Volkswagen findet zurück zur alten Stärke
Elektro-Offensive, neue Führungsstrategie und ein klarer Kontrast zu Tesla

Volkswagen präsentiert sich derzeit als ein Unternehmen, das in einer unruhigen Welt Stabilität und Fortschritt verkörpert. Noch vor wenigen Jahren war der Konzern geprägt von internen Machtkämpfen, einem schwerwiegenden Abgasskandal, einem uneinheitlichen Eigentümerkreis und öffentlichem Streit. Während andere Hersteller kontinuierlich arbeiteten, dominierte bei Volkswagen das Chaos. Diese Phase scheint jedoch überwunden.
Aktuell vermittelt der Konzern ein völlig anderes Bild. In einer Zeit globaler Unsicherheiten und politischer Turbulenzen, besonders in den USA, hebt sich Volkswagen als strukturierter und zielorientierter Akteur ab. Konzernchef Oliver Blume verfolgt eine zurückhaltende, aber konsequente Strategie. Unter seiner Führung setzt Volkswagen auf Effizienz bei den Kosten, zugleich aber auf hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung. Der Auftritt ist nüchtern und sachlich, die Ausrichtung strategisch klar.
Im ersten Quartal des Jahres konnte Volkswagen nach eigenen Angaben die Zahl ausgelieferter Elektrofahrzeuge in Europa verdoppeln. In Deutschland stammen sieben der zehn meistverkauften vollelektrischen Modelle aus dem Konzern. Der ID.7, ein Modell auf Basis der weiterentwickelten MEB-Plattform, war im März das meistverkaufte Elektroauto in Deutschland. Auch weitere Plätze in den Verkaufscharts werden von Konzernmarken belegt, erst danach folgt das Tesla Model Y.
Die Entwicklung der Elektrosparte war für Volkswagen nicht frei von Rückschlägen. Der erste ID.3 war noch mit technischen Mängeln behaftet. Inzwischen jedoch wurden Plattform und Ausstattung deutlich verbessert. Mit neuen Modellen im kommenden Jahr soll die elektrische Angebotspalette weiter ausgebaut werden. Im Bereich der Verbrennungsmotoren ist der Konzern ohnehin stark aufgestellt.
Trotz dieser positiven Signale bestehen Risiken. Die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in den USA könnten zu finanziellen Belastungen führen. Zudem bleiben die Verkaufszahlen bei Audi und Porsche hinter den Erwartungen zurück. Auch die Erholung des China-Geschäfts lässt auf sich warten. Diese Herausforderungen müssen bewältigt werden, bevor von nachhaltiger Stabilität gesprochen werden kann.
Währenddessen tritt Tesla-Chef Elon Musk mit öffentlichen Eskapaden in Erscheinung. Seine Fokussierung auf politische Provokationen und der Versuch, Einfluss auf soziale Netzwerke zu nehmen, werfen Fragen zur Unternehmensführung bei Tesla auf. Im Kontrast dazu bleibt Volkswagen unter Blume auf Kurs – ruhig, strukturiert und mit Fokus auf das operative Geschäft.
