US-Raffinerien vor Rekordgewinnen: Kriege verknappen das globale Energieangebot
Valero, Marathon Petroleum und Phillips 66 steuern auf neue Bestmarken zu, angetrieben von Konflikten im Nahen Osten und in der Ukraine.

Die größten US-Ölraffinerien steuern im dritten Quartal auf ein deutliches Gewinnwachstum zu. Hintergrund sind die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine, die weltweit zu einer hektischen Suche nach Kraftstoffen geführt haben. Analysten der Wall Street gehen davon aus, dass unabhängige US-Kraftstoffhersteller wie Valero Energy, Marathon Petroleum und Phillips 66 sowie weitere Unternehmen auf Kurs sind, ihre nahezu rekordhohen Gewinne aus dem zweiten Quartal zu übertreffen.
Das zweite Quartal endete im Juni. In diesem Zeitraum verbuchten alle drei genannten Unternehmen ihre höchsten Gewinne seit Ausbruch des russischen Krieges in der Ukraine. An der Börse schlug sich die Erwartung bereits nieder: Valero Energy (VLO) legte um 4,65 Prozent zu, Marathon Petroleum (MPC) um 4,77 Prozent und Phillips 66 (PSX) um 3,67 Prozent.
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht aus mehreren Gründen relevant. Die Gewinne der Raffinerien hängen unmittelbar mit den Preisen für Benzin und Diesel zusammen. Wenn Raffinerien weltweit höhere Margen erzielen, spiegelt das ein knappes Angebot an fertigen Kraftstoffen wider – ein Umfeld, das auch die Energiekosten in Europa beeinflusst.
Die Details
Im Zentrum der Entwicklung stehen drei der größten unabhängigen US-Kraftstoffhersteller. Valero Energy, Marathon Petroleum und Phillips 66 gehören zu den Unternehmen, die von Analysten besonders beobachtet werden. Sie alle profitierten im zweiten Quartal von einem Marktumfeld, das reine Raffineriebetreiber begünstigt.
Die Kursgewinne von 4,65 Prozent bei Valero Energy, 4,77 Prozent bei Marathon Petroleum und 3,67 Prozent bei Phillips 66 zeigen, wie stark die Erwartungen an das kommende Zahlenwerk sind. Die Wall Street rechnet damit, dass die Unternehmen die nahezu rekordhohen Ergebnisse des zweiten Quartals übertreffen können.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Die höchsten Gewinne seit Ausbruch des russischen Krieges in der Ukraine fielen in ein Quartal, das im Juni endete. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits seit Monaten anhält und die gesamte Branche der unabhängigen Raffinerien erfasst. Neben den drei genannten Konzernen nennt die Quelle ausdrücklich weitere Unternehmen, die von der angespannten Versorgungslage profitieren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 21.05.2026 berichtete aktien.news, dass Valero Energy, Marathon Petroleum und Phillips 66 laut der Analyseplattform MarketSurge allesamt nahe wichtiger Kaufpunkte notierten. Der Rohölpreis bewegte sich damals bei rund 100 US-Dollar pro Barrel, während die strategisch bedeutsame Straße von Hormus gesperrt blieb und das globale Ölangebot spürbar verknappte.
Am 17.07.2026 meldete aktien.news, dass die Margen der US-Raffinerien den dritten Handelstag in Folge ein neues Rekordhoch erreicht hatten. Als Haupttreiber galten niedrige Kraftstofflagerbestände sowie eskalierende Spannungen im Nahen Osten, die Versorgungsengpässe im weltgrößten Kraftstoffverbraucherland befürchten ließen. Der sogenannte 3-2-1 Crack-Spread – die meistgenutzte Benchmark für die Rentabilität von US-Raffinerien – stieg um über 2 Prozent und schloss bei 69,66 US-Dollar pro Barrel, einem historischen Rekordwert.
