Verträge ohne Zustimmung bleiben ein großes Problem
Beschwerden über Energieanbieter, Abofallen und unseriöse Onlinehändler nehmen weiter zu

Untergeschobene Verträge sorgen weiterhin für erhebliche Probleme und sind ein Dauerbrenner bei den Verbraucherzentralen. Im vergangenen Jahr gehörten sie zu den häufigsten Beschwerdegründen. Besonders betroffen waren dabei der Stromversorgungs- und der Zeitschriftenbereich. Petra Kristandt, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Niedersachsen, berichtete von zahlreichen Beschwerden, die vor allem durch die Primaholding GmbH und deren Vertriebsmarken wie Primastrom, Voxenergie und Nowenergie verursacht wurden. Diese Unternehmen lockten Verbraucher mit fragwürdigen Methoden in ungewollte Vertragsabschlüsse. Außergerichtliche Vergleiche ermöglichen es Betroffenen nun, diese Verträge vorzeitig zu kündigen und finanzielle Erstattungen zu beantragen.
Auch Verlage, die mit der Pressevertriebszentrale kooperieren, fielen negativ auf. Viele Kunden konnten nicht nachvollziehen, wie sie in kostenpflichtige Abonnements geraten waren. Häufig war es schwierig, diese zu widerrufen. Im Telekommunikationsbereich gab es Tausende Beschwerden über die 1N Telecom, insbesondere wegen undurchsichtiger Anbieterwechsel. Eine Sammelklage wird aktuell geprüft. Konkrete Zahlen zu den Beschwerdefällen in Niedersachsen werden jedoch erst im nächsten Jahr erwartet.
Das Problem unerlaubter Telefonanrufe bleibt ein zentraler Bestandteil der Beschwerden. Verbrauchern wird häufig unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ein Anbieterwechsel angeboten. Anrufer geben sich als aktuelle Dienstleister aus und locken mit vermeintlich besseren Konditionen. In vielen Fällen führt dies zu ungewollten Vertragsabschlüssen, die für die Betroffenen schwer zu widerrufen sind. Verbraucherschützer fordern deshalb klare Regelungen, um Manipulationen und unfairen Geschäftspraktiken wirksam entgegenzutreten.
Im Energiesektor betonen die Verbraucherzentralen die Notwendigkeit zusätzlicher Schutzmaßnahmen. Insbesondere wird eine Prüfungspflicht für Vollmachten in Textform bei Vertragsabschlüssen über Vermittlungsplattformen wie Check24 gefordert. Zudem sollen Kunden das Recht erhalten, in den vorherigen Liefervertrag zurückzukehren, wenn der Wechsel nicht von ihnen initiiert wurde. Diese Forderungen zielen darauf ab, die Transparenz und Fairness im Vertragswesen zu stärken.
Neben diesen Problemen beschäftigen die Verbraucherzentralen auch unseriöse Onlineanbieter, Fakeshops und Schwierigkeiten bei Retouren oder Gewährleistungsansprüchen. Die Insolvenzen namhafter Unternehmen wie FTI, Depot und Tupperware sorgten ebenfalls für zahlreiche Beschwerden, insbesondere wegen ausstehender Zahlungen und nicht bearbeiteter Garantiefälle. Die Verbraucherschützer gehen davon aus, dass diese Themen auch im kommenden Jahr eine große Rolle spielen werden.
