US-Krankenversicherer: Medicare-Krise überwunden, leichte Gewinne vorbei
Nach Jahren massiven Drucks erholen sich UnitedHealth, Humana und CVS Health – doch das einfache Geld ist bereits verdient.

Der US-Krankenversicherungssektor hat turbulente Jahre hinter sich. Nach der Pandemie suchten Patienten massenhaft aufgeschobene Behandlungen nach, während die Regierung in Washington die Regeln für Medicare Advantage verschärfte und Zahlungen kürzte. Die Margen der großen Versicherer brachen ein – und die Aktienkurse folgten. Nun dreht sich das Blatt.
Die medizinischen Kosten steigen weniger stark als befürchtet, und die Trump-Regierung zeigt sich gegenüber der Branche großzügiger als ihr Vorgänger. Der einst gemiedene Sektor erholt sich spürbar. Die Aktien von UnitedHealth Group, Humana und CVS Health – allesamt in den vergangenen Jahren massiv unter Druck geraten – haben sich deutlich von ihren Tiefständen erholt.
Die Ökonomie des US-Gesundheitswesens: Eine Wippe
Um die Lage der Versicherer zu verstehen, hilft ein einfaches Bild: Die Ökonomie des US-Gesundheitswesens funktioniert wie eine Wippe. Auf der einen Seite sitzen die Versicherer – sie ziehen Prämien ein und tragen das Risiko. Sie verlieren, wenn die Menschen viele Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen. Auf der anderen Seite befinden sich Krankenhäuser, Ärzte und Pharmahersteller, die gewinnen, wenn das Volumen steigt.
Die Grenzen zwischen diesen Lagern sind zwar verschwommen, da Versicherer zunehmend auch Kliniken und Apotheken besitzen. Dennoch hat sich an dieser grundlegenden Dynamik nichts Wesentliches geändert. In den letzten rund drei Jahren war diese Wippe stark zum Nachteil der Versicherer geneigt.
Amerikaner, die während der Pandemie Behandlungen aufgeschoben hatten, kehrten in großer Zahl in Arztpraxen, Notaufnahmen und Operationssäle zurück. Die Versicherer hatten ihre Tarife für eine ruhigere Welt kalkuliert – und zahlten nun die Rechnung für ihre Fehleinschätzung.
Medicare Advantage: Vom Gewinnbringer zur Schwachstelle
Besonders schmerzhaft traf es die Versicherer im Bereich Medicare Advantage – der privatisierten Version des staatlichen US-Krankenversicherungsprogramms Medicare für Senioren. Was einst als verlässlichster Gewinnbringer der Branche galt, wurde zur größten Schwachstelle, als Washington die Zahlungen an die privaten Anbieter kürzte. Der Zeitpunkt hätte kaum ungünstiger sein können: Die Kostenwelle aus der Post-Pandemie-Phase traf auf sinkende Einnahmen aus dem Regierungsprogramm.
Nun lässt dieser doppelte Druck nach. Das Schlimmste scheint die Branche hinter sich zu haben. Anleger werden schon bald mehr Klarheit erhalten: Im nächsten Monat beginnen die Unternehmen mit der Berichterstattung über ihre Ergebnisse des zweiten Quartals. Diese Zahlen werden zeigen, wie weit die Erholung noch tragen kann.
Nach der jüngsten Kurserholung dürfte das sogenannte „leichte Geld" mit diesen Aktien jedoch bereits verdient worden sein. Wer früh auf die Erholung gesetzt hat, konnte erhebliche Gewinne einfahren. Für Neueinsteiger stellt sich nun die Frage, ob die verbleibenden Aufwärtspotenziale die weiterhin bestehenden Risiken rechtfertigen – eine Abwägung, die erst die kommenden Quartalsergebnisse klarer beantworten werden.
