JPMorgan verfehlt Erwartungen: Delta verschiebt Riad-Flug, Meta startet Muse Wonder
JPMorgan verfehlt mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen, Goldman Sachs überzeugt – und Delta verschiebt seinen Riad-Flug.

Die Berichtssaison für das dritte Quartal hat begonnen – und gleich zum Auftakt sorgt die größte US-Bank für eine Überraschung. JPMorgan Chase legte am Dienstagmorgen Ergebnisse vor, die sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn unter den Schätzungen der Analysten lagen. Für das Institut, das nach Bilanzsumme die größte Bank der USA ist, ist eine solche Verfehlung der Erwartungen selten.
Die Aktien von JPMorgan fielen im Vorhandel zunächst um mehr als 3 Prozent. Die Verluste gingen zurück, nachdem die Bank ihre Prognose für das Nettozinsergebnis für 2026 angehoben hatte. CEO Jamie Dimon sagte, dass die Handels- und Investmentbanking-Aktivitäten seiner Wall-Street-Sparte „etwas abgenommen“ hätten.
Der Handelstag verläuft insgesamt gemischt. Die Aktien-Futures stehen am Morgen uneinheitlich, nachdem der S&P 500 am Montag mit einer gedämpften Sitzung in die neue Woche gestartet war. Der Bullenmarkt wurde unterdessen offiziell vier Jahre alt – doch wie CNBCs Sarah Min schreibt, könnte es für ihn schwieriger werden, seinen nächsten Geburtstag zu erreichen.
Die Details
Bei JPMorgan resultierten die schwächeren als erwarteten Zahlen teilweise aus einem rückläufigen Umsatz im Fixed-Income-Trading. Hinzu kamen Kosten, die im dritten Quartal das Wachstum der Umsätze übertrafen. Beide Faktoren zusammen erklären den seltenen Rückschlag für das Institut.
Ganz anders das Bild bei Goldman Sachs: Die Bank meldete einen massiven Umsatzüberschuss, der teilweise auf einen Anstieg des Equity-Trading-Umsatzes um 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückzuführen war. Goldman gab an, dass seine Beratungseinnahmen in Höhe von 1,65 Milliarden US-Dollar während des Quartals einen Rekord für die Bank darstellen. Die Aktien kletterten vor Börseneröffnung um über 3,5 Prozent.
Bei Wells Fargo liegen die Aktien niedriger, nachdem die Bank zwar die Gewinnprognosen übertroffen, aber die Umsatzziele verfehlt hat. CEO Charlie Scharf sagte, dass die Verbraucher von Wells Fargo trotz wirtschaftlicher Risiken wie „höherer Zinsen, steigender Ölpreise und persistenter Inflation“ widerstandsfähig geblieben seien.
Auch die Ölpolitik bewegt die Märkte. Trotz beidseitiger Widerstände hielt Präsident Donald Trump am Montag an seiner Entscheidung fest, die Regulierung für russische Diesel-Exporte zu lockern. Er schrieb in sozialen Medien, er habe „die richtige Wahl getroffen“. Trotz dieses Abkommens, das Moskau erlaubt, den globalen Markt für die nächsten sechs Monate mit Diesel zu beliefern, sank der Brent-Rohöl-Future am Montag auf 106 US-Dollar pro Barrel. Höhere Ölpreise belasteten den Aktienmarkt in der gestrigen Sitzung, doch die Rohöl-Futures stehen heute Morgen leicht im Minus bei über 104 US-Dollar pro Barrel.
Im Luftverkehr sorgt die Sicherheitslage im Nahen Osten für eine Planänderung. Delta Air Lines verzögerte den Start des direkten Linienflugs zwischen Atlanta und Riad in Saudi-Arabien infolge der jüngsten Angriffe auf den Flughafen der Hauptstadt. Der internationale Flughafen King Khalid in Riad bleibt geschlossen, nachdem Angriffe der jemenitischen, iranisch unterstützten Huthi-Rebellen mindestens 12 Menschen töteten und Hunderte weitere verletzten. Die Federal Aviation Administration (FAA) wies US-Fluggesellschaften an, beim Fliegen in oder um das Land vorsichtig zu sein.
Wie CNBCs Leslie Josephs bemerkt, sollte die Route von Delta den ersten direkten kommerziellen Flug zwischen den USA und Saudi-Arabien darstellen, der von einer amerikanischen Fluggesellschaft betrieben wird. Delta-CEO Ed Bastian sagte letzte Woche, dass „die Sicherheit den Ausschlag geben werde“, als er abwog, ob er den Flugplan wie ursprünglich vorgesehen fortsetzen solle. Statt später in diesem Monat zu starten, wird der Direktflug nun im März aufgenommen.
Im Technologiesektor stellte Meta am Montag Muse Wonder vor, das Unternehmen bezeichnet es als sein fortschrittlichstes KI-Modell zur Unterstützung digitaler Assistenten. Um auf das Modell zugreifen zu können, müssen Nutzer ein Abonnement für mindestens 20 US-Dollar pro Monat abschließen. Wie CNBCs Jonathan Vaniano bemerkt, spiegelt der Preis von Muse Wonder eine breitere Bemühung von Meta wider, Einnahmequellen mit KI-Fokus außerhalb seines Hauptwerbegeschäfts zu schaffen. Das neue Modell wird auch Entwicklern zur Verfügung stehen, die für die Meta Model API bezahlen.
Alexandr Wang, Chef der KI-Abteilung des Unternehmens, sagte in einem Interview am Montag, dass Wonder entwickelt wurde, um die Fähigkeiten sowohl „persönlicher als auch professioneller“ Agenten zu verbessern. Das Modell biete zudem Metas „bislang stärkste Schutzmaßnahmen“ gegen „cybermissbräuchliche Nutzung“, so das Unternehmen.
