Unicredit erhöht Anteil an Commerzbank deutlich
Italiener nähern sich Übernahmegrenze – Berlin und Bankführung leisten weiter Widerstand

Die Aktien der Commerzbank erreichten am Dienstagabend kurzzeitig einen Stand von über 30 Euro – so hoch wie seit 2011 nicht mehr. Für viele Mitarbeiter des Frankfurter Geldhauses bedeutete dieser Kursanstieg mehr als ein finanzieller Zugewinn: Er wurde als Signal verstanden, dass die Übernahmepläne der italienischen Großbank Unicredit ins Wanken geraten könnten. Denn ein steigender Kurs macht die Commerzbank für potenzielle Käufer teurer – so zumindest die Hoffnung innerhalb der Belegschaft. Diese Einschätzung hielt jedoch nur wenige Stunden.
Unicredit verkündete am späten Abend, inzwischen 20 Prozent der Commerzbank-Aktien direkt zu besitzen. Darüber hinaus plant das Institut, seinen Anteil auf 29 Prozent zu erhöhen. Bereits zuvor hatte sich Unicredit über Finanzinstrumente Zugriff auf zusätzliche Anteile gesichert, diese jedoch nur indirekt gehalten. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank, Sascha Uebel, bekräftigte derweil den Wunsch nach Eigenständigkeit und kündigte an, dem Übernahmeversuch weiterhin Widerstand entgegenzusetzen.
Die Entwicklung könnte auch politische Konsequenzen haben. Die neue Bundesregierung hatte sich mehrfach kritisch gegenüber einer Übernahme durch Unicredit geäußert. Dennoch zeigen die jüngsten Schritte der Italiener, dass sie sich davon nicht abschrecken lassen. Drei Szenarien stehen nun im Raum: Ein Rückzug aus dem Vorhaben, ein Weiterverkauf der Anteile oder ein offizielles Übernahmeangebot. In allen Fällen droht mindestens einem der Beteiligten ein erheblicher Verlust – sei es finanzieller oder strategischer Natur.
Ein Rückzug wäre für Unicredit riskant, denn ein Verkauf eines solch großen Aktienpakets dürfte zu einem Preisabschlag führen. Auch ein Verkauf an einen Dritten könnte sich schwierig gestalten, da potenzielle Investoren die Ausgangslage zu ihren Gunsten nutzen würden. Am wahrscheinlichsten erscheint deshalb ein offizielles Übernahmeangebot durch Unicredit-Chef Andrea Orcel. Dieser gilt nicht als kompromissbereit und hat in der Vergangenheit bereits juristische Schritte unternommen, um seinen Willen durchzusetzen.
Sollte es zu einer Übernahmeofferte kommen, würde dies nicht nur die Bundesregierung vor eine neue Realität stellen, sondern auch das Ende der Eigenständigkeit der Commerzbank einleiten. Der Bund hält derzeit noch 12 Prozent der Anteile, doch seine Handlungsfreiheit wäre begrenzt. Langfristig könnten selbst Rüstungs- oder Infrastrukturprojekte dazu führen, dass Berlin den Anteil aus finanziellen Gründen verkauft – mit unklaren Folgen für alle Beteiligten.
