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Value-Investing-Comeback: Glänzende Renditen mit einem Haken

Starke Gewinne bei Value-ETFs täuschen: Hinter den Rekordrenditen steckt oft eine strukturelle Besonderheit, keine echte Trendwende.

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Value-Investing-Comeback: Glänzende Renditen mit einem Haken

Der iShares MSCI USA Value Factor ETF (Ticker: VLUE) hat seit Jahresbeginn eine beeindruckende Rendite von 43 Prozent erzielt – viermal so viel wie der S&P 500. Der rund 10 Milliarden US-Dollar schwere Fonds bildet den MSCI Enhanced Value Index ab und gilt als eines der bekanntesten Instrumente für Value-Investoren in den USA. Doch hinter diesen glänzenden Zahlen verbirgt sich eine wichtige Einschränkung.

Ein Großteil des Erfolgs ist auf eine einzelne Aktie zurückzuführen: den Chiphersteller Micron. Zur Jahresmitte machte Micron fast ein Viertel des gesamten Fondsvolumens aus. Das bedeutet, dass die außergewöhnliche Performance des VLUE weniger ein Zeichen für eine breite Erholung des Value-Investings ist, sondern vielmehr eine Konzentrationswette auf einen einzigen Halbleiterwert widerspiegelt.

Wenn Glück und Strategie zusammentreffen

Anleger, die in diesem Jahr gezielt in stark gefallene Value- und Schwellenländerfonds umschichteten, hatten durchaus eine fundierte Investmentidee. Doch ihre großen Gewinne sind laut Analysten teilweise eine Besonderheit. Die Aktien, die diese Fonds antreiben, sind weder klassische Schnäppchen im traditionellen Sinne noch typisch für ein Entwicklungsland – sie passen nicht vollständig in das Bild, das der Fondsname suggeriert.

Dieses Phänomen erinnert an eine bekannte Anekdote aus dem Tech-Boom der Jahrtausendwende: Damals kauften einige Anleger versehentlich Aktien des Lebensmittellieferanten Sysco, weil sie den Netzwerkausrüster Cisco meinten. Wer diesen Fehler nahe dem Höchststand beging, hatte am Ende sogar Glück – Sysco übertraf die Performance des damaligen Börsenlieblings Cisco über viele Jahre hinweg. Lieber Glück als Verstand, wie es heißt.

Samsung und SpaceX sorgen für Bewegung

Auch anderswo im Technologiesektor gibt es bemerkenswerte Entwicklungen. Glänzende Quartalsergebnisse des koreanischen Chipherstellers Samsung verpufften an den Märkten, weil Anleger angesichts der extrem hohen Bewertungen von Speicheraktien kalte Füße bekamen. Starke Fundamentaldaten allein reichen offenbar nicht aus, wenn die Erwartungen bereits eingepreist sind.

Gleichzeitig dürften Tech-Aktien schwächer eröffnen, und zwar genau an dem Tag, an dem SpaceX in den Nasdaq 100 Index aufgenommen wird – dem beliebtesten Instrument, das US-Anleger nutzen, um im Technologiesektor engagiert zu sein. Das Raketen- und KI-Unternehmen von Elon Musk hatte sich für eine beschleunigte Aufnahme in den Index eingesetzt und dieses Ziel nun erreicht.

Fazit für Anleger

Die starken Renditen von Value-ETFs in diesem Jahr sind real – aber ihre Ursachen verdienen eine kritische Betrachtung. Wer in einen breit aufgestellten Value-Fonds investiert, sollte genau prüfen, welche Einzelwerte die Performance tatsächlich treiben. Eine Konzentration auf wenige Titel wie Micron kann kurzfristig für spektakuläre Gewinne sorgen, erhöht aber gleichzeitig das Klumpenrisiko erheblich. Das Comeback des Value-Investings mag verlockend wirken – ob es sich um eine nachhaltige Trendwende oder eine vorübergehende Anomalie handelt, bleibt abzuwarten.

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