US-Banken enttäuschen: Trotz Rekordgewinnen fallen die Kurse
Die großen US-Banken haben ihre Quartalszahlen vorgelegt – und trotz starker Gewinne reagieren Anleger enttäuscht. Risiken und Trumps Zinsdeckel-Pläne belasten die Stimmung.

Die Berichtssaison in den USA hat traditionell mit den Großbanken begonnen, und die Zahlen können sich sehen lassen. JPMorgan Chase, Bank of America, Wells Fargo und Citigroup meldeten für das vierte Quartal 2024 starke Ergebnisse. Doch die Börse reagierte mit Kursverlusten – die Anleger nehmen Gewinne mit und blicken skeptisch auf die Zukunft.
Starkes Investment Banking treibt Gewinne
Das Geschäft lief im abgelaufenen Jahr prächtig. Besonders das Investment Banking mit Fusionen und Übernahmen sowie das volatile Handelsgeschäft spülten Milliarden in die Kassen. "Alle Banken haben eigentlich bis fast zum Ende des Jahres noch vom guten Investmentbanking-Geschäft profitiert", erklärt Christina Bannier, Professorin für Banking und Finance an der Universität Gießen. Die gestiegenen Aktienkurse, Rohstoffpreise und die hohe Volatilität an den Märkten sorgten für üppige Handelsgewinne.
Das solide US-Wirtschaftsumfeld unterstützte zusätzlich: Die amerikanischen Verbraucher konsumierten kräftig, was das klassische Kreditgeschäft ankurbelte. Die Kombination aus starkem Trading, florierendem M&A-Geschäft und robuster Konjunktur bescherte den Banken ein glänzendes Gesamtjahr 2024.
Sonderbelastungen trüben das Bild
Doch unter der glänzenden Oberfläche zeigen sich Risse. JPMorgan Chase belasteten die Kosten für die Übernahme des Apple-Kreditkartengeschäfts von Goldman Sachs. Citigroup musste sich endgültig aus Russland zurückziehen und schrieb dabei rund 1,2 Milliarden Dollar ab. Wells Fargo kämpft mit steigenden Personalkosten, und selbst die zweitgrößte US-Bank, Bank of America, konnte sich dem negativen Börsentrend nicht entziehen.
Jake Johnston, stellvertretender Chefanleger beim Vermögensverwalter Advisors, zeigt sich dennoch gelassen: "Wir sehen bei den Großbanken zwar einige leichte Abweichungen nach unten. Die Aktien sind im Vorfeld der Zahlen jedoch deutlich gestiegen, sodass ein kleiner Rücksetzer nicht ungewöhnlich ist." Die Gewinnmitnahmen seien nach der starken Rally der Bankaktien eine natürliche Reaktion.
Trump plant Zinsdeckel – Banken unter Druck
Eine neue Bedrohung kommt aus der Politik: US-Präsident Donald Trump will die Kreditkartenzinsen für ein Jahr auf zehn Prozent deckeln. Primär würde dies Kreditkartenfirmen wie Visa und Mastercard treffen, die mit den Schulden ihrer Kunden glänzend verdienen. Doch auch die Banken könnten mit ihrem lukrativen Kreditgeschäft betroffen sein.
"Wenn jetzt hier ein Limit für den Kreditzins festgesetzt wird von politischer Seite, dann ist das ein massiver Eingriff in den Markt", warnt Bannier. Für die kreditgebenden Banken würde das Geschäft deutlich weniger rentabel. Die Folge: Sie könnten bestimmten Kunden keinen Kredit mehr gewähren oder die Kreditvergabe drastisch einschränken.
Gemischte Aussichten für 2025
Die Perspektiven für die US-Banken im neuen Jahr sind zwiespältig. Auf der einen Seite steht eine noch immer gute Ertragslage mit starkem Investment Banking und solidem Handelsgeschäft. Auf der anderen Seite lauern wirtschaftliche und politische Risiken – von Trumps Zinsplänen über geopolitische Spannungen bis hin zu möglichen Konjunktureintrübungen.
Diese Gemengelage könnte symptomatisch sein für die gesamte Berichtssaison. Auch andere Branchen werden sich mit starken Vorjahreszahlen, aber unsicheren Zukunftsaussichten präsentieren müssen. Noch diese Woche folgen mit Morgan Stanley und Goldman Sachs zwei weitere Schwergewichte der Investmentbanking-Branche.
DAX pausiert auf hohem Niveau
Auch in Frankfurt macht sich Vorsicht breit. Der DAX setzt seine Rally-Pause fort und gibt am Nachmittag moderat nach. Mit Kursen nahe dem Rekordhoch von 25.507 Punkten vom Wochenanfang bleibt der deutsche Leitindex aber auf hohem Niveau. Die Anleger warten auf neue US-Konjunkturdaten, darunter Stimmungsindikatoren aus New York und Philadelphia.
Geopolitische Entwicklungen sorgen zusätzlich für Nervosität. "Die Berichte über einen möglichen Umsturz im Iran und eine potenzielle US-Intervention sorgen ebenso für Unsicherheit wie die diplomatischen Spannungen rund um das US-Interesse an einer Übernahme Grönlands", erklärt Frank Sohlleder von ActivTrades. Diese "geopolitischen Gewitterwolken" seien Gift für die Aktienmärkte.
Trotz der aktuellen Konsolidierung bleibt die übergeordnete Stimmung konstruktiv. Investoren setzen auf eine Erholung der deutschen Wirtschaft und weitere Zinssenkungen in den USA. Die Frage ist nur: Reicht das, um die wachsenden Risiken auszugleichen?
