ANZEIGE

US-Regulierungsdruck drückt chinesische Telekom-Aktien erneut deutlich ins Minus

Neue US-Gesetzesvorschläge zu optischen Transceivern lassen chinesische Netzwerkwerte zweistellig fallen; ZTE hält sich besser.

•• 5 Min
US-Regulierungsdruck drückt chinesische Telekom-Aktien erneut deutlich ins Minus

Chinesische Telekommunikationsaktien haben am Montag deutliche Kursverluste verzeichnet. Hintergrund sind neue Maßnahmenvorschläge von US-Gesetzgebern, die chinesische Kommunikationstechnologie aus sensiblen US-Systemen heraushalten sollen. Die Marktteilnehmer reagieren damit auf eine Verschärfung der regulatorischen Rahmenbedingungen, die insbesondere auf optische Transceiver und die allgemeine Netzwerkinfrastruktur abzielen.

Besonders hart traf es die Hersteller von Komponenten für die Glasfaser- und Netzwerktechnik. Hengtong Optic-Electric und Fiberhome Telecommunication Technologies verloren jeweils 10 Prozent. Accelink Technologies büßte 9,9 Prozent ein, T&S Communications und Ruijie Networks je 8,5 Prozent und CIG Shanghai 7,2 Prozent. Der Telekomausrüster ZTE kam vergleichsweise glimpflich davon: Die Aktie gab 3,5 Prozent nach. Marktbeobachter merken an, dass die Risiken für ZTE bereits weitgehend bekannt und in den Kursen eingepreist waren.

Der Druck auf die gesamte Branche war deutlich spürbar. Der CSI 300 verlor 2 Prozent, der Shanghai Composite 1,5 Prozent. Eine Ausnahme bildete der Hang Seng, der mit einem Plus von 0,7 Prozent zulegte. Die jüngsten Entwicklungen unterstreichen die anhaltenden Bemühungen der USA, die Abhängigkeit von chinesischer Telekommunikationstechnologie in kritischen Infrastrukturen weiter zu reduzieren.

Die Details

Im Zentrum der neuen regulatorischen Bemühungen steht der „Communications and Technology Transparency Act". Der Gesetzentwurf zielt darauf ab, den Prozess zur Einschränkung von Technologie aus Ländern, die als ausländische Gegner eingestuft werden, zu straffen. Zudem soll er die „Covered List" der Federal Communications Commission (FCC) erweitern. Auf dieser Liste stehen bereits Produkte von Huawei und ZTE, die aus Gründen der nationalen Sicherheit US-Beschränkungen unterliegen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf einem Gesetzentwurf, den vier Senatoren am 25. September eingebracht haben. Er soll den Einsatz chinesischer optischer Transceiver in hochsensiblen nationalen Sicherheitssystemen der US-Regierung verbieten. Laut Reuters stehen dabei insbesondere die Hersteller Eoptolink und Zhongji Innolight im Fokus. Befürworter des Vorhabens begründen den Schritt mit Sicherheitsrisiken in der Lieferkette: Moderne Transceiver können programmierbare Firmware enthalten, die für KI-Rechenzentren und Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetze kritisch ist.

Analysten bewerten die Kombination aus dem Regierungs-System-Gesetz und dem FCC-Importentwurf als das derzeit größte Risiko für die Branche. Bereits im Juli hatte die FCC Schlupflöcher geschlossen, die den Verkauf von Geräten mit Komponenten von Huawei und ZTE ermöglichten.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die aktuellen Vorschläge setzen eine Reihe früherer Schritte fort. Bereits am 26.09.2026 berichtete aktien.news, dass eine überparteiliche Gruppe US-amerikanischer Gesetzgeber einen Gesetzentwurf eingebracht hat, der chinesische optische Transceiver aus Regierungssystemen heraushalten soll. Die als optische Transceiver bekannten Geräte übertragen und empfangen Daten über Glasfaserkabel und gelten als entscheidend für KI-Rechenzentren. Der Entwurf würde Bundesbehörden die Nutzung optischer Module chinesischer Hersteller verbieten und ein Programm auflegen, das US-Unternehmen beim Aufbau von Alternativen unterstützt. Vorangetrieben wird er von den Abgeordneten John Moolenaar und Raja Krishnamoorthi; er würde das Handelsministerium verpflichten, eine Liste chinesischer Hersteller optischer Module zu erstellen.

Am 23.07.2026 berichtete aktien.news über eine Abstimmung der FCC, mit der ein weitreichendes Verkaufsverbot beschlossen wurde. Betroffen sind Geräte, die wichtige Hardware-Komponenten chinesischer Unternehmen enthalten, welche auf der nationalen Sicherheitsliste der Behörde geführt werden — darunter Huawei und ZTE. Der FCC-Vorsitzende Brendan Carr erklärte damals, die Behörde werde das „Schlupfloch für Einzelkomponenten vollständig schließen". Damit adressierte die FCC eine bislang bestehende Regelungslücke, die trotz bestehender Verbote erhebliche Sicherheitsrisiken offenließ.

