US-Verbrauchervertrauen fällt weiter – Rekordtief in Sicht
Der Michigan-Index sank im Oktober auf 46,3 Punkte – der dritte Rückgang in Folge, nahe dem historischen Tiefstand vom Mai.

Das US-Verbrauchervertrauen ist Anfang Oktober erneut gesunken. Der viel beachtete Index der „Surveys of Consumers" der University of Michigan fiel von 48,1 Punkten im September auf 46,3 Punkte – und damit auf den dritten monatlichen Rückgang in Folge. Von Reuters befragte Ökonomen hatten im Vorfeld einen Wert von 47,8 erwartet. Die tatsächliche Zahl blieb deutlich darunter.
Als Hauptursache gilt die anhaltend hohe Inflation, die durch den Nahostkonflikt weiter angeheizt wird. Steigende Energiepreise belasten die Haushalte, während die Federal Reserve im September die Leitzinsen zum ersten Mal seit drei Jahren angehoben hat. Präsident Donald Trump verzeichnet infolgedessen die niedrigsten Zustimmungswerte seiner politischen Karriere – wenige Wochen vor den Zwischenwahlen am 3. November, bei denen die Mehrheitsverhältnisse im Kongress neu bestimmt werden.
Die Stimmungseintrübung trifft nicht alle Bevölkerungsgruppen gleich. Besonders stark verschlechterte sich das Vertrauen bei Verbrauchern mit geringerem Einkommen und solchen mit kleineren Aktiendepots. Auch politisch unabhängige Befragte zeigten einen deutlichen Stimmungsrückgang. Zwar gab es bei Demokraten und Republikanern leichte Aufwärtsbewegungen, doch blieb die Stimmung in beiden Lagern deutlich unter dem Niveau vom Januar dieses Jahres.
Die Details
Die Teilkomponente für die aktuelle wirtschaftliche Lage brach besonders stark ein: Sie fiel von 50,9 im September auf ein Allzeittief von 44,7 Punkten. Die Erwartungskomponente verbesserte sich zwar leicht, doch die Kaufbedingungen für langlebige Güter – also etwa Haushaltsgeräte oder Fahrzeuge – brachen angesichts hoher Preise und Finanzierungskosten ein.
„Verbraucher über das gesamte politische Spektrum hinweg sind frustriert über steigende Preise und das Gefühl, finanziell auf der Stelle zu treten", sagte Jim Baird, Chief Investment Officer bei Plante Moran Financial Advisors. „In den BIP-Gesamtdaten mag dies nicht unmittelbar ersichtlich sein, aber es wird wahrscheinlich sehr deutlich werden, wenn die Wähler in den kommenden Wochen ihre Stimmen abgeben."
Die Inflationserwartungen der Verbraucher für das kommende Jahr stiegen laut der Umfrage leicht von 4,6 % im September auf 4,7 %. Seit Februar – also noch vor Beginn des US-israelischen Krieges mit dem Iran – sind diese Erwartungen von 3,4 % sprunghaft angestiegen. Die langfristigen Inflationserwartungen für die nächsten fünf Jahre kletterten von 3,4 % im September auf 3,5 %.
Die US-Notenbank hatte im vergangenen Monat ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 % bis 4,00 % angehoben – die erste Erhöhung seit drei Jahren. Weitere Zinsschritte wurden für die kommenden Monate signalisiert. Aufgrund des enttäuschenden Beschäftigungswachstums im September sowie schwächer als erwartet ausgefallener Inflationsdaten für Juli und August sank jedoch die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im Oktober. Ökonomen rechnen nun mit einer Anhebung im Dezember.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Entwicklung reiht sich in eine anhaltende Abwärtsbewegung ein. Bereits am 27. April 2026 berichtete aktien.news, dass das Verbrauchervertrauen im April auf ein Allzeittief von 49,8 Punkten gefallen war – nach 53,3 Punkten im März. Die Stimmungseintrübung zog sich damals bereits durch alle politischen Lager sowie durch Verbraucher mit Aktienmarktinvestments.
