ANZEIGE

US-Bohrplattformen sinken auf 598 – erster Rückgang seit sechs Wochen

Die Zahl der aktiven Öl- und Gasbohrplattformen in den USA ist um eine Einheit auf 598 gesunken – der niedrigste Stand seit Mitte September.

•• 4 Min
US-Bohrplattformen sinken auf 598 – erster Rückgang seit sechs Wochen

Die Zahl der in den Vereinigten Staaten aktiven Bohrplattformen für Öl und Gas ist in der am Freitag endenden Woche um eine Einheit auf 598 gesunken. Das meldete der Energiedienstleister Baker Hughes (NYSE: BKR), der den sogenannten Rig Count jede Woche veröffentlicht. Für den Gesamtbestand ist es der erste Rückgang seit sechs Wochen, und er markiert zugleich das niedrigste Niveau seit Mitte September.

Der Rig Count gilt in der Branche als wichtiger Frühindikator für die künftige Energieproduktion. Nimmt die Zahl der aktiven Bohranlagen zu, deutet das auf eine steigende Förderung in den kommenden Monaten hin – und umgekehrt. Der aktuelle Rückgang fällt jedoch mit nur einer Einheit sehr moderat aus und geht ausschließlich auf den Gassektor zurück, während der Ölsektor sogar leicht zulegte.

Die Details

Getrennt nach den einzelnen Kategorien ergibt sich ein gespaltenes Bild. Die Zahl der Ölbohrplattformen stieg in dieser Woche um eine Einheit auf 456, was dem höchsten Stand seit Mai 2025 entspricht. Die Anzahl der Gasbohrplattformen sank dagegen um zwei Einheiten auf 133 und damit auf den tiefsten Wert seit Mitte September. Die Zahl der sonstigen Bohrplattformen blieb bei neun unverändert.

Im Jahresvergleich steht der US-Energiesektor weiterhin über dem Niveau von vor zwölf Monaten. Der Gesamtbestand an Bohrplattformen liegt aktuell um 49 Einheiten beziehungsweise 9% über dem Wert des gleichen Zeitraums im Vorjahr. Dieser Puffer ist allerdings das Ergebnis einer längeren Schrumpfungsphase: Die Zahl der Öl- und Gasbohrplattformen ging im Jahr 2025 um 7% zurück, im Jahr 2024 um 5% und im Jahr 2023 um 20%.

Der Grund für den mehrjährigen Rückgang sind die niedrigeren US-Ölpreise in diesen Jahren. Sie veranlassten die Energieunternehmen, die Ausschüttungen an die Aktionäre und die Tilgung von Schulden gegenüber einer Steigerung der Fördermengen zu priorisieren. Statt mehr Kapital in neue Bohrungen zu stecken, konzentrierten sich die Konzerne auf die Rückgabe von Kapital an die Eigentümer und die Stärkung ihrer Bilanzen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die wöchentlichen Daten von Baker Hughes zeigen einen wechselhaften Verlauf. Bereits am 25.07.2026 berichtete aktien.news, dass US-Energieunternehmen die Zahl ihrer aktiven Bohranlagen erstmals seit sechs Wochen reduziert hatten. Damals sank der Gesamtwert um eine Anlage auf 587 – den niedrigsten Stand seit Mitte Juli –, lag aber noch um 45 Anlagen oder 8% über dem Vorjahr.

Nur eine Woche später, am 01.08.2026, drehte der Trend wieder. Wie aktien.news berichtete, weiteten die US-Energieunternehmen ihre Bohraktivitäten in der Woche zum 31. Juli erneut aus – der sechste Anstieg innerhalb von sieben Wochen. Die Gesamtzahl stieg um eine Einheit auf 588. Die Ölbohranlagen erhöhten sich um eine auf 451 und erreichten damit den höchsten Stand seit Mitte Juli; die Gasbohranlagen blieben bei 127 unverändert, die sonstigen Anlagen lagen bei 10.

Schon zuvor gab es Phasen der Belebung. Am 02.05.2026 meldete aktien.news einen Anstieg um drei auf insgesamt 547 Bohranlagen in der Woche bis zum 1. Mai – der höchste Stand seit Anfang April und der erste Anstieg in zwei aufeinanderfolgenden Wochen seit Mitte März. Bereits am 24.01.2026 hatte aktien.news berichtet, dass die Zahl der aktiven Öl- und Gasbohranlagen in der Woche bis zum 23. Januar um eine Einheit auf 544 gestiegen war, nachdem sie zuvor drei Wochen in Folge gesunken war.

Was das für Anleger bedeutet

Für Anleger ist der Rig Count ein wichtiger Gradmesser, weil er früh signalisiert, wie sich das Angebot an Rohöl und Erdgas in den USA entwickeln dürfte. Ein niedrigerer Wert kann mittelfristig auf ein knapperes Angebot hindeuten, ein höherer Wert auf wachsende Fördermengen. Der nun gemeldete Rückgang von nur einer Einheit und der gleichzeitige Anstieg der Ölbohrplattformen auf den höchsten Stand seit Mai 2025 zeigen, dass sich die Bohraktivität nicht einheitlich entwickelt.

Auffällig ist die Verschiebung innerhalb des Marktes: Während die Ölbohrplattformen zulegen, fallen die Gasbohrplattformen auf den tiefsten Stand seit Mitte September. Wer in Energiewerte investiert, sollte diese unterschiedliche Dynamik der beiden Segmente im Blick behalten. Hinzu kommt die mehrjährige Schrumpfung: Der Rückgang der Bohranlagen in den Jahren 2023 bis 2025 war auch eine Folge der Priorität auf Aktionärsausschüttungen und Schuldenabbau statt auf Mengenwachstum. Diese Strategie ist für Investoren relevant, weil sie die Kapitaldisziplin der Unternehmen widerspiegelt.

Ausblick

Der Blick auf die kommenden Jahre ist laut den vorliegenden Informationen von steigenden Preisen geprägt. Die Spotpreise für US-West Texas Intermediate (WTI) Rohöl werden voraussichtlich im Jahr 2026 zum ersten Mal seit vier Jahren steigen. Als Grund gelten Versorgungsengpässe infolge des Iran-Krieges.

Die US Energy Information Administration (EIA) rechnet zugleich mit einer höheren Förderung. Sie prognostiziert, dass die Rohölförderung von einem Rekordniveau von 13,7 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2025 auf 13,8 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2026 ansteigen wird. Für Anleger bleibt damit spannend, ob die moderate Bohraktivität mit dieser erwarteten Produktionssteigerung Schritt halten kann.

Kurz erklärt

  • Rig Count: Wöchentlich erhobene Zahl der in einem Land aktiv fördernden Öl- und Gasbohranlagen.
  • WTI: Referenzsorte für US-amerikanisches Rohöl, deren Preis als wichtiger Marktindikator gilt.
  • EIA: US-Behörde für Energieinformation, die offizielle Daten und Prognosen zur Energieproduktion veröffentlicht.
Us-BohrplattformenBaker HughesRig CountÖlbohranlagenGasbohranlagenWti RohölEia PrognoseÖlpreis

Meistgelesene News

  1. Mercedes-Benz: Neue Regeln für mobiles Arbeiten stehen kurz bevor
  2. Beschlagnahmte Iran-Öltanker segeln langsam in Richtung USA
  3. Alphabet und Nvidia: Was 1.000 Dollar bis 2030 wert sein könnten
  4. BASF im Umbruch: Evonik-Übernahme und EU-Batterie-Regeln
  5. Iran erhält offizielle US-Antwort auf Friedensvorschlag

Disclaimer