Viking Therapeutics: Kaufen, wenn die Aktie unter 35 Dollar notiert?
Viking Therapeutics hat 575 Millionen Dollar eingesammelt, doch die Aktie notiert unter dem Ausgabepreis von 35 Dollar.

Die Aktie von Viking Therapeutics (VKTX) hat nach der Veröffentlichung hervorragender Top-Line-Ergebnisse einer Erhaltungsstudie für sein Gewichtsreduktionsmittel VK2735 deutlich zugelegt. Im Anschluss nutzte das Biotech-Unternehmen die Kursstärke für eine umfangreiche Kapitalerhöhung und sammelte insgesamt 575 Millionen US-Dollar ein. Der Betrag setzt sich aus einer ergänzenden öffentlichen Ausgabe von Stammaktien im Volumen von 316,2 Millionen Dollar zu einem Preis von 35 Dollar je Aktie sowie 258,8 Millionen Dollar aus konvertierbaren Senior Notes zusammen.
Trotz dieser Entwicklung handelt die Aktie derzeit unter dem Ausgabepreis von 35 Dollar. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob sich ein Einstieg auf dem aktuellen Niveau lohnt. Die Antwort hängt maßgeblich davon ab, wie man die Verwässerung durch die neuen Aktien gegen die verbesserten Studiendaten abwägt.
Zum Zeitpunkt der Berichterstattung notiert die Aktie von Viking nur 8,4 Prozent über dem Stand des Tages vor der Ergebnismeldung. Diese Zahl ist deshalb bemerkenswert, weil sie zeigt, wie viel der ursprünglichen Kursreaktion nach der Kapitalerhöhung bereits wieder aufgezehrt wurde.
Die Details
Vor der Kapitalerhöhung lag die Anzahl der ausstehenden Aktien bei 116,6 Millionen. Im Rahmen der Transaktion kamen weitere 9 Millionen Aktien hinzu. Diese Ausweitung der Aktienanzahl verwässert die bestehenden Aktionäre und führt rechnerisch zu einer groben Reduktion des Gewinns pro Aktie um etwa 7,2 Prozent beziehungsweise auf 0,928 des vorherigen Niveaus.
Der Aktienkurs legte im selben Zeitraum um 8,44 Prozent zu. Dadurch verändert sich auch der Gewinn pro Aktie pro investiertem Dollar zum aktuellen Kurs. Rechnerisch ergibt sich dieser Wert, indem man 0,928 durch 1,084 teilt. Das Resultat liegt bei 0,856 und entspricht einer Reduktion um 14,4 Prozent. In einfachen Worten: Unter der Annahme gleicher Erträge fällt die Rendite pro investiertem Dollar zum heutigen Preis um 14,4 Prozent niedriger aus.
Die Top-Line-Ergebnisse der Erhaltungsstudie waren nach Einschätzung des Unternehmens hervorragend. Allerdings enthielten sie noch nicht die orale Tablette, die im zweiten Teil der Studie folgen soll. Dennoch reichten die Daten aus, um das Risiko bei der Erhaltungsdosierung mit dem injizierbaren VK2735 etwas zu verringern.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die jüngste Entwicklung ist Teil einer längeren Geschichte, die aktien.news bereits mehrfach begleitet hat. Bereits am 13.06.2026 berichtete aktien.news unter dem Titel "Viking Therapeutics: Kann die Aktie auf 100 Dollar steigen?", dass das Unternehmen einen schwierigen Weg hinter sich habe. Obwohl die Aktie im vergangenen Jahr nachgegeben habe, zeige der Fünf-Jahres-Blick ein beeindruckendes Bild mit einem Kursanstieg von mehr als 300 Prozent. Als Treiber nannte der Bericht die wachsende Begeisterung für den Markt für Gewichtsreduktionsmedikamente, ein Segment, das in wenigen Jahren ein Volumen von fast 100 Milliarden US-Dollar erreichen soll. Viking habe sich auf die Entwicklung von Wirkstoffen für Stoffwechsel- und endokrine Erkrankungen spezialisiert und noch kein Medikament auf dem Markt, verfüge aber über einen vielversprechenden Kandidaten in klinischer Entwicklung.
