Vermögenskonzentration bei Senioren: Über-70-Jährige kontrollieren 39% aller US-Aktien
Demografischer Wandel und Vermögenszuwächse verschieben Wirtschaftsmacht deutlich zu älteren Generationen in den USA.

Die wirtschaftliche Macht in den USA hat sich dramatisch zu den älteren Generationen verschoben. Personen ab 70 Jahren kontrollieren mittlerweile 39 Prozent aller Aktien und Investmentfonds im Besitz privater Haushalte – ein massiver Anstieg gegenüber 22 Prozent im Jahr 2007. Dies geht aus aktuellen Daten der US-Notenbank Federal Reserve für das dritte Quartal hervor.
Der Vermögenszuwachs der Senioren beschränkt sich nicht nur auf Wertpapiere. Ihr Anteil am gesamten Nettovermögen amerikanischer Haushalte – also Vermögenswerte abzüglich Schulden – stieg auf beachtliche 32 Prozent. Vor zwei Jahrzehnten lag dieser Wert noch bei lediglich 20 Prozent. Diese Entwicklung verdeutlicht eine stille, aber fundamentale Transformation der US-Wirtschaft.
Drei Faktoren treiben die Vermögenskonzentration
Die Verschiebung ist das Ergebnis mehrerer zusammenwirkender Faktoren. Der demografische Wandel spielt eine zentrale Rolle: Die geburtenstarken Jahrgänge der Baby-Boomer haben das Rentenalter erreicht und verfügen über jahrzehntelang aufgebaute Vermögenswerte. Gleichzeitig haben steigende Unternehmensgewinne und explodierende Vermögenspreise – insbesondere bei Immobilien und Aktien – das Vermögen dieser Generation überproportional wachsen lassen.
Für jüngere Generationen bedeutet diese Konzentration erhebliche Herausforderungen beim Vermögensaufbau. Während die über 70-Jährigen von jahrzehntelangen Kursgewinnen profitieren konnten, sehen sich Millennials und Generation Z mit höheren Einstiegspreisen bei Immobilien und Aktien konfrontiert. Die Vermögensschere zwischen den Generationen hat sich damit deutlich geöffnet.
Auswirkungen auf Konsum und Wirtschaftspolitik
Die Vermögenskonzentration bei Senioren hat weitreichende Folgen für die Wirtschaft. Ältere Haushalte zeigen typischerweise ein anderes Konsumverhalten als jüngere – mit höheren Ausgaben für Gesundheit und geringerer Risikobereitschaft bei Investitionen. Zudem stellt sich die Frage der Vermögensübertragung: In den kommenden Jahren dürfte die größte Erbschaftswelle der Geschichte anstehen, die erneut die Vermögensverteilung prägen wird.