Für Zhongji Innolight, einen der nun genannten Transceiver-Hersteller, war das Jahr bislang von ganz anderen Nachrichten geprägt. Am 20.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktien des Unternehmens nach der Genehmigung für eine bedeutende Notierung in Hongkong im Wert von bis zu 8 Milliarden US-Dollar zeitweise um bis zu 8 Prozent stiegen, bevor ein Teil der Gewinne wieder abgegeben wurde; zuletzt notierten die Papiere noch rund 4,7 Prozent im Plus. Die Genehmigung für das Listing war bereits am Freitag erteilt worden.

Am 22.07.2026 folgte der nächste Bericht: Laut einer Börsenmitteilung wollte Zhongji Innolight bis zu HK$55,05 Milliarden (rund 7 Milliarden US-Dollar) einsammeln. Dafür sollten 54,5 Millionen Hongkong-Aktien zu einem Höchstpreis von jeweils HK$1.010 ausgegeben werden. Das Emissionsvolumen könnte sogar auf HK$63,3 Milliarden (rund 8,1 Milliarden US-Dollar) anwachsen, sofern das Unternehmen eine Mehrzuteilungsoption von 15 Prozent vollständig ausübt.

Was das für Anleger bedeutet

Die Kursbewegungen zeigen, wie empfindlich die Branche auf regulatorische Signale aus Washington reagiert. Wer in chinesische Netzwerk- und Komponentenwerte investiert ist, muss die politische Komponente als eigenständigen Risikofaktor einkalkulieren. Denn die Verluste konzentrierten sich diesmal auf Hersteller von Glasfaser- und Übertragungstechnik, also auf jene Segmente, die von den US-Vorstößen unmittelbar betroffen wären.

Analysten stufen die Kombination aus dem Gesetz für Regierungssysteme und dem FCC-Importentwurf als das größte Branchenrisiko ein. Das erklärt, warum die Verluste breit gestreut waren und nicht nur einzelne Namen trafen. ZTE macht dabei eine Ausnahme: Der vergleichsweise geringe Rückgang von 3,5 Prozent deutet darauf hin, dass Anleger die seit längerem bekannten Beschränkungen bereits eingepreist haben.

Deutsche Privatanleger sollten zudem beachten, dass die chinesischen Indizes unterschiedlich reagierten. Während CSI 300 und Shanghai Composite nachgaben, legte der Hang Seng zu — ein Hinweis darauf, dass die Kursbewegungen nicht einheitlich über alle chinesischen Märkte verliefen. Diese Divergenz macht deutlich, dass die Regulierungsdebatte nicht alle Segmente gleich stark trifft.

Ausblick

Der „Communications and Technology Transparency Act" und der am 25. September eingebrachte Senatsentwurf sind bislang Vorschläge. Ob und in welcher Form sie Gesetzeskraft erlangen, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor. Klar ist, dass die USA ihre Bemühungen fortsetzen, die Abhängigkeit von chinesischer Telekommunikationstechnologie in kritischen Infrastrukturen zu reduzieren.

Bei Zhongji Innolight bleibt überdies der geplante Hongkong-Börsengang ein bestimmender Faktor. Die Details zu Umfang und Zeitplan des Listings konnten sich laut dem früheren Bericht noch ändern, da die Beratungen weiterhin andauerten. Der Ausgang der regulatorischen Vorstöße in Washington dürfte damit auch für die Bewertung der Transceiver-Hersteller entscheidend bleiben.

Kurz erklärt

  • Optische Transceiver: Geräte, die Daten über Glasfaserkabel senden und empfangen und als zentral für KI-Rechenzentren gelten.
  • Covered List: Eine Liste der US-Telekommunikationsbehörde FCC mit Produkten, die aus Gründen der nationalen Sicherheit US-Beschränkungen unterliegen.
  • Ausländischer Gegner: Eine Einstufung von Staaten, deren Technologie nach dem geplanten US-Gesetz leichter eingeschränkt werden kann.
Chinesische Telekom-AktienOptische TransceiverFcc Covered ListCommunications And Technology Transparency ActZTEHengtong Optic-ElectricZhongji InnolightUs-Regulierung China

Meistgelesene News

  1. Mercedes-Benz: Neue Regeln für mobiles Arbeiten stehen kurz bevor
  2. Volvo Cars kämpft mit EX60-Produktionsziel und Batterieplänen
  3. Beschlagnahmte Iran-Öltanker segeln langsam in Richtung USA
  4. Ölpreise fallen: Asien importiert Höchstmenge Rohöl seit Iran-Krieg
  5. Ölpreis stabilisiert sich: USA und Iran prüfen gestaffelten Hormus-Deal

Disclaimer