Visa erhält Pekings Genehmigung für Bankkarten-Clearing in China
Nach über 40 Jahren Engagement und einem Antrag aus dem Jahr 2020 darf Visa nun ein lokales Clearing-Geschäft in China aufbauen.

Der US-Kreditkartenriese Visa hat von der People's Bank of China (PBOC) die Genehmigung erhalten, den Aufbau eines Bankkarten-Clearing-Geschäfts im Land einzuleiten. Das gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Damit schließt Visa zu seinen Konkurrenten Mastercard und American Express auf, die diese Genehmigungen bereits in den vergangenen Jahren erhalten hatten.
„Dies stellt einen wichtigen Meilenstein für das Unternehmen dar, um den inländischen Zahlungsverkehrsmarkt in China zu bedienen", erklärte Visa in einer offiziellen Mitteilung. CEO Ryan McInerney ergänzte: „Seit mehr als 40 Jahren leistet Visa einen aktiven Beitrag zur dynamischen Zahlungslandschaft Chinas. Wir freuen uns darauf, die notwendigen Schritte im Prozess gemäß den Vorschriften der PBOC zu unternehmen, um den inländischen Betrieb in China aufzunehmen."
Die Nachricht fällt in eine Phase intensiver diplomatischer Aktivität zwischen Washington und Peking. Die Präsidenten beider Länder planen ihr drittes Treffen in diesem Jahr, voraussichtlich beim APEC-Gipfel in Shenzhen im kommenden Monat.
Die Details
Visa hatte bereits im Mai 2020 bei der PBOC einen Antrag auf den Betrieb eines Bankkarten-Clearing-Instituts gestellt. Die nun erteilte Genehmigung erlaubt es dem Unternehmen, den formalen Aufbauprozess gemäß den regulatorischen Vorgaben der chinesischen Zentralbank einzuleiten. Bis zum tatsächlichen Betrieb sind weitere Schritte erforderlich.
Visa-CEO Ryan McInerney ist dabei eine zentrale Figur in der US-chinesischen Wirtschaftsdiplomatie. Er begleitete im Mai die Wirtschaftsdelegation von US-Präsident Donald Trump nach Peking und wurde anschließend im Juni Vorsitzender des U.S.-China Business Council. Anfang September leitete McInerney zudem eine weitere Reise nach Peking. Trump selbst erklärte gegenüber Fox News nach seiner Peking-Reise im Mai, dass er Visas Antrag auf Marktzugang in China zur Sprache gebracht habe.
Der geopolitische Kontext der Genehmigung ist laut Beobachtern kein Zufall. „Der Zeitpunkt ist bemerkenswert", sagte George Chen, Partner und Leiter der Digitalsparte bei der Asia Group. „Peking hat sich dazu entschieden, die Lizenz von Visa kurz vor dem APEC-Gipfel in Shenzhen im nächsten Monat zu genehmigen, bei dem Xi [Jinping] und Trump voraussichtlich erneut zusammentreffen werden." Chen weiter: „Dieser Schritt deutet darauf hin, dass Peking bestrebt ist, vor Trumps nächstem China-Besuch greifbare Fortschritte für amerikanische Unternehmen vorzuweisen."
Nach dem Gipfel im September hatte China bereits erklärt, dass es Anträge aller ausländischen Finanzinstitute für eine Geschäftstätigkeit im Land genehmigen werde. Die Visa-Genehmigung ist damit ein erstes konkretes Signal, dass Peking dieses Versprechen einlöst.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 14. Mai 2026 berichtete aktien.news, dass Präsident Donald Trump mit einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation von mindestens 17 US-Unternehmenschefs nach China reiste. Trump hatte dabei angekündigt, Xi Jinping zu bitten, China für amerikanische Unternehmen zu „öffnen". Diese Reise legte den Grundstein für die nun sichtbaren wirtschaftlichen Ergebnisse.
