US-Raffinerien profitieren massiv von globalen Energiekrisen und Kriegen
Geopolitische Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine treiben die Gewinne amerikanischer Raffineriebetreiber auf neue Rekordniveaus.

Die größten US-amerikanischen Raffineriebetreiber stehen vor einem außergewöhnlich starken dritten Quartal. Wall-Street-Analysten prognostizieren, dass unabhängige US-Kraftstoffhersteller wie Valero Energy, Marathon Petroleum und Phillips 66 ihre Beinahe-Rekordgewinne aus dem zweiten Quartal noch übertreffen werden. Treiber dieser Entwicklung sind die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine, die das globale Energieangebot empfindlich verknappen.
Bereits im zweiten Quartal, das im Juni endete, verzeichneten alle drei Unternehmen ihre höchsten Gewinne seit Beginn des russischen Krieges in der Ukraine. Die geopolitischen Spannungen haben das Marktumfeld grundlegend verändert und reinen Raffineriebetreibern – sogenannten „Pure-Play"-Raffinerien – besonders zugutegekommen. Nun deuten alle Signale darauf hin, dass das dritte Quartal diese Ergebnisse noch übertreffen könnte.
Die Details
Im Mittelpunkt der Entwicklung stehen drei der größten unabhängigen US-Raffineriebetreiber: Valero Energy (VLO), Marathon Petroleum (MPC) und Phillips 66 (PSX). Laut Prognosen von Wall-Street-Analysten sind alle drei Unternehmen auf Kurs, ihre starken Ergebnisse aus dem zweiten Quartal zu übertreffen. Die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine werden dabei als zentrale Treiber der weltweiten Kraftstoffknappheit identifiziert.
Die Marktlage begünstigt US-Raffinerien strukturell: Während globale Versorgungsengpässe die Kraftstoffpreise in die Höhe treiben, können amerikanische Raffineriebetreiber von ihrer starken Marktstellung profitieren. Die weltweite Suche nach Kraftstoffen hat sich durch die anhaltenden Konflikte verschärft, was die Nachfrage nach US-Produkten und damit die Gewinnmargen der Branche stützt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Entwicklung ist das Ergebnis einer langen Gewinnrallye, die aktien.news in den vergangenen Monaten intensiv begleitet hat. Bereits am 17.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Margen der US-Raffinerien den dritten Handelstag in Folge ein neues Rekordhoch erreicht hatten. Der sogenannte 3-2-1 Crack-Spread – die meistgenutzte Benchmark für die Rentabilität von US-Raffinerien – stieg damals um über 2 Prozent und schloss bei 69,66 US-Dollar pro Barrel, einem historischen Rekordwert. Als Haupttreiber galten niedrige Kraftstofflagerbestände sowie eskalierende Spannungen im Nahen Osten.
Am 14.08.2026 meldete aktien.news, dass Marathon Petroleum, Phillips 66 und Valero Energy im zweiten Quartal zusammen einen kombinierten Gewinn von 12,6 Milliarden US-Dollar erzielt hatten – der höchste Wert seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Als zentraler Treiber dieser Rekordgewinne galt der anhaltende Iran-Konflikt, der die Gewinne und Cashflows der US-Kraftstoffhersteller weiter beflügelte.
Am 02.10.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass acht börsennotierte unabhängige Raffinerien voraussichtlich kombinierte Gewinne von 32,4 Milliarden Dollar in den beiden Quartalen seit Kriegsbeginn ausweisen werden – im Vergleich zu 6,8 Milliarden Dollar im selben Vorjahreszeitraum. Die Umsätze wurden laut einer FT-Analyse bei 325,5 Milliarden Dollar prognostiziert, gegenüber 242,9 Milliarden Dollar im Vorjahr. Treiber waren die sprunghaft gestiegenen Diesel- und Benzinpreise infolge des Iran-Krieges sowie ukrainischer Angriffe auf russische Energieinfrastruktur.
Bereits am 16.05.2026 hatte aktien.news berichtet, dass US-Raffineriebetreiber erstmals seit Jahren wieder solide Gewinne mit erneuerbaren Kraftstoffen erzielten – begünstigt durch neue Rekordvorgaben der US-Umweltbehörde EPA für die Beimischung von Biokraftstoffen sowie stark gestiegene Dieselpreise infolge des US-israelischen Krieges gegen den Iran.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in US-Energieaktien investiert sind oder dies erwägen, zeichnet sich ein klares Bild: Die geopolitischen Rahmenbedingungen begünstigen unabhängige US-Raffineriebetreiber strukturell. Unternehmen wie Valero Energy, Marathon Petroleum und Phillips 66 profitieren direkt von der globalen Kraftstoffknappheit, die durch die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine ausgelöst wurde.
Die Branche hat sich in den vergangenen Quartalen als einer der größten Profiteure der geopolitischen Spannungen erwiesen. Die kombinierten Gewinne der acht größten unabhängigen US-Raffinerien von 32,4 Milliarden Dollar in zwei Quartalen – verglichen mit 6,8 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum – verdeutlichen das Ausmaß dieser Entwicklung. Anleger sollten jedoch beachten, dass diese außergewöhnlichen Margen eng an das Fortbestehen der geopolitischen Spannungen geknüpft sind. Eine Entspannung der Lage könnte die Gewinnmargen der Branche schnell unter Druck setzen.
Zudem lohnt ein Blick auf das Segment der erneuerbaren Kraftstoffe: Wie aktien.news im Mai 2026 berichtete, erzielen US-Raffineriebetreiber erstmals seit Jahren wieder solide Gewinne mit Biokraftstoffen – ein Segment, das durch neue EPA-Vorgaben und gestiegene Dieselpreise zusätzlichen Rückenwind erhält und die Ertragsbasis der Branche langfristig diversifizieren könnte.
Ausblick
Wall-Street-Analysten erwarten, dass die unabhängigen US-Kraftstoffhersteller im dritten Quartal ihre Beinahe-Rekordgewinne aus dem zweiten Quartal übertreffen werden. Konkrete Quartalsergebnisse stehen noch aus. Die Prognosen stützen sich auf die anhaltende Verknappung des globalen Energieangebots durch die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine, die vorerst keine Anzeichen einer Entspannung zeigen.
Kurz erklärt
- Unabhängige Raffineriebetreiber (Pure-Play-Raffinerien): Unternehmen, die sich ausschließlich auf die Verarbeitung von Rohöl zu Kraftstoffen spezialisiert haben, ohne eigene Förderung.
- 3-2-1 Crack-Spread: Eine Kennzahl, die die Gewinnmarge einer Raffinerie misst, indem sie den Unterschied zwischen dem Rohölpreis und den Erlösen aus den daraus gewonnenen Kraftstoffen abbildet.
- Crack-Spread als Absicherungsinstrument: Raffinerien nutzen den an der New York Mercantile Exchange gehandelten Spread, um ihre Gewinnmargen gegen Preisschwankungen abzusichern.
