US-Wohnungsbau im September unter Druck: Goldman Sachs hält an BIP-Prognose fest
Die US-Wohnungsbaubeginne fallen im September deutlich unter die Erwartungen, doch Goldman Sachs bleibt bei seiner BIP-Prognose von 3,3 Prozent.

Der US-Wohnungsmarkt hat im September einen deutlichen Rückschlag erlitten. Wie aus Daten von Goldman Sachs hervorgeht, fielen die Wohnungsbaubeginne (Housing Starts) auf saisonbereinigter Basis auf eine annualisierte Rate von 1.221.000 Einheiten. Damit blieb der Wert klar hinter den Markterwartungen zurück und setzt ein Warnsignal für die Baukonjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft.
Während Goldman Sachs einen Rückgang von 5,2 Prozent gegenüber dem Vormonat meldete, beziffert Truist das Minus auf unbereinigter Basis sogar auf 9 Prozent. Beide Häuser verweisen darauf, dass die Konsensschätzung von 1.305.000 Einheiten deutlich verfehlt wurde. Zusätzlich wurden die August-Zahlen nach unten korrigiert, wobei Goldman Sachs eine Abwärtsrevision auf minus 5,9 Prozent angibt. Für deutsche Anleger ist das relevant, weil der US-Häusermarkt als Frühindikator für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und damit auch für exportorientierte Branchen gilt.
Geteiltes Bild bei Ein- und Mehrfamilienhäusern
Bei der Analyse der Daten zeigen sich unterschiedliche Schwerpunkte. Goldman Sachs stellte einen Rückgang sowohl bei Einfamilienhäusern (minus 4,6 Prozent) als auch bei Mehrfamilienhäusern (minus 6,7 Prozent) fest. Truist hingegen betont, dass der Einbruch primär auf das Mehrfamilien-Segment zurückzuführen sei, das im Jahresvergleich um 28 Prozent einbrach. Im Gegensatz dazu zeigten Einfamilienhäuser laut Truist eine stabilere Performance mit einem Anstieg von etwa 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Regional fiel die Entwicklung ebenfalls auseinander. Der Süden und der Mittlere Westen verbuchten Zuwächse, während der Nordosten und der Westen Rückgänge hinnehmen mussten. Diese regionale Spreizung deutet darauf hin, dass sich die Schwäche nicht gleichmäßig über das Land verteilt, sondern bestimmte Ballungsräume stärker trifft als andere.
Bei den Baugenehmigungen ergibt sich ein gemischtes Bild. Sie sanken insgesamt um 0,2 Prozent auf 1.400.000 Einheiten. Dabei wurde ein Rückgang bei Einfamilienhäusern von 4,0 Prozent durch einen Anstieg bei Mehrfamilienhäusern um 6,1 Prozent teilweise kompensiert. Truist merkt zudem an, dass die Baugenehmigungen auf unbereinigter Basis im Jahresvergleich um 4 Prozent zurückgingen. Besonders bemerkenswert: Der Rückgang bei Einfamilienhäusern beendete eine mehrmonatige Wachstumsphase. Zusätzlich fielen die Fertigstellungen im Jahresvergleich um 14 Prozent – ein Zeichen dafür, dass weniger Projekte abgeschlossen werden.
Warum die Nachfrage stockt
Goldman Sachs begründet die schwache Entwicklung mit einer Kombination mehrerer Faktoren: einem gestiegenen Angebot, sinkenden Margen bei Bauunternehmen und einer durch hohe Hypothekenzinsen gedämpften Nachfrage. Steigende Finanzierungskosten belasten die Kaufkraft privater Haushalte und bremsen zugleich die Kalkulation von Bauherren. Trotz dieser negativen Signale hält die Investmentbank an ihrer BIP-Prognose für das dritte Quartal von 3,3 Prozent (annualisiert) fest. Das zeigt, dass die Ökonomen die Wohnungsbauschwäche bislang nicht als konjunkturellen Wendepunkt einstufen.
Für den Markt bedeutet die Divergenz zwischen schwachen Baudaten und unveränderter Wachstumsprognose eine spannende Gemengelage. Anleger müssen abwägen, ob die Schwäche nur ein sektorspezifisches Phänomen bleibt oder ob sie sich auf die breitere Wirtschaft ausweitet. Der Wohnungsbau ist in den USA traditionell ein zins sensitiver Sektor, der früh auf veränderte Finanzierungsbedingungen reagiert.
Auswirkungen auf die Baubranche
Die Daten haben direkte Auswirkungen auf zahlreiche Unternehmen der Baubranche. Zu den betroffenen Akteuren zählen Bauproduktehersteller wie Builders FirstSource und James Hardie sowie Baustoffproduzenten wie CRH, Vulcan Materials und Martin Marietta Materials. Auch große Wohnungsbauunternehmen wie D.R. Horton, Lennar, PulteGroup, NVR, Toll Brothers, Meritage und KB Home stehen im Fokus. Die schwachen Fertigstellungszahlen wirken sich zudem auf Unternehmen wie Installed Building Products aus.
Für deutsche Investoren lohnt ein Blick auf die Übertragungskanäle: Sinkende Baubeginne und Fertigstellungen drosseln die Nachfrage nach Baumaterialien, Baugeräten und Zulieferkomponenten. Da viele dieser Produkte international gehandelt werden, kann sich die US-Schwäche auch auf europäische Zulieferer auswirken. Entscheidend bleibt, wie sich die Hypothekenzinsen und das Angebot in den kommenden Monaten entwickeln – diese beiden Größen dürften bestimmen, ob sich der US-Wohnungsbau stabilisiert oder weiter unter Druck gerät.
