US-Schuldenprobleme erreichen Niveau der Großen Rezession
Die Federal Reserve meldet alarmierende Rückstände bei Kreditzahlungen – so schlimm wie zuletzt nach der Finanzkrise 2008.

Die Fähigkeit amerikanischer Haushalte, ihre Schulden zu bedienen, hat sich in den vergangenen drei Jahren drastisch verschlechtert. Die US-Notenbank Federal Reserve veröffentlichte am Freitag ihren „Survey of Consumer Finances" und stellte darin fest, dass die Zahlungsfähigkeit der Verbraucher ein Niveau erreicht hat, das zuletzt in den Nachwehen der globalen Finanzkrise verzeichnet wurde. Der Befund ist eindeutig: Fast jede fünfte Familie in den USA war Ende 2025 mit Kreditzahlungen im Rückstand.
Der Bericht zeigt ein gespaltenes Bild der amerikanischen Wirtschaft. Während sich die Vermögensunterschiede zwischen den Einkommensgruppen leicht verringerten, nahm die Fähigkeit zur Begleichung von Schulden erheblich ab. Besonders bemerkenswert ist der Zeitvergleich: Das letzte Mal, dass die Daten ähnlich besorgniserregend ausfielen, war im Jahr 2010 – als sich die USA gerade von der Großen Rezession erholten, die von Dezember 2007 bis Juni 2009 andauerte und durch den Zusammenbruch des Subprime-Hypothekenmarktes ausgelöst worden war.
Die Details
Die Zahlen aus dem Fed-Bericht sind deutlich. Der Anteil der Familien, die Ende 2025 mit Kreditzahlungen im Rückstand waren, stieg von rund 12% in der vorangegangenen Umfrage auf fast 20% – ein Zuwachs von etwa 67%. Noch alarmierender ist die Entwicklung bei den schwerwiegenden Zahlungsausfällen: Der Anteil der Haushalte, die zwei Monate oder länger im Verzug waren, stieg von 5% im Jahr 2022 auf mehr als 8%.
Auch das Verhältnis von Schulden zu Einkommen verschlechterte sich spürbar. Der Anteil der Familien, bei denen der Schuldendienst mehr als 40% des Einkommens ausmacht, sprang auf 8,6% – verglichen mit 6,5% im Jahr 2022. Das ist der höchste Stand seit 2013. Diese Quote gilt als kritische Schwelle, ab der Haushalte als finanziell überlastet gelten.
Beim Vermögen zeigt sich eine klare Zweiteilung. Das inflationsbereinigte durchschnittliche Nettovermögen stieg um 7% auf 1,24 Millionen Dollar, während das mittlere Nettovermögen (Median) lediglich um 2% auf 215.900 Dollar kletterte. Die oberste Einkommensgruppe verzeichnete einen Anstieg ihres mittleren Nettovermögens um 31%. Familien im untersten Einkommensviertel hingegen mussten einen Rückgang des mittleren Nettovermögens um 6% hinnehmen, das durchschnittliche Nettovermögen sank dort um 4%.
Beim Einkommen ergibt sich ein ungewöhnliches Bild: Das reale Medianeinkommen der Familien stieg um 7%, während das Durchschnittseinkommen um 6% sank. Besonders stark fielen die Einkommenszuwächse bei Familien ab 75 Jahren aus. Bei den 35- bis 44-Jährigen hingegen brach das Einkommen um 25% ein – die Fed führt dies auf Rückgänge bei den Kapitalerträgen in dieser Altersgruppe zurück. Auch der Bildungsgrad spielt eine entscheidende Rolle: Personen mit Hochschulabschluss verfügten über das 1,9-fache Medianeinkommen im Vergleich zu Personen mit teilweiser Hochschulbildung und über fast das dreifache mittlere Nettovermögen.
Der Bericht deckt einen Zeitraum ab, in dem die US-Wirtschaft zwar wuchs, jedoch bei Inflationsraten, wie sie seit den frühen 1980er-Jahren nicht mehr beobachtet wurden. Das Vermögenswachstum verlief laut Fed „deutlich langsamer" als im vorangegangenen Berichtszeitraum von 2019 bis 2022.
Hintergrund: Was bisher geschah
Das Thema der wachsenden finanziellen Belastung amerikanischer Haushalte beschäftigt aktien.news bereits seit Längerem. Bereits am 11.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Gesamtverschuldung der US-Haushalte im vierten Quartal 2025 auf 18,8 Billionen Dollar gestiegen war – ein Anstieg von 191 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorquartal. Besonders besorgniserregend waren damals beschleunigte Hypothekenausfälle in einkommensschwachen Regionen.
Am 03.05.2026 belegte aktien.news anhand neuer Forschungsergebnisse, dass die sogenannte K-förmige Wirtschaft in den USA „lebendiger denn je" sei: Während Haushalte mit hohem Einkommen finanziell immer besser dastehen, geraten einkommensschwache Verbraucher zunehmend unter Druck. Dieser Befund deckt sich exakt mit den nun veröffentlichten Fed-Daten.
Am 26.09.2026 analysierte aktien.news zudem die Kreditkarten-Delinquenzraten und stellte fest, dass der wahre Stress im Konsumentenkreditmarkt sich dort verbirgt, wo Schlagzeilen nicht hinsehen – eine Einschätzung, die durch den aktuellen Fed-Bericht eindrucksvoll bestätigt wird.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liefert der Bericht wichtige Hinweise auf die Verfassung der weltgrößten Volkswirtschaft. Eine steigende Zahl überschuldeter US-Haushalte dämpft den privaten Konsum, der traditionell rund zwei Drittel des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Sektoren wie Einzelhandel, Konsumgüter und Finanzdienstleister könnten unter steigenden Kreditausfällen leiden.
Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass die Stimmung der Verbraucher bereits eingetrübt ist: Eine Umfrage der New York Fed, die Anfang dieser Woche veröffentlicht wurde, ergab, dass Haushalte angaben, ihre finanzielle Situation habe sich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert und werde im kommenden Jahr voraussichtlich schwächer ausfallen. Diese Erwartungshaltung kann sich selbst verstärkend auf die Konjunktur auswirken.
Die wachsende Schere zwischen Arm und Reich – sichtbar in den stark divergierenden Nettovermögenszahlen – deutet zudem darauf hin, dass Luxusgüter- und Premium-Segmente robuster bleiben könnten als das Massenmarktsegment. Anleger, die in US-amerikanische Konsumwerte investiert sind, sollten die Entwicklung der Kreditausfallraten und Verbraucherstimmung weiterhin genau beobachten.
Ausblick
Der aktuelle Fed-Bericht deckt den Zeitraum bis Ende 2025 ab. Die Sorgen der Amerikaner um ihre Finanzen halten laut der parallel veröffentlichten Umfrage der New York Fed jedoch an und dürften sich auch in künftigen Erhebungen niederschlagen. Konkrete Termine für Folgepublikationen oder geplante Maßnahmen nennt der Quelltext nicht.
Kurz erklärt
- Survey of Consumer Finances: Eine regelmäßige Umfrage der US-Notenbank Federal Reserve zur finanziellen Lage amerikanischer Haushalte, die Einkommen, Vermögen und Schulden erfasst.
- Schuldendienst-Einkommens-Quote: Das Verhältnis der monatlichen Schuldenzahlungen eines Haushalts zu seinem Einkommen, ein Maß für die finanzielle Belastung.
- Delinquenzrate: Der Anteil der Kreditnehmer, die mit ihren Zahlungsverpflichtungen im Rückstand sind, gemessen an der Gesamtzahl der Kreditnehmer.
