Viele Bahnhofsgebäude sind in privater Hand
Verfall, Sanierungspläne und Forderungen nach besserer Nutzung durch Eigentümer

Die Mehrheit der Bahnhofsgebäude in Deutschland befindet sich nicht mehr im Besitz der Deutschen Bahn. Lediglich etwa ein Viertel der Empfangsgebäude gehört noch dem bundeseigenen Konzern. Die meisten Bahnhofsgebäude wurden in den vergangenen Jahrzehnten verkauft, sodass mittlerweile mehr als die Hälfte privaten Eigentümern gehört. Zudem befinden sich etwas mehr als ein Fünftel der Bahnhofsgebäude im Besitz von Kommunen. Nach Angaben des Interessenverbands Allianz pro Schiene gibt es in Deutschland rund 2.900 Empfangsgebäude. Nicht jeder Bahnhof verfügt über ein solches Gebäude. Insgesamt gibt es etwa 5.700 Haltepunkte, die von Zügen angefahren werden.
In den 2000er und 2010er Jahren hatte die Deutsche Bahn viele Empfangsgebäude verkauft. Der Verkauf erfolgte teilweise in Paketen, sodass private Käufer Bahnhöfe gebündelt erwarben und sie anschließend weiterveräußerten. Laut der Allianz pro Schiene hat dies dazu geführt, dass es keine vollständige Übersicht mehr gibt, wem die Gebäude derzeit gehören. Inzwischen hat die Deutsche Bahn den Verkauf gestoppt. Stattdessen sollen 200 Bahnhöfe bis 2027 im Rahmen einer Generalsanierung saniert werden. Einen Rückkauf der Bahnhofsgebäude plant der Konzern allerdings nicht.
Insbesondere in Ostdeutschland sind viele Bahnhofsgebäude in privater Hand. In Mecklenburg-Vorpommern gehören mehr als 80 Prozent der Bahnhöfe privaten Eigentümern. Ähnliche Besitzverhältnisse bestehen in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Eine Ausnahme bildet Berlin, wo nahezu alle Bahnhofsgebäude weiterhin im Besitz der Deutschen Bahn oder des Bundes sind. Viele private Eigentümer nutzen die Bahnhöfe für andere Zwecke als den klassischen Bahnbetrieb oder lassen sie verfallen. Ein Beispiel ist der Bahnhof Malchow in Mecklenburg-Vorpommern, der seit Jahren ungenutzt ist und zunehmend verfällt.
Der Verband Allianz pro Schiene fordert verstärkte Anreize für private und kommunale Eigentümer, damit Bahnhöfe erhalten bleiben und für den Schienenverkehr nutzbar gemacht werden. Verbandsgeschäftsführer Dirk Flege betont die Bedeutung attraktiver Empfangsgebäude, die den Bedürfnissen der Reisenden gerecht werden. Er sieht insbesondere den Bund in der Verantwortung, finanzielle und organisatorische Unterstützung bereitzustellen. Einige regionale Initiativen setzen sich bereits für die Wiederbelebung von Bahnhofsgebäuden ein. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg betreibt eine „Kompetenzstelle Bahnhof“, die Eigentümern Hilfestellung bietet. In Nordrhein-Westfalen arbeitet die Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft an Projekten zur städtebaulichen und verkehrlichen Aufwertung von Bahnhofsgebäuden. Die Allianz pro Schiene fordert eine verstärkte Unterstützung solcher Initiativen.
