Volkswagen ringt um Zukunft in den USA
Trump, Zölle, Software: Risiken bedrohen den milliardenschweren Kurswechsel des Konzerns

Im kalifornischen Santa Cruz steht der neue vollelektrische ID.Buzz von Volkswagen prominent im Showroom. Trotz vieler Interessenten ist der Absatz noch verhalten, was der Verkäufer mit Rabatten zu kompensieren versucht. Volkswagen sieht in den USA dennoch einen Schlüsselmarkt, um Rückgänge in China auszugleichen. Die Historie des Konzerns in den Vereinigten Staaten ist wechselhaft: In der Vergangenheit als Symbol eines Lebensgefühls gefeiert, konnte VW dort langfristig nie eine führende Position behaupten. Aktuell liegt der Marktanteil bei lediglich vier Prozent.
Trotz Rückschlägen verfolgt der Konzern seine US-Offensive entschlossen weiter. Insgesamt 20 Milliarden Euro investiert VW in verschiedene Projekte: den Ausbau des Werks in Chattanooga, ein Batteriewerk in Kanada, die Wiederbelebung der Marke Scout mit neuer Fabrik und ein Joint Venture mit dem Elektroautohersteller Rivian. Diese Pläne geraten jedoch ins Wanken, seit Donald Trump erneut politische Maßnahmen gegen Elektrofahrzeuge ankündigt. Er plant unter anderem, die E-Auto-Förderung zu streichen und Zölle auf Autoimporte aus Mexiko, Kanada und Europa zu erheben – Maßnahmen, die VW überdurchschnittlich treffen würden.
Ein Großteil der in den USA verkauften VW-Fahrzeuge stammt aus Mexiko oder Europa, darunter alle Porsche-Modelle und die gesamte Nordamerikaproduktion von Audi. Auch Batterien aus Kanada würden durch mögliche Zölle teurer. Während Wettbewerber wie Toyota oder Hyundai kaum betroffen wären, könnte Volkswagen durch Trumps Politik massiv geschädigt werden. Dennoch hält der Konzern an seinen Investitionsplänen fest, senkt aber die Zielmarke für den US-Marktanteil bis 2030 auf acht bis zehn Prozent.
Interne Probleme verstärken die Unsicherheiten. Der Absatz des ID.4 brach 2024 stark ein, unter anderem wegen technischer Mängel. Erst 2025 gelang dem Modell wieder ein besserer Verkaufsstart. Hybride fehlen bislang im US-Portfolio, sollen aber ab dem kommenden Jahr eingeführt werden. Der bisherige Nordamerikachef Pablo Di Si wurde ersetzt, sein Nachfolger Kjell Gruner soll die Wende bringen. Auch neue Modelle wie ein elektrischer Pick-up unter der Marke Scout sind geplant. Gleichzeitig drohen juristische Auseinandersetzungen mit US-Händlern, die einen Direktvertrieb von Scout ablehnen.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist das Engagement bei Rivian. Sollte der angeschlagene Partner scheitern, stünde auch VWs Softwarestrategie in den USA auf dem Spiel. Die Rivian-Technologie ist als westliches Softwareökosystem von zentraler Bedeutung für den Konzern.
