US-Börsen erholen sich trotz Spannungen im Nahen Osten
Dow, Nasdaq und S&P 500 beenden volatile Woche im Plus, während die Straße von Hormus für geopolitische Unsicherheit sorgt.

Die US-Aktienmärkte haben eine volatile Handelswoche mit deutlichen Gewinnen abgeschlossen und sich damit von den Kursverlusten der Wochenmitte erholt. Der Dow Jones Industrial Average stieg um 0,93 % auf 51.828,6 Punkte, während der Nasdaq Composite um 0,48 % auf 27.068,7 Punkte zulegte. Der S&P 500 schloss mit einem Plus von 0,51 % bei 7.743,41 Punkten. Trotz der zwischenzeitlichen Verkäufe beendeten damit alle drei großen Indizes die Woche insgesamt im Plus.
Die Erholung wurde maßgeblich durch eine Beruhigung am globalen Anleihemarkt unterstützt. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen gab nach, nachdem sie zuvor ein Hoch von 5,228 % erreicht hatte. Die Rendite der 30-jährigen Anleihen pendelte sich bei 5,5 % ein, nachdem sie erstmals seit 22 Jahren diese Marke überschritten hatte. Sinkende Renditen gelten an den Märkten traditionell als Rückenwind für Aktien, da sie die Attraktivität von Anleihen im Vergleich zu Dividendentiteln verringern.
Solide Gewinne stützen die Kurse
Mona Mahajan, Strategiechefin bei Edward Jones, betonte, dass sich die Aktienmärkte trotz des Drucks durch steigende Renditen dank solider Unternehmensgewinne und einer robusten Wirtschaft als widerstandsfähig erwiesen hätten. Diese Einschätzung dürfte auch für deutsche Anleger von Bedeutung sein, die über US-Investments oder globale Fonds am amerikanischen Markt engagiert sind. Die Kombination aus stabilen Fundamentaldaten und nachgebenden Zinsen sorgte offenbar dafür, dass die jüngsten Rücksetzer von den Marktteilnehmern als Kaufgelegenheit genutzt wurden.
Parallel dazu rückten geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus in den Fokus der Märkte. Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt für den Öltransport. Störungen in dieser Region haben traditionell unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Energiepreise und damit auch auf die Inflations- und Zinserwartungen.
Widersprüchliche Signale zur Lage am Golf
Während das Wall Street Journal berichtete, dass die Ölpreise nachgaben, zeichnet Reuters ein deutlich konfrontativeres Bild. Die Sorte Brent fiel um 2,1 % auf 104,32 US-Dollar – offenbar getrieben von unbestätigten Berichten über mögliche Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zur Öffnung der Meerenge. Laut staatlichen iranischen Medienberichten wies US-Präsident Donald Trump jedoch einen iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus und zur Beendigung der Feindseligkeiten zurück.
Der Sprecher der iranischen Streitkräfte, Mohammad Akraminia, erklärte, dass das Militär für eine erneute Konfrontation mit den USA bereit sei und warnte vor schweren Schäden für die amerikanische Seite. Der Oberbefehlshaber der iranischen Armee, Amir Hatami, bezeichnete die Lage als „entscheidendes Stadium". Er unterstrich, dass Teheran eine Situation nicht akzeptieren werde, in der das Land vom Handel ausgeschlossen sei, während andere Mächte die strategischen Wasserwege nutzten.
Hatami betonte mit deutlichen Worten: „Wenn der Iran nicht handeln kann, wird niemand handeln können." Die Straße von Hormus sei ein Symbol der iranischen Würde, das man den Gegnern nicht zur freien Nutzung überlassen werde, solange die eigene Bevölkerung unter Sanktionen leide. Diese Aussagen verdeutlichen, wie angespannt die Lage in der Region bleibt – und wie schnell sich die Stimmung an den Märkten wieder drehen könnte.
Für deutsche Anleger bedeutet die Gemengelage eine anhaltende Unsicherheit: Einerseits stützen nachgebende Anleiherenditen und solide Unternehmensgewinne die Aktienkurse, andererseits bleibt das Risiko einer Eskalation am Golf bestehen. Die widersprüchlichen Berichte über Verhandlungen und Konfrontation machen deutlich, dass die weitere Entwicklung an den Öl- und Aktienmärkten stark von den politischen Signalen aus Washington und Teheran abhängen dürfte.