Am 23.09.2026 meldete aktien.news gleich zweimal über das Unternehmen. Ein Bericht stellte fest, dass die Aktien von Viking Therapeutics am Dienstagmorgen um rund 30 Prozent in die Höhe geschnellt seien. Auslöser sei eine neue Studie gewesen, die zeige, dass das experimentelle Injektionsmittel zur Gewichtsabnahme auch bei selteneren Dosierungen seine Wirkung entfalten könnte. Damit habe die Aktie auf das größte prozentuale Tagesplus seit Februar 2024 zugesteuert. Im Mittelpunkt der positiven Marktreaktion hätten Daten zur Gewichtserhaltung gestanden: Patienten, die von einer wöchentlichen Gabe auf eine Injektion alle zwei Wochen umstellten, behielten durchschnittlich 90 Prozent des ursprünglich verlorenen Gewichts.
Ein zweiter Bericht vom 23.09.2026 ergänzte, dass die Aktien von Viking Therapeutics an diesem Dienstag um rund 35,7 Prozent in die Höhe geschossen seien. Auslöser sei die Veröffentlichung vielversprechender klinischer Daten für das experimentelle Gewichtsreduktionsmittel VK2735 gewesen. Im Rahmen der Studie erhielten Probanden wöchentliche Dosen des investigativen Adipositas-Medikaments. Das Ergebnis nach 21 Wochen: Die Teilnehmer verloren zwischen 16 und 19 Prozent ihres Körpergewichts, während der Wert in der Placebogruppe bei rund null Prozent lag. Besonders bemerkenswert sei gewesen, dass der Gewichtsverlust progressiv war und keine Anzeichen eines Plateaus zeigte.
Nicht alle früheren Berichte waren so optimistisch. Bereits am 26.05.2026 hatte aktien.news unter dem Titel "Viking Therapeutics Aktie: Warum Anleger jetzt vorsichtig sein sollten" darauf hingewiesen, dass die Begeisterung der Anleger für das Biotechunternehmen und seinen Wirkstoffkandidaten zur Gewichtsreduktion merklich nachgelassen habe. Das zentrale Problem sei gewesen, dass sich Viking Therapeutics noch in der Phase befinde, seinen ersten Kandidaten zur Marktreife zu führen. Während das Unternehmen diesen aufwendigen und kostspieligen Prozess durchlaufe, schlafen die Konkurrenten nicht: Etablierte Wettbewerber im GLP-1-Segment verschärften den Konkurrenzkampf bereits durch neue Produkte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die zentrale Erkenntnis, dass die jüngste Kapitalerhöhung den Wert der bestehenden Anteile verwässert. Wer vor den Top-Line-Ergebnissen auf steigende Kurse gesetzt hat, für den ist die Aktie nach Einschätzung der Quelle auch jetzt noch ein Kauf. Die Rechnung dahinter ist einfach: Die Verwässerung reduziert die Ertragskraft pro investiertem Dollar um 14,4 Prozent, sofern die Erträge unverändert bleiben. Diesem Nachteil steht jedoch ein verringertes Risiko bei der Erhaltungsdosierung gegenüber.
Die Quelle argumentiert, dass die guten Studienergebnisse diesen de facto 14,4-prozentigen Verlust an Ertragskraft pro Dollar rechtfertigen – und zwar sowohl für Anleger, die vor der Ergebnismeldung eingestiegen sind, als auch für jene, die danach und nach der anschließenden Ausgabe von Stammaktien investiert haben. Es handelt sich dabei ausdrücklich um eine Einschätzung der Quelle und nicht um eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Anleger sollten beachten, dass die Bewertung eines Biotech-Unternehmens ohne zugelassenes Produkt stark von Studienergebnissen und Finanzierungsrunden abhängt. Die Kapitalerhöhung verschafft Viking zusätzliche Mittel, kostet die bestehenden Aktionäre aber einen Teil ihrer relativen Beteiligung.
Ausblick
Der entscheidende nächste Schritt ist der zweite Teil der Studie, in dem die orale Tablette untersucht werden soll. Diese Daten standen zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch aus. Die Top-Line-Ergebnisse der Erhaltungsstudie mit dem injizierbaren VK2735 liegen dagegen bereits vor und haben das Risiko bei der Erhaltungsdosierung etwas verringert. Weitere konkrete Termine oder Erwartungen nennt die Quelle nicht.
Kurz erklärt
- Top-Line-Ergebnisse: Erste zusammengefasste Resultate einer klinischen Studie, die vor der vollständigen Auswertung veröffentlicht werden.
- Verwässerung: Die Verringerung des prozentualen Anteils bestehender Aktionäre durch die Ausgabe neuer Aktien.
- Konvertierbare Senior Notes: Anleihen, die zu einem späteren Zeitpunkt in Aktien des Unternehmens umgewandelt werden können.
- Gewinn pro Aktie: Der auf eine einzelne Aktie entfallende Anteil am Gewinn eines Unternehmens.
