Unicredit und Commerzbank: Ein unerwarteter Einstieg
Regierungsreaktionen und Details der Auktion im Fokus

Der Einstieg der italienischen Großbank Unicredit bei der Commerzbank hat in den letzten Wochen für Diskussionen gesorgt. Insbesondere die Frage, ob die Bundesregierung von Unicredit-Chef Andrea Orcel bewusst überrumpelt wurde oder ob sie über die Absichten der Italiener informiert war, steht im Raum. Eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Matthias Hauer an das Bundesfinanzministerium liefert nun neue Erkenntnisse über den Verlauf der Ereignisse.
Bereits vor dem Verkauf der Commerzbank-Anteile am 10. September hatte es einen regelmäßigen Austausch zwischen der Bundesregierung und Unicredit gegeben. Jörg Kukies, der wirtschaftspolitische Berater von Bundeskanzler Olaf Scholz, führte am 16. Mai in Paris ein Gespräch mit Pier Carlo Padoan, dem Verwaltungsratspräsidenten von Unicredit. Ein bilaterales Gespräch mit Orcel fand jedoch nicht statt. Am Abend des 3. September gab die Finanzagentur bekannt, dass sie einen Teil ihrer Aktien verkaufen wolle. Der folgende Tag brachte einen Anruf von Marion Höllinger, der Chefin der Hypo-Vereinsbank, bei Finanzstaatssekretär Florian Toncar. Höllinger erkundigte sich dabei nach dem Auktionsverfahren, äußerte jedoch kein konkretes Kaufinteresse.
Trotz dieses Anrufs hätte die Bundesregierung spätestens zu diesem Zeitpunkt eine mögliche Beteiligung von Unicredit an der Auktion vermuten können, da das Interesse der Italiener an einer Übernahme der Commerzbank bereits in den Vorjahren immer wieder zur Sprache gekommen war. Im Sommer 2024 hatte Unicredit zudem eine Beteiligung von 4,5 Prozent an der Commerzbank aufgebaut, was der Bundesregierung erst am 10. September um 20.13 Uhr von Höllinger mitgeteilt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Auktion bereits im Gange, was innerhalb der Regierung zu hektischen Telefonaten führte. Eine Stornierung der Auktion sei jedoch nicht mehr möglich gewesen, da Unicredit den höchsten Preis geboten habe und die Finanzagentur einen diskriminierungsfreien Verkauf zugesichert hatte.
Unicredit hat sich inzwischen über Finanzinstrumente 21 Prozent der Commerzbank-Aktien gesichert und strebt eine Komplettübernahme an. Ob dies gegen den Willen der Bundesregierung geschehen kann, bleibt jedoch unklar, da der Staat nach wie vor zwölf Prozent an der Commerzbank hält. Orcel betonte, dass das Interesse von Unicredit an der Commerzbank allen relevanten Akteuren in Deutschland bekannt gewesen sei und die Finanzagentur bei der Auktion das Angebot von Unicredit gewählt habe. Die Darstellung des Finanzministeriums, die als „Missinterpretation“ bezeichnet wurde, bleibt weiterhin umstritten und könnte die Debatte über den Umgang mit Unicredit weiter anheizen.
