Volantis sammelt 88 Millionen Dollar für Laser-Technik bei KI-Chips
Das Halbleiter-Startup Volantis will mit Laserlicht die Datenübertragung zwischen Rechen- und Speicherchips beschleunigen.

Das in San Francisco ansässige Halbleiter-Startup Volantis hat am Donnerstag bekannt gegeben, 88 Millionen US-Dollar an Venture-Capital-Mitteln eingesammelt zu haben. Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen eine der zentralen Herausforderungen bei KI-Chips lösen – und greift dabei auf eine Technologie zurück, die bereits in hunderten Millionen iPhones verbaut ist. Die Finanzierungsrunde wurde vom Stripe-Veteranen Lachy Groom und Abstract Ventures angeführt.
Das Problem, das Volantis adressiert, ist grundlegend für die Leistungsfähigkeit moderner KI-Hardware. Die entscheidende Grenze für KI-Chips von Nvidia und Konkurrenten wie Advanced Micro Devices (AMD) besteht darin, wie gut die Rechenkomponenten eines Chips mit den Speicherchips kommunizieren können, in denen ein KI-Modell lebt und Daten an den Rechenchip liefert.
Nvidia und AMD lösen dieses Problem bislang, indem sie ihre Rechenchips mit teuren Hochbandbreitenspeicherchips umgeben. Doch selbst die besten aktuellen Angebote von Nvidia können aufgrund der begrenzten Reichweite der winzigen elektrischen Drähte, die die Speicherchips verbinden, nur acht dieser Speicherchips pro Grafikprozessor (GPU) aufnehmen. Genau an dieser Grenze setzt Volantis an.
Die Details
Volantis gibt an, eine Methode zur Übertragung von Daten zwischen Rechenchips und Speicherchips mittels Laserlichtstrahlen zu entwickeln. Das eliminiert das Reichweitenproblem der elektrischen Drähte. Nach Angaben des Unternehmens würde die Technik es ermöglichen, 220 Speicherchips um eine GPU herum zu packen – also deutlich mehr als die acht, die Nvidia derzeit pro Grafikprozessor anbindet.
Um dies zu erreichen, setzt Volantis auf sogenannte vertikal emittierende Oberflächenlaser, kurz VCSELs. Obwohl diese winzigen Laser exotisch klingen, treiben sie die Gesichtserkennungsfunktionen vieler Geräte von Apple an. Der iPhone-Konzern hat in den vergangenen Jahrzehnten stark in die Stärkung der entsprechenden Lieferkette investiert.
Indem Volantis relativ bekannte Komponenten zusammenführt, hofft das Unternehmen, einige Engpässe in der Lieferkette bei der Entwicklung von KI-Chips zu vermeiden. Im nächsten Jahr will das Startup einen Chip vorstellen, der Aufgaben wie KI-Programmierung beschleunigen würde, sagte Tapa Ghosh, CEO und Mitbegründer von Volantis, in einem Interview. Der Ansatz sei bewusst auf bestehende Bauteile ausgelegt: „Advanced Packaging ist immer respektabel – es ist nie trivial – aber es ist nicht unbedingt etwas Neues“, so Ghosh.
„Niemand wird einen Nobelpreis gewinnen, wenn unser Projekt funktioniert, aber die gute Nachricht ist, dass sie keinen brauchen werden“, ergänzte der Volantis-Chef.
An der Finanzierungsrunde beteiligten sich neben den Lead-Investoren Lachy Groom und Abstract Ventures weitere namhafte Geldgeber. Dazu zählt John Doerr, der Google und Amazon.com in ihren frühen Tagen unterstützte. Ebenfalls dabei sind VXI Capital, Triatomic und Susa Ventures. Hinzu kommen Engelinvestitionen des KI-Podcasters Dwarkesh Patel, des KI-Chip-Veteranen Naveen Rao und des Anthropic-Forschers Sholto Douglas.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Volantis-Finanzierung reiht sich in eine Serie großer Investitionen rund um KI-Hardware ein. Bereits am 28.06.2026 berichtete aktien.news, dass der KI-Boom eine Speicherchip-Krise und Marktvolatilität antreibt. Die fünf großen Hyperscaler – <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Oracle – haben demnach ihre Investitionsausgaben (Capex) so stark erhöht, dass die jährlichen Gesamtausgaben der S&P-500-Unternehmen von rund 1 Billion auf etwa 1,5 Billionen US-Dollar angestiegen sind.
