US-Krankenversicherer steigen nach höheren Medicare-Advantage-Vergütungssätzen 2027
Die US-Regierung hebt Medicare-Advantage-Vergütungssätze deutlich über Erwartungen an – Zusatzzahlungen von über 13 Milliarden Dollar erwartet.

Die Aktien großer US-Krankenversicherer haben am Dienstag im vorbörslichen Handel kräftig zugelegt. Auslöser war die Entscheidung der US-Regierung, die Vergütungssätze für Medicare Advantage für das Jahr 2027 deutlich höher als erwartet festzusetzen. Die Maßnahme soll zu Zusatzzahlungen von mehr als 13 Milliarden Dollar führen.
Besonders stark profitierte Humana, das im S&P 500 zeitweise um 10,4 Prozent zulegte und damit der größte Gewinner im Index war. UnitedHealth verteuerte sich um 6,6 Prozent, CVS Health kletterte um 7,3 Prozent. Auch Elevance Health, Centene und Molina Healthcare verzeichneten vorbörsliche Kursgewinne zwischen 3,3 und 5,3 Prozent.
Die Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) – die US-Bundesbehörde für die Verwaltung der staatlichen Krankenversicherungsprogramme – gaben am späten Montag bekannt, dass die Zahlungen an private Versicherer, die Medicare-Advantage-Pläne für ältere Menschen anbieten, im Jahr 2027 um durchschnittlich 2,48 Prozent steigen werden. Damit übertrifft die finale Erhöhung den im Januar vorgeschlagenen Wert von lediglich 0,09 Prozent bei weitem – ein Anstieg, der damals weit hinter den Erwartungen der Branche zurückgeblieben war.
Branche hatte Milliarden an Marktwert verloren
Der enttäuschende Vorschlag der Trump-Administration vom Januar hatte in der Krankenversicherungsbranche eine heftige Gegenreaktion ausgelöst. Die Unternehmen hatten in der Folge Milliarden an Börsenwert eingebüßt – in einem Sektor, der ohnehin bereits seit fast drei Jahren mit erheblichen finanziellen Belastungen durch steigende medizinische Kosten kämpft. Investoren hatten zuletzt eine Tariferhöhung von mindestens 1 Prozent erwartet, wie Wall-Street-Analysten im Vorfeld erklärt hatten.
Mizuho-Analystin Ann Hynes kommentierte die Entscheidung positiv: „Diese Verbesserung sollte es der Branche ermöglichen, die Margen im Jahr 2027 in Verbindung mit Leistungskürzungen auszuweiten." Auch Leerink-Analyst Whit Mayo zeigte sich erleichtert: „Dies untermauert die Argumente für ein gewisses Margenwachstum im Jahr 2026 und schwächt die wachsende Wahrnehmung ab, dass sich die harte politische Haltung der CMS gegenüber der Gruppe verschlechtert. Zumindest wird der Sektor wieder als attraktiver für Investitionen wahrgenommen werden."
Gesamterhöhung von rund 5 Prozent durch Risikoanpassung
Neben der direkten Tariferhöhung profitieren die Versicherer zusätzlich von einer Änderung bei den sogenannten Risikoanpassungszahlungen, die den Gesundheitszustand der Versicherten berücksichtigen. Dieser Vorteil beläuft sich auf weitere 2,5 Prozent, was einer Gesamterhöhung von rund 5 Prozent entspricht – so ein Vertreter der Medicare-Behörde in einem Pressegespräch.
Oppenheimer-Analyst Michael Wiederhorn mahnte dennoch zur Vorsicht: „Die Branche sieht sich weiterhin einem schwierigen Umfeld gegenüber, aber nach dieser positiveren Veröffentlichung könnten wir eine Trendwende erleben." Die Krankenversicherer hatten argumentiert, dass die im Januar vorgeschlagenen Sätze die Realität der gestiegenen medizinischen Kosten nicht widerspiegelten – Kosten, die seit fast drei Jahren die Margen der gesamten Branche unter Druck setzen.
Medicare Advantage ist ein privat verwaltetes Alternativprogramm zum staatlichen Medicare-Programm in den USA und richtet sich vor allem an ältere Amerikaner. Die jährliche Festsetzung der Vergütungssätze durch die CMS hat daher erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftsergebnisse der großen US-Krankenversicherer.