Im Fast-Food-Sektor hofft McDonald's, durch den Fokus auf Hähnchen und Getränke die Marktführerschaft zu behaupten. Doch wie CNBCs Brandon Gomez berichtet, sieht sich die Kette hartem Wettbewerb gegenüber. Viele der Fast-Food-Ketten, die McDonald's Kunden abspenstig machen, spezialisieren sich auf diese beiden Bereiche, laut Daten von Consumer Edge. Chick-fil-A, 7 Brew und Starbucks gehören zu den Marken, die unter den McDonald's-Kunden am meisten Marktanteil gewinnen.
Angesprochen auf Starbucks: Ein Sprecher sagte am Montag gegenüber CNBCs Jim Cramer, dass die Kaffeekette Chipotle „nicht kaufen“ werde, und widerlegte damit Gerüchte über eine mögliche Übernahme. Die Aktien von Chipotle fielen in der Monday-Session um fast 4 Prozent.
Geldpolitisch meldete sich Beth Hammack, Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, zu Wort. Sie erklärte, dass eine restriktive geldpolitische Position angesichts der Sorge angebracht sei, dass die Konsumentenstimmung sich zunehmend auf Inflation konzentriere. Vor der National Association of Business Economics sagte sie: „Mit jedem weiteren Monat erhöht die persistent hohe Inflation das Risiko, dass sich ein inflationäres Mindset in der Wirtschaft verfestigt.“
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 10.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Berichtssaison für das dritte Quartal in der kommenden Woche richtig Fahrt aufnimmt. Damals hieß es, dass mit Citigroup, Goldman Sachs, Wells Fargo und JPMorgan Chase gleich vier der größten US-Banken am Dienstag ihre Zahlen vorlegen, gefolgt von Morgan Stanley, Bank of America und BlackRock am Mittwoch. Für die Banken wurde laut FactSet-Daten ein Gewinnwachstum von rund 10 Prozent erwartet.
Am 14.07.2026 meldete aktien.news, dass JPMorgan Chase, Bank of America, Wells Fargo und Goldman Sachs alle am Dienstagmorgen ihre Quartalsergebnisse veröffentlichen. Das Umfeld sei alles andere als einfach gewesen: Ein erneuter Krieg im Iran, steigende Energiepreise und eine hartnäckig hohe Inflation belasteten das wirtschaftliche Klima und dürften die Kommentare der Bankführungen maßgeblich prägen.
Am 15.07.2026 berichtete aktien.news, dass die JPMorgan-Aktie am Dienstag ein neues Allzeithoch erreichte und bei 342,89 US-Dollar schloss. Innerhalb eines Monats legte das Papier um 7 Prozent zu, was die anhaltend starke Marktstellung der größten US-Bank unterstreicht. JPMorgan-CEO Jamie Dimon eröffnete den Tag mit einem Live-Auftritt bei „Squawk Box“ auf CNBC.
Am 14.04.2026 berichtete aktien.news, dass JPMorgan Chase im ersten Quartal 2026 einen Gewinn von 16,5 Milliarden US-Dollar erzielte – ein deutlicher Sprung gegenüber den 14,6 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je Aktie lag bei 5,94 Dollar und übertraf damit die Analystenprognose von 5,45 Dollar deutlich. Auch beim Umsatz lieferte die größte Bank der USA: Er stieg um 10 Prozent auf 49,84 Milliarden Dollar und übertraf die erwarteten 49,13 Milliarden Dollar.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Auftakt der Berichtssaison ein gespaltenes Bild. Während Goldman Sachs mit einem Rekord bei den Beratungseinnahmen und einem starken Equity-Trading glänzt, muss JPMorgan eine seltene Verfehlung eingestehen. Die Reaktion der Aktien zeigt, wie sensibel der Markt auf Abweichungen von den Erwartungen reagiert – und wie schnell eine angehobene Prognose, etwa beim Nettozinsergebnis, die Stimmung wieder drehen kann.
Gleichzeitig bleiben die Rahmenbedingungen anspruchsvoll. Die Kombination aus hohen Ölpreisen, geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und der Sorge der US-Notenbank vor einer Verfestigung des Inflationsdenkens prägt das Umfeld. Die Aussagen von Wells-Fargo-Chef Scharf zu „höheren Zinsen, steigenden Ölpreisen und persistenter Inflation“ fassen diese Gemengelage zusammen.
Ausblick
Der weitere Verlauf der Berichtssaison bleibt im Fokus: Am Mittwoch legen laut dem Bericht vom 10.10.2026 Morgan Stanley, Bank of America und BlackRock ihre Zahlen vor. Bei Delta Air Lines steht der Start des Direktflugs zwischen Atlanta und Riad nun für März im Plan, nachdem der ursprüngliche Termin später in diesem Monat nicht gehalten werden kann. Bei Meta entscheidet sich der Erfolg von Muse Wonder daran, ob Nutzer das Abonnement für mindestens 20 US-Dollar pro Monat annehmen und Entwickler die Meta Model API nutzen.
Kurz erklärt
- Nettozinsergebnis: Die Differenz zwischen Zinserträgen und Zinsaufwendungen einer Bank, eine zentrale Ertragsgröße.
- Fixed-Income-Trading: Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren wie Anleihen, der stark von Marktschwankungen abhängt.
- Equity-Trading: Der Handel mit Aktien, dessen Umsätze bei volatilen Märkten typischerweise steigen.
- Bullenmarkt: Eine länger anhaltende Phase steigender Aktienkurse.