Am 14.08.2026 folgte der nächste Bericht: Die drei größten US-Raffineriebetreiber Marathon Petroleum, Phillips 66 und Valero Energy erzielten im zweiten Quartal zusammen einen kombinierten Gewinn von 12,6 Milliarden US-Dollar. Das war der höchste Wert seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Als Treiber dieser Rekordgewinne galt der anhaltende Iran-Konflikt, der die Gewinne und Cashflows der US-Kraftstoffhersteller weiter beflügelte. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sorgen für ein Marktumfeld, das reinen Raffineriebetreibern – sogenannten „Pure-Play"-Raffinerien – besonders zugutekommt.
Am 02.10.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass US-Raffinerien vor der Meldung eines mehr als vierfachen Gewinnanstiegs stehen. Acht börsennotierte unabhängige Raffinerien sollten demnach kombinierte Gewinne von 32,4 Milliarden Dollar in den beiden Quartalen seit Kriegsbeginn ausweisen – im Vergleich zu 6,8 Milliarden Dollar im selben Vorjahreszeitraum. Die Umsätze wurden laut einer FT-Analyse der Quartalsergebnisse im zweiten Quartal und den Erwartungen der Wall Street für das dritte Quartal bei 325,5 Milliarden Dollar prognostiziert, gegenüber 242,9 Milliarden Dollar im Vorjahr. Treiber waren die sprunghaft gestiegenen Diesel- und Benzinpreise infolge des Iran-Krieges von Donald Trump sowie ukrainischer Angriffe auf russische Energieanlagen.
Was das für Anleger bedeutet
Die Raffineriegewinne sind kein isoliertes Phänomen, sondern das Ergebnis eines strukturell knappen Kraftstoffangebots. Solange Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine die Versorgungslage verengen, bleiben die Margen der unabhängigen Raffinerien hoch. Für Anleger bedeutet das: Die Aktien von Valero Energy, Marathon Petroleum und Phillips 66 reagieren sensibel auf geopolitische Nachrichten.
Deutsche Privatanleger sollten dabei zwei Ebenen unterscheiden. Erstens die direkte Wirkung auf US-Energieaktien, die von den Rekordmargen profitieren. Zweitens die indirekte Wirkung auf die eigene Energierechnung, denn hohe Raffineriemargen schlagen sich in höheren Kraftstoffpreisen nieder. Wer in Energieaktien investiert ist, sollte die Abhängigkeit dieser Titel von geopolitischen Entwicklungen im Blick behalten.
Wichtig ist der Hinweis, dass die genannten Kursgewinne Momentaufnahmen sind. Sie spiegeln die Erwartungen der Anleger vor den Quartalszahlen wider und sind keine Garantie für die tatsächlichen Ergebnisse. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Die früheren Berichte von aktien.news zeigen zudem, dass die Bewertung der Branche stark von der Nachrichtenlage zu den Konflikten abhängt.
Ausblick
Der Fokus richtet sich nun auf die Quartalsberichte der US-Raffinerien. Analysten der Wall Street erwarten, dass Valero Energy, Marathon Petroleum und Phillips 66 die nahezu rekordhohen Gewinne des zweiten Quartals übertreffen. Ob sich diese Erwartung bestätigt, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine weiterentwickeln.
Die jüngsten Archivberichte von aktien.news zeigen, dass die Erwartungen an die Branche zuletzt kontinuierlich gestiegen sind. Von einem mehr als vierfachen Gewinnanstieg über acht börsennotierte unabhängige Raffinerien war am 02.10.2026 die Rede, nachdem am 14.08.2026 bereits ein kombinierter Quartalsgewinn von 12,6 Milliarden US-Dollar für die drei größten Betreiber gemeldet worden war. Die kommenden Zahlen werden zeigen, ob die Unternehmen diese Prognosen erfüllen können.
Kurz erklärt
- Raffineriemarge: Der Unterschied zwischen dem Wert des eingesetzten Rohöls und dem Verkaufspreis der daraus hergestellten Kraftstoffe.
- Crack-Spread: Eine Kennzahl, die die Rentabilität von Raffinerien abbildet, indem sie Produktpreise und Rohölkosten ins Verhältnis setzt.
- Pure-Play-Raffinerie: Ein Unternehmen, das sich ausschließlich auf das Raffineriegeschäft konzentriert und nicht in der Ölförderung tätig ist.
