verschiedener Modelle diente. Die Entscheidung fällt in eine Phase tiefgreifender Umstrukturierungen innerhalb des Unternehmens, das seine Produktion stärker auf Elektromobilität ausrichten will.

Die Fabrik in Nanjing war ursprünglich vom Joint Venture Shanghai Volkswagen eröffnet worden. Drei Jahre nach der Inbetriebnahme erreichte das Werk eine Produktionskapazität von 300.000 Fahrzeugen jährlich. Zuletzt liefen dort unter anderem der VW Passat und der Skoda Superb vom Band. Aufgrund seiner innerstädtischen Lage war der Standort jedoch nicht für eine Umrüstung auf die Anforderungen der Elektromobilität geeignet, wie es aus dem Umfeld des Unternehmens hieß. Eine Erweiterung war demnach nicht möglich, was die Zukunftsfähigkeit des Werks erheblich einschränkte.

Die Schließung erfolgt schrittweise im Laufe des zweiten Halbjahres. Die verbliebene Produktion wird in das benachbarte Werk im rund 100 Kilometer entfernten Yizheng verlagert. Es handelt sich um die erste vollständige Werksschließung von Volkswagen auf chinesischem Boden. Die Maßnahme ist Teil der strategischen Neuausrichtung, mit der der Konzern sein Produktionsnetzwerk für den Übergang zu elektrischen Antrieben anpassen will.

Gleichzeitig steht Volkswagen in China vor erheblichen Herausforderungen. Der Absatz von Fahrzeugen ist im ersten Halbjahr um 2,3 Prozent auf rund 1,3 Millionen Einheiten gesunken. Besonders das Geschäft mit Elektroautos entwickelt sich schleppend. Lokale Hersteller wie BYD gewinnen Marktanteile, während VW zunehmend unter Druck gerät. Das Unternehmen reagiert darauf mit einer verstärkten Fokussierung auf das nach wie vor profitable Geschäft mit Verbrennerfahrzeugen. Im Juni konnte so ein kurzfristiger Absatzanstieg erzielt werden.

Für das kommende Jahr setzt Volkswagen auf neue Elektromodelle, mit denen der Konzern seine Position auf dem chinesischen Markt wieder stärken will. Angesichts des scharfen Wettbewerbs und der Rabattschlachten heimischer Anbieter bleibt die Lage jedoch angespannt. Die Schließung des Werks in Nanjing markiert somit einen weiteren Einschnitt in der Neuausrichtung von Volkswagen im wichtigsten Automarkt der Welt.

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