Am 16. Mai 2026 berichtete aktien.news zudem, dass Citigroup-Chefin Jane Fraser in Peking Gespräche mit der chinesischen Wertpapieraufsichtsbehörde sowie dem Parteisekretär der Hauptstadt führte. Im Mittelpunkt standen der Ausbau der Zusammenarbeit in den Bereichen Vermögensverwaltung und grenzüberschreitende Finanzierung. Die Visa-Genehmigung reiht sich in diese Reihe von Annäherungsschritten zwischen US-Finanzkonzernen und chinesischen Behörden ein.
Zum Vergleich: Der Konkurrent American Express war der Vorreiter unter den US-Kartenanbietern. Die PBOC gab bereits 2018 ihre Zustimmung, die offizielle Abwicklungslizenz folgte im Juni 2020. Das Joint Venture von Mastercard in China gab an, im Jahr 2024 mit der Abwicklung von Zahlungen begonnen zu haben, nachdem es im Februar 2020 die PBOC-Genehmigung zur Vorbereitung des Bankkarten-Clearings erhalten hatte.
Was das für Anleger bedeutet
Für Visa-Aktionäre markiert die Genehmigung einen strategisch bedeutsamen Schritt. China ist einer der größten Zahlungsmärkte der Welt, und der Zugang zum inländischen Clearing-Geschäft eröffnet langfristig neue Umsatzpotenziale. Bislang arbeitete Visa mit chinesischen Banken lediglich bei sogenannten Dual-Branding-Karten zusammen: Dabei wickelt Chinas staatliches Kartennetzwerk UnionPay Transaktionen im Inland ab, während Visa Zahlungen im Ausland verarbeitet. Ein eigenes Clearing-Geschäft würde Visa erstmals ermöglichen, auch inländische Transaktionen direkt zu verarbeiten.
Allerdings ist der chinesische Markt kein einfaches Terrain. Das chinesische Festland hält seinen Finanzsektor unter strenger staatlicher Kontrolle, bevorzugt inländische Akteure und schränkt grenzüberschreitende Kapitalflüsse ein. Hinzu kommt, dass mobiles Bezahlen die täglichen Verbrauchertransaktionen in China dominiert – primär über WeChat von Tencent und Alipay von der Alibaba-Tochter Ant. Physische Karten spielen im chinesischen Alltag eine deutlich geringere Rolle als in westlichen Märkten. Anleger sollten daher realistische Erwartungen an das Tempo der Marktdurchdringung haben.
Im Januar 2026 hatte Visa bereits einen kleineren Schritt in Richtung China-Markt unternommen: Das Unternehmen gab bekannt, dass auf dem chinesischen Festland ausgestellte Karten für die Nutzung im Ausland mit Apple Pay verknüpft werden können.
Ausblick
Der nächste wichtige Termin ist der APEC-Gipfel in Shenzhen im kommenden Monat, bei dem US-Präsident Trump und Chinas Präsident Xi Jinping voraussichtlich zu ihrem dritten Treffen in diesem Jahr zusammenkommen. Beobachter wie George Chen von der Asia Group sehen die Visa-Genehmigung als bewusstes Signal Pekings, das vor diesem Treffen greifbare Fortschritte für amerikanische Unternehmen demonstrieren soll.
Für Visa selbst stehen nun die nächsten regulatorischen Schritte gemäß den PBOC-Vorschriften an, bevor ein tatsächlicher inländischer Betrieb aufgenommen werden kann. Wie lange dieser Prozess dauern wird, ist aus dem aktuellen Stand nicht abzuleiten – der Vergleich mit Mastercard, das von der Genehmigung im Februar 2020 bis zum Betriebsstart im Jahr 2024 vier Jahre benötigte, gibt jedoch einen Anhaltspunkt.
Kurz erklärt
- Bankkarten-Clearing: Der Prozess der Verrechnung und Abwicklung von Kartentransaktionen zwischen Banken und Händlern über ein zentrales Institut.
- PBOC (People's Bank of China): Die Zentralbank der Volksrepublik China, die als oberste Regulierungsbehörde für den Finanzsektor fungiert.
- Dual-Branding-Karte: Eine Zahlungskarte, die zwei Kartennetzwerke trägt und je nach Einsatzort über das jeweils zuständige Netzwerk abgerechnet wird.