Am 29.07.2026 meldete aktien.news, dass das Startup Eliyan aus Santa Clara, Kalifornien, in einer Series-C-Finanzierungsrunde 145 Millionen US-Dollar eingesammelt hat. Das Unternehmen wurde dabei mit einer Milliarde US-Dollar bewertet. Zu den Investoren zählten Cisco Systems und Lumentum sowie ein früherer Investor des Netzwerkpioniers Mellanox.
Am 16.08.2026 berichtete aktien.news über Intels möglichen Einstieg in den Speicherchipmarkt und über Goldman Sachs als zentralen Akteur bei der Finanzierung von KI-Infrastruktur. Die US-Investmentbank begleite bedeutende Kapitalmaßnahmen für Branchengrößen wie Nvidia, Alphabet und Intel. Besonders auffällig sei eine von Nvidia angeführte Finanzierungsplattform im Volumen von 500 Milliarden US-Dollar gewesen.
Erst am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass das von Intel-Veteranen gegründete Startup Delos Data 100 Millionen US-Dollar eingesammelt hat. Delos Data entwickelt Chips und Software, die Daten in KI-Rechenzentren schneller transportieren können. Der Fokus verschiebt sich dem Bericht zufolge vom Training von KI-Systemen hin zur Bearbeitung von Nutzeranfragen, bei denen KI-„Agenten“ Aufgaben für Anwender übernehmen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Volantis-Runde vor allem ein Signal für die Richtung, in die die KI-Halbleiterbranche investiert. Im Zentrum steht nicht mehr allein die reine Rechenleistung, sondern zunehmend die Frage, wie Daten schnell genug zwischen Rechen- und Speicherchips fließen. Engpässe bei dieser Datenübertragung gelten als eine der wichtigsten technischen Hürden für schnellere KI-Systeme.
Der Fokus auf VCSELs ist bemerkenswert, weil diese Laser bereits in großen Stückzahlen in Apple-Geräten stecken. Volantis versucht damit, auf eine bestehende, skalierbare Lieferkette zu setzen, statt auf völlig neuartige Komponenten. Sollte der Ansatz funktionieren, könnte das die Nachfrage nach Speicherchips weiter erhöhen – ein Feld, auf dem zuletzt bereits über Engpässe und steigende Preise diskutiert wurde.
Anleger sollten die Entwicklung jedoch nicht als kurzfristigen Katalysator für einzelne Aktien missverstehen. Volantis ist ein privates Startup, seine Geldgeber sind Wagniskapitalgeber und keine börsennotierten Konzerne. Die Runde zeigt aber, dass Kapital weiterhin bereitwillig in Lösungen für konkrete technische Flaschenhälse der KI-Infrastruktur fließt.
Ausblick
Konkret plant Volantis, im nächsten Jahr einen Chip vorzustellen, der Aufgaben wie KI-Programmierung beschleunigen soll. Basis dafür ist die Datenübertragung per Laserlicht zwischen Rechen- und Speicherchips. Gelingt das, könnten künftig bis zu 220 Speicherchips um eine GPU angeordnet werden – ein Vielfaches der acht Speicherchips, die Nvidia aktuell pro Grafikprozessor anbindet.
Ob der Ansatz den Sprung aus der Entwicklung in die Serienfertigung schafft, ist offen. Volantis setzt bewusst auf Komponenten aus einer etablierten Lieferkette und will so Engpässe vermeiden. Der Zeitplan bleibt ambitioniert: Der nächste Chip soll bereits im kommenden Jahr vorgestellt werden.
Kurz erklärt
- VCSEL: winziger Laser, der Licht senkrecht zur Oberfläche abstrahlt und in vielen Apple-Geräten die Gesichtserkennung antreibt
- Hochbandbreitenspeicher: teurer Speicherchip, der Daten besonders schnell an einen Rechenchip liefert
- GPU: Grafikprozessor, der in KI-Systemen die eigentliche Rechenarbeit übernimmt
