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USA planen 10-Milliarden-Fonds zur Umgehung der Straße von Hormus

USA und arabische Staaten planen 10-Milliarden-Fonds für neue Energierouten im Nahen Osten.

4 Min
USA planen 10-Milliarden-Fonds zur Umgehung der Straße von Hormus

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump schlägt einen gemeinsamen Investitionsfonds mit arabischen Staaten in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar vor. Ziel der Initiative ist es, die Energie- und Infrastruktur in der Golfregion zu reparieren und neue Pipelines zu bauen, um die strategisch bedeutsame Straße von Hormus zu umgehen. Der Iran hatte die Wasserstraße nach Beginn des US-amerikanisch-israelischen Krieges gegen die Islamische Republik im Februar weitgehend blockiert.

Washington würde demnach fünf Milliarden US-Dollar in die Initiative einbringen, regionale Staaten einen ähnlichen Betrag. Die Initiative trägt den Namen „Partnership for Allied Construction & Trust" – kurz Pact. Das geht aus einem Entwurf einer Präsentation hervor, der der Financial Times (FT) vorliegt. Die USA diskutieren den Vorschlag demnach mit arabischen Partnern. US-Präsident Donald Trump soll am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York am Dienstag mit arabischen Führern zusammentreffen.

Die Details

Die Initiative Pact wird in der Präsentation als eine „historische Investitionsplattform mit einem Volumen von über 50 Milliarden US-Dollar" beschrieben. Sie soll Investitionen „in strategische Energie- und Infrastrukturaktiva in und zwischen verbündeten Ländern im Nahen Osten" vorantreiben. Neben den staatlichen Beiträgen könnten auch Staatsfonds und private Kapitalgesellschaften investieren. Die Präsentation nennt Blackstone, Global Infrastructure Partners (GIP) von BlackRock und KKR als Beispiele für mögliche Investoren.

Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte jedoch, dass zumindest einige der genannten Investmentfirmen „überrascht" waren, als sie feststellten, dass die Trump-Administration sie im Entwurf des Vorschlags erwähnt hatte. Drei weitere informierte Personen bestätigten, dass die USA den Vorschlag mit regionalen Partnern diskutieren. Die USA würden den Vorstand von Pact leiten, die technischen Verhandlungen zwischen Washington und arabischen Staaten sollen im Oktober beginnen.

Die Sperrung des Verkehrs durch die Straße von Hormus hat die globalen Öl- und Gaspreise massiv steigen lassen. Brent-Rohöl notiert knapp unter 100 US-Dollar pro Barrel. In den USA hat der Preis für eine Gallone Diesel Rekordhöhen erreicht. Vor dem Krieg floss durch die Straße von Hormus etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasvolumens.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 15.07.2026 berichtete aktien.news, dass die USA eine Irak-Syrien-Ölpipeline zur Umgehung der Straße von Hormus planen. Damals stand die Wiederinbetriebnahme einer seit Jahren stillliegenden Pipeline vom Irak an die Westküste Syriens im Fokus. US-Sonderbeauftragter Thomas Barrack hatte Gespräche mit Vertretern beider Länder sowie mit Unternehmen wie dem US-Ölmajor Chevron Corp. organisiert.

Am 17.08.2026 folgte ein weiterer Bericht: Das Irak-Syrien-Pipeline-Projekt soll mindestens 15 Milliarden US-Dollar kosten und eine Bauzeit von rund vier Jahren beanspruchen – doppelt so lange wie ursprünglich erwartet. Zwei direkt beteiligte Quellen bestätigten die Zahlen.

Die USA haben zudem bereits finanzielle Absicherungen für die Region auf den Weg gebracht. Am 07.03.2026 kündigte die U.S. International Development Finance Corporation (DFC) einen Rückversicherungsfonds in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar für die Schifffahrt im Persischen Golf an. Das Programm soll Öl- und Gastransportunternehmen absichern, die durch den Krieg gegen den Iran mit erhöhten Risiken konfrontiert sind. Am 25.04.2026 verteidigte US-Finanzminister Scott Bessent zudem die Möglichkeit von Dollar-Swap-Linien für Golfstaaten.

Was das für Anleger bedeutet

Die Initiative Pact zeigt, dass die USA und ihre arabischen Verbündeten langfristig mit einer anhaltenden Blockade der Straße von Hormus rechnen. Für Anleger an den Energiemärkten bedeutet dies, dass die Risiken für die globale Öl- und Gasversorgung strukturell bleiben. Brent-Rohöl notiert knapp unter 100 US-Dollar pro Barrel, Dieselpreise in den USA haben Rekordhöhen erreicht. Die geplanten Investitionen in alternative Routen könnten die Abhängigkeit von der Straße von Hormus zwar langfristig reduzieren, doch die Bauzeit neuer Pipelines beträgt Jahre.

Einige Golfstaaten, darunter Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, diskutieren oder planen bereits neue Pipelines, um Rohöl zu Häfen außerhalb der Straße von Hormus zu transportieren. Allerdings ist auch diese Infrastruktur anfällig für Angriffe. Saudi-Arabien musste im vergangenen Monat die lebenswichtige Ost-West-Pipeline schließen, nachdem eine aus dem Irak abgefeuerte Drohne die Infrastruktur getroffen hatte. Dort sind iran-nahe schiitische Milizen und die Revolutionsgarden Irans aktiv.

Michael Wahid Hanna, Programmleiter bei der International Crisis Group, wies darauf hin, dass arabische Staaten nur dann mit den USA investieren würden, wenn die Wirtschaftlichkeit der Projekte Sinn ergibt. „Viele Menschen haben begonnen, darüber nachzudenken, mehr Ausfallrouten zu schaffen und mehr Resilienz einzubauen, was alles vernünftige Ideen sind. Aber Sie werden nicht sehen, dass diese Staaten sich für Donald Trumps willen in phantasievollen Wirtschaftsprojekten engagieren", sagte er. Die Staaten würden bedenken, wie diese Investitionen in einer Welt aussehen, in der der Konflikt nachgelassen hat.

Ausblick

Die technischen Verhandlungen zwischen Washington und den arabischen Staaten sollen im Oktober beginnen. US-Präsident Trump wird am Rande der UN-Generalversammlung in New York am Dienstag mit arabischen Führern zusammentreffen. Das Wall Street Journal berichtete zuerst über die Initiative. Das Weiße Haus lehnte eine Kommentierung ab. Blackstone, GIP und KKR reagierten zunächst nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.

Kurz erklärt

  • Straße von Hormus: Eine schmale Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, durch die vor dem Iran-Krieg etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasvolumens transportiert wurde.
  • Brent-Rohöl: Eine der wichtigsten internationalen Ölsorten, deren Preis als Referenzwert für die globalen Ölmärkte dient.
  • Staatsfonds: Investmentvehikel im Besitz eines Staates, die überschüssige Finanzreserven in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Infrastruktur investieren.
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