Villeroy & Boch erwirbt Ideal Standard
Strategische Fusion zur Eroberung des europäischen Badproduktemarktes

In einer bahnbrechenden Transaktion hat der renommierte Keramikhersteller Villeroy & Boch aus dem Saarland den Sanitärtechnik-Hersteller Ideal Standard erworben. Mit einem Kaufpreis, der auf einer Unternehmensbewertung von ungefähr 600 Millionen Euro basiert, positioniert sich Villeroy & Boch durch diese Übernahme strategisch günstig, um auf dem europäischen Markt für Badprodukte eine dominante Rolle zu übernehmen.
Die ersten Gespräche über einen möglichen Erwerb fanden bereits zu Beginn des Jahres 2020 statt. Allerdings wurden sie durch wirtschaftliche Unsicherheiten während der Corona-Pandemie sowie interne Dispute innerhalb der Aktionärskreise beider Unternehmen unterbrochen. Frank Göring, der Vorstandsvorsitzende von Villeroy & Boch, betonte, dass die Wiederaufnahme der Verhandlungen von einer erfolgreichen Restrukturierung und einer positiven Entwicklung der Geschäftszahlen von Ideal Standard abhing. Mit diesen Voraussetzungen, die mittlerweile erfüllt sind, konnte der Deal schließlich abgeschlossen werden.
Durch die Integration von Ideal Standard zielt Villeroy & Boch auf eine Verdopplung ihres Umsatzes im Bad & Wellness Segment, der voraussichtlich auf 1,4 Milliarden Euro ansteigen wird. Eingeschlossen sind hier auch die Umsätze aus dem Bereich Dining & Lifestyle. Im letzten Jahr betrug der Gesamtumsatz von Villeroy & Boch etwa 995 Millionen Euro, während Ideal Standard einen Umsatz von rund 737 Millionen Euro verzeichnete.
Eines der Hauptziele dieser Übernahme ist es, durch die Kombination der Stärken beider Unternehmen neue Märkte zu erschließen. Während Villeroy & Boch traditionell den High-End-Markt für Privatkunden bedient, fokussiert sich Ideal Standard vorwiegend auf den gewerblichen Bereich, wobei ihre Produkte hauptsächlich in Hotels, Gesundheitseinrichtungen und Neubauten zu finden sind. Der Vorstandsvorsitzende Göring bezeichnete die Fusion als "perfect fit", da beide Unternehmen sich in ihren Vertriebskanälen ideal ergänzen.
Die Unternehmenszentrale von Villeroy & Boch wird weiterhin in Mettlach, Saarland, ansässig sein. Laut Göring soll dieser Standort in den kommenden Jahren "tendenziell eher wachsen", während Brüssel weiterhin eine wichtige Rolle im Unternehmensgefüge spielen wird. Ebenso erfreulich ist die Ankündigung, dass alle rund 7000 Mitarbeiter von Ideal Standard übernommen werden, ohne dass ein Arbeitsplatzabbau geplant ist. Dennoch wird am Standort Mettlach voraussichtlich bis zu einem Jahr Kurzarbeit eingeführt.
Die Finanzierung des Deals wird teilweise durch einen Kredit in Höhe von 250 Millionen Euro abgedeckt, den Villeroy & Boch zur Übernahme des Konkurrenten aufnehmen will. Mit dieser strategischen Entscheidung hat Villeroy & Boch eine klare Botschaft an den europäischen Markt gesendet und seine Absicht bekräftigt, als einer der führenden Akteure in der Branche zu agieren.
