Vizegouverneur von New Jersey tritt nach Belästigungsvorwürfen zurück
Dale Caldwell legt sein Amt nieder, nachdem eine unabhängige Untersuchung Vorwürfe sexueller Belästigung bestätigte.

Die Gouverneurin von New Jersey, Mikie Sherrill, hat am Freitag den Rücktritt ihres Vizegouverneurs Dale Caldwell bekanntgegeben. Zuvor hatte eine unabhängige Untersuchung ergeben, dass Caldwell sich Frauen gegenüber unangemessen verhalten und weitere ethische Verstöße begangen habe. Sherrill hatte Caldwell bereits am Donnerstag zum Rücktritt aufgefordert.
Der am Mittwoch veröffentlichte Untersuchungsbericht bildet den Kern der Vorwürfe. Darin heißt es, Caldwell, ein methodistischer Pastor, habe weibliche Mitarbeiterinnen sexuell belästigenden Bemerkungen ausgesetzt. Ein besonders belastender Vorfall: Nachdem seine Avancen gegenüber einer Freundin einer Mitarbeiterin abgelehnt worden waren, soll er zu dieser Mitarbeiterin gesagt haben: „Ihr jungen Frauen sucht nach junger Samenzelle.“
Caldwells Anwalt Thomas Calcagni wies die Vorwürfe in einer per E-Mail versandten Stellungnahme entschieden zurück. Man „werfe den Bericht nachdrücklich zurück“ und prüfe „rechtliche Schritte“, um „ein wahres, ausgewogenes und unparteiisches Protokoll sicherzustellen“, erklärte Calcagni. Caldwell selbst bestritt die ihm zugeschriebene Äußerung, doch die Ermittler hielten seine Verneinung „nicht für glaubwürdig“.
Weitere Vorwürfe und Reaktionen
Der Bericht erhebt über die Belästigungsvorwürfe hinaus weitere schwere Anschuldigungen. So soll Caldwell mehrfach versucht haben, einem staatlichen Angestellten, mit dem er eine romantische Beziehung unterhielt, eine Beförderung zu verschaffen. Zudem wurde ihm vorgeworfen, bei kostenpflichtigen Veranstaltungen persönliche Gäste mitgebracht und deren Eintritt nicht bezahlt zu haben.
Die Gouverneurin zog personelle Konsequenzen. Sie ernannte Shirley Emehelu, bislang kommissarische Finanzkontrolleurin des Bundesstaates, zur geschäftsführenden Außenministerin. Dieses Amt hatte zuvor ebenfalls Caldwell innegehabt, der es nun aufgibt. Die Entscheidung über die dauerhafte Nachfolge im Amt des Vizegouverneurs will Sherrill nach eigenen Angaben innerhalb von 45 Tagen treffen.
Einordnung für deutsche Leser
Das Amt des Vizegouverneurs ist in den US-Bundesstaaten mit dem eines stellvertretenden Regierungschefs vergleichbar. Es handelt sich häufig um eine eigenständig gewählte Position, die bei Ausfall oder Amtsunfähigkeit des Gouverneurs die Führung übernimmt. Ein Rücktritt unter dem Druck einer unabhängigen Untersuchung ist politisch hochbedeutsam, da er das Vertrauen in die Führungsebene eines Bundesstaates berührt.
Bemerkenswert ist die schnelle Abfolge der Ereignisse: Der Bericht wurde am Mittwoch veröffentlicht, Sherrill forderte den Rücktritt am Donnerstag, und bereits am Freitag war der Rücktritt vollzogen. Solche personalpolitischen Entscheidungen können Investoren und Unternehmen relevant sein, weil sie die politische Stabilität und die Verlässlichkeit von Verwaltungsentscheidungen in einem Bundesstaat beeinflussen. Der Fall veranschaulicht zudem, wie unabhängige Untersuchungen in den USA auch auf höchster Landesebene Konsequenzen nach sich ziehen können.
