Unicredit bremst Übernahmepläne für Commerzbank
Politischer Widerstand in Berlin und Rom erschwert strategische Expansion der Großbank

Die italienische Großbank Unicredit hat Spekulationen über eine bevorstehende Übernahme der Commerzbank vorerst zurückgewiesen. Vorstandschef Andrea Orcel erklärte in einem Interview mit dem US-Sender CNBC, man sei von einem konkreten Übernahmeangebot derzeit „weit entfernt“. Zunächst wolle man eine „konstruktive Lösung“ im Dialog mit der Bundesregierung finden. Damit reagierte Orcel auf politische Widerstände in Deutschland gegen eine mögliche Übernahme.
Unicredit hatte im Herbst 2024 den Teilausstieg des Bundes aus der teilverstaatlichten Commerzbank genutzt, um sich einen signifikanten Anteil an dem Institut zu sichern. Der Einstieg bei der zweitgrößten deutschen Privatbank wurde von politischer Seite in Berlin jedoch kritisch begleitet. Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich nun in einem Brief an den Konzernbetriebsrat der Commerzbank deutlich ablehnend gegenüber einem Übernahmevorstoß durch Unicredit. Er betonte, dass ein „unabgestimmtes und unfreundliches Vorgehen“ wie jenes der italienischen Bank nicht akzeptabel sei. Die Bundesregierung setze auf eine „starke und unabhängige Commerzbank“.
Orcel erklärte, Unicredit sei ursprünglich eingeladen worden, ein Angebot für die Commerzbank abzugeben. Angesichts des derzeitigen Kursniveaus sehe man jedoch keinen Mehrwert für die eigenen Investoren. Zudem gebe es nach seiner Einschätzung Versuche, den Aktienkurs der Commerzbank künstlich hochzuhalten. Trotz der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Hindernisse zeige sich Orcel geduldig. Man sei mit der bisherigen Rendite aus der rund 30-prozentigen Beteiligung zufrieden.
Auch im Heimatmarkt Italien steht Unicredit unter politischem Druck. Die EU-Kommission hatte zwar kürzlich einer geplanten Übernahme von Auslandstöchtern der Konkurrentin BPM zugestimmt, doch stellt die italienische Regierung eigene Anforderungen. Unter anderem fordert Rom, dass Unicredit ihr Russland-Geschäft deutlich zurückfährt. Dies gehört zu den Bedingungen, die im Zuge weiterer Expansionspläne vonseiten der italienischen Politik gestellt werden.
Während also die Beteiligung an der Commerzbank strategisch bedeutsam bleibt, sieht Unicredit derzeit keine Grundlage für einen vollständigen Übernahmeversuch. Die politischen Spannungen sowohl in Deutschland als auch in Italien beeinflussen die strategischen Optionen des Bankkonzerns erheblich.
