US-Finanzministerium kündigt alle Verträge mit Booz Allen Hamilton
Das US-Finanzministerium hat sämtliche Verträge mit dem Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton fristlos gekündigt. Grund ist ein massives Datenleck, bei dem vertrauliche Steuerunterlagen von Donald Trump und über 400.000 weiteren Amerikanern gestohlen w

Das US-Finanzministerium hat am Montag einen drastischen Schritt vollzogen: Alle 31 bestehenden Verträge mit dem renommierten Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton (BAH) wurden mit sofortiger Wirkung gekündigt. Die betroffenen Verträge hatten ein jährliches Volumen von 4,8 Millionen US-Dollar und Gesamtverpflichtungen von 21 Millionen US-Dollar. Die Aktie des Unternehmens brach nach Bekanntwerden der Nachricht um über 10 Prozent auf rund 91,86 US-Dollar ein.
Massiver Datendiebstahl durch ehemaligen Mitarbeiter
Auslöser der Kündigung ist ein schwerwiegender Sicherheitsvorfall aus den Jahren 2018 bis 2020. Der ehemalige Booz Allen-Mitarbeiter Charles Littlejohn hatte während seiner Tätigkeit als Auftragnehmer für die US-Steuerbehörde IRS vertrauliche Steuerinformationen entwendet. Betroffen waren nicht nur die Steuerunterlagen von Präsident Donald Trump, sondern auch die Daten von Hunderten vermögenden Amerikanern, darunter prominente Namen wie Jeff Bezos und Elon Musk.
Insgesamt wurden die Steuerdaten von etwa 406.000 US-Bürgern kompromittiert. Littlejohn leitete die brisanten Informationen an die New York Times und das Nachrichtenportal ProPublica weiter. Im Oktober 2023 bekannte er sich des Verstoßes gegen das Steuergeheimnis schuldig und wurde im Januar 2024 zur Höchststrafe von fünf Jahren Haft verurteilt.
Unzureichende Sicherheitsmaßnahmen bemängelt
Das Finanzministerium wirft Booz Allen Hamilton vor, keine ausreichenden Schutzmaßnahmen für sensible Daten implementiert zu haben. Besonders kritisch sieht die Behörde den Umgang mit den dem IRS anvertrauten Steuerzahlerdaten. Finanzminister Scott Bessent bezeichnete die Kündigung als "wesentlichen Schritt zur Stärkung des Vertrauens der Amerikaner in die Regierung".
Die Maßnahme fügt sich in die Strategie der Trump-Regierung ein, Verschwendung, Betrug und Missbrauch bei der Vergabe von Regierungsaufträgen aufzudecken. Für Booz Allen Hamilton stellt die Kündigung einen erheblichen Rückschlag dar, auch wenn das finanzielle Volumen im Verhältnis zum Gesamtumsatz des Unternehmens überschaubar ist.
Booz Allen Hamilton weist Verantwortung zurück
Das Beratungsunternehmen reagierte mit einer Stellungnahme, in der es die Taten von Charles Littlejohn "aufs Schärfste" verurteilte. Man betonte, dass Littlejohn bereits vor Jahren für die Firma tätig gewesen sei. Eine detaillierte Erklärung zu den Sicherheitslücken, die den Datendiebstahl ermöglichten, blieb das Unternehmen jedoch schuldig.
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zur Datensicherheit bei Regierungsauftragnehmern auf. Für deutsche Investoren, die in US-Beratungsunternehmen investiert sind, zeigt der Vorfall die Risiken, die mit unzureichenden Compliance-Strukturen verbunden sind. Die drastische Reaktion des Finanzministeriums könnte zudem einen Präzedenzfall für den Umgang mit Sicherheitsverstößen bei anderen Regierungsauftragnehmern darstellen.
