US-Inflation schwächer als erwartet – Einzelhandel überrascht
Die Großhandelspreise in den USA stiegen im November moderater als prognostiziert, während die Verbraucher weiterhin kräftig einkauften. Der Erzeugerpreisindex legte nur um 0,2 Prozent zu.

Die amerikanische Wirtschaft sendet gemischte Signale: Während die Inflation auf Großhandelsebene schwächer ausfiel als erwartet, zeigen sich die Verbraucher weiterhin kauffreudig. Die am Mittwoch veröffentlichten Wirtschaftsdaten des Bureau of Labor Statistics (BLS) bieten der Federal Reserve wichtige Anhaltspunkte für ihre Zinspolitik.
Erzeugerpreise unter Erwartungen
Der Erzeugerpreisindex (EPI) stieg im November lediglich um 0,2 Prozent im Monatsvergleich – unter der Konsensschätzung von 0,3 Prozent. Besonders bemerkenswert: Der Kern-EPI, der volatile Nahrungsmittel- und Energiepreise ausklammert, blieb völlig unverändert, während Analysten mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet hatten.
Im Jahresvergleich liegt der Gesamt-EPI allerdings mit 3,0 Prozent deutlich über dem Inflationsziel der Fed von 2,0 Prozent. Der Kern-EPI ohne Handelsdienstleistungen verzeichnete sogar einen Anstieg von 3,5 Prozent – die stärkste 12-Monats-Bewegung seit März 2025.
Energiepreise treiben Inflation
Der Preisanstieg bei Waren um 0,9 Prozent war hauptsächlich auf einen Sprung der Energiepreise um 4,6 Prozent zurückzuführen. Mehr als 80 Prozent des EPI-Anstiegs lassen sich auf diesen Faktor zurückführen. Die Preise für Dienstleistungen hingegen stagnierten im Berichtsmonat.
Robuster Einzelhandel überrascht positiv
Auf der Verbraucherseite präsentiert sich die US-Wirtschaft weiterhin stark: Die Einzelhandelsumsätze kletterten im November um 0,6 Prozent – deutlich über der Prognose von 0,4 Prozent. Ohne Automobilverkäufe betrug das Plus 0,5 Prozent, verglichen mit erwarteten 0,3 Prozent.
Die Zuwächse verteilten sich breit über verschiedene Handelssegmente: Autohändler, Bau- und Gartenmärkte, Tankstellen sowie Sportartikelgeschäfte verzeichneten allesamt Steigerungen von über einem Prozent. Im Jahresvergleich wuchsen die Umsätze um 3,3 Prozent und übertrafen damit deutlich die Verbraucherpreisinflation von 2,7 Prozent.
Märkte reagieren gelassen
Die Finanzmärkte zeigten sich von den Daten kaum beeindruckt: Aktien-Futures tendierten leicht schwächer, während die Renditen von Staatsanleihen nahezu unverändert blieben. Marktteilnehmer preisen weiterhin praktisch keine Chance auf eine Zinserhöhung der Federal Reserve bei ihrer anstehenden Sitzung in diesem Monat ein.
Verzögerungen bei Datenveröffentlichung
Das BLS liegt aufgrund des Regierungsstillstands im vergangenen Jahr weiterhin mit den EPI-Daten im Rückstand. Auch die Einzelhandelsumsätze werden verzögert publiziert, was die zeitnahe Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung erschwert.