Am 9. Mai 2026 meldete aktien.news einen weiteren Rückgang: Der Index sank im Mai auf 48,2 Punkte. Besonders auffällig war laut University of Michigan, dass es sich dabei um den schlechtesten Wert unter Republikanern seit der Wahl von Präsident Trump im Jahr 2024 handelte – ein ungewöhnliches Signal, da republikanisch gesinnte Verbraucher nach einem Wahlsieg ihrer Partei üblicherweise optimistischer gestimmt sind.
Am 23. Mai 2026 berichtete aktien.news dann vom nächsten Rekordtief: Der endgültige Mai-Wert fiel auf 44,8 Punkte – deutlich unter dem vorläufigen Wert von 48,2. Als Haupttreiber galten wachsende Sorgen vor steigenden Preisen infolge des Krieges sowie anhaltend hoher Ölpreise. Die Inflationserwartungen für das kommende Jahr stiegen damals von 4,7 % auf 4,8 %.
Am 15. August 2026 meldete aktien.news erneut einen spürbaren Rückgang: Der Index fiel im August von 55,2 auf 51,0 Punkte, womit eine zweimonatige Phase von Zuwächsen abrupt endete. Der Wert blieb zudem deutlich unter der Reuters-Prognose von 54,5 Punkten.
Was das für Anleger bedeutet
Trotz der düsteren Stimmungslage muss ein schwaches Verbrauchervertrauen nicht zwingend zu einem unmittelbaren Einbruch der Konsumausgaben führen. Die Korrelation zwischen Stimmungsindex und tatsächlichem Konsumverhalten hat laut Ökonomen über die Jahre abgenommen. Entscheidend ist vielmehr die sogenannte K-förmige Erholung: Haushalte mit höherem Einkommen stehen – auch dank einer starken Börsenentwicklung – gut da, während die Budgets der mittleren und unteren Einkommensschichten unter Druck stehen.
Ein separater Bericht der University of Michigan zeigt: Knapp ein Drittel der Verbraucher plant, im kommenden Jahr trotz starker Preiserhöhungen wie gewohnt Geld auszugeben. Gleichzeitig gaben 54 % an, sich einschränken zu wollen, und etwa 16 % erklärten, Käufe ganz einzustellen. Einkommensstärkere Verbraucher wollen ihre Ausgaben dabei eher beibehalten als einkommensschwächere.
„Solange sich die Aktienmärkte behaupten, können die Ausgaben weitergehen", sagte James Knightley, Chefökonom für internationale Märkte bei ING. „Hoffentlich verschafft dies Zeit für eine Verbesserung der Energiesituation, was durch niedrigere Kraftstoffkosten und bessere Beschäftigungsaussichten für den breiten Haushaltssektor Entlastung bringen würde. Sollte es jedoch zu einer Korrektur am Aktienmarkt kommen, würde sich die Lage schnell ändern."
Für deutsche Privatanleger, die in US-Aktien oder US-Konsumwerte investiert sind, ist diese Spaltung des Marktes relevant. Unternehmen, die vorwiegend einkommensschwächere Konsumenten ansprechen, dürften stärker unter Druck geraten als Anbieter von Premium- oder Luxusgütern.
Ausblick
Die Zwischenwahlen am 3. November werden über die Mehrheitsverhältnisse im US-Kongress entscheiden und könnten die wirtschaftspolitische Richtung der kommenden Jahre beeinflussen. Ökonomen erwarten, dass die Federal Reserve die Leitzinsen im Dezember erneut anheben wird, nachdem eine Erhöhung im Oktober aufgrund schwacher Beschäftigungs- und Inflationsdaten unwahrscheinlicher geworden ist. Weitere Zinsschritte für die Folgemonate wurden von der Fed bereits signalisiert.
Kurz erklärt
- K-förmige Erholung: Ein wirtschaftliches Muster, bei dem verschiedene Bevölkerungs- oder Einkommensgruppen nach einer Krise unterschiedlich schnell und stark zurückfinden.
- Basispunkte: Eine Maßeinheit für Zinsveränderungen, bei der ein Basispunkt einem Hundertstel Prozentpunkt entspricht.
- Inflationserwartungen: Die Einschätzung von Verbrauchern oder Marktteilnehmern darüber, wie stark die Preise in einem bestimmten Zeitraum steigen werden.
