Unicredit bremst Commerzbank-Übernahme aus
Politischer Widerstand und Geduld prägen aktuelle Strategie der italienischen Großbank

Der Vorstandsvorsitzende der italienischen Großbank Unicredit, Andrea Orcel, hat die Erwartungen an eine Übernahme der Commerzbank vorerst gedämpft. Im Gespräch mit dem US-Sender CNBC erklärte er, dass man sich „weit entfernt“ von einem konkreten Übernahmeangebot befinde. Vorrang habe derzeit die Suche nach einer „konstruktiven Lösung“ im Umgang mit dem Widerstand aus der deutschen Politik. Orcel betonte, dass Unicredit ursprünglich eingeladen worden sei, ein Angebot zu unterbreiten. Allerdings sehe man angesichts des aktuellen Kursniveaus der Commerzbank „keinen Wert für unsere Investoren“. Die Bank sei mit dem bisherigen Gewinn aus ihrer knapp 30-prozentigen Beteiligung an der Commerzbank zufrieden und wolle nun geduldig abwarten.
Die politische Lage in Deutschland erschwert eine Übernahme der Commerzbank erheblich. Bundeskanzler Friedrich Merz stellte sich in einem Brief an den Vorsitzenden des Commerzbank-Konzernbetriebsrats klar hinter das Institut. Er kritisierte das Vorgehen von Unicredit als „unabgestimmt und unfreundlich“ und bekräftigte die Position der Bundesregierung, die auf eine „starke und unabhängige Commerzbank“ setze. Die Bundesregierung will offenbar verhindern, dass die Commerzbank ihre Eigenständigkeit verliert, da sie das Institut seit der Finanzkrise 2008/2009 durch eine Teilverstaatlichung unterstützt hat.
Unicredit hatte im vergangenen Herbst den Teilausstieg des Bundes aus der Commerzbank genutzt, um einen größeren Anteil an der zweitgrößten deutschen Privatbank zu erwerben. Die politische Debatte um eine Übernahme hat sich seither verschärft. Orcel sprach von Aktivitäten, die darauf abzielen, den Kurs der Commerzbank künstlich hochzuhalten, was jedoch nicht zum Vorteil der Investoren sei. Trotz der Schwierigkeiten zeigt sich Unicredit insgesamt zufrieden mit der Entwicklung ihrer Beteiligung.
Neben dem Widerstand in Deutschland sieht sich Unicredit auch in ihrem Heimatmarkt Italien mit Herausforderungen konfrontiert. Die EU-Kommission hat kürzlich die geplante Übernahme von Auslandstöchtern der italienischen Konkurrentin BPM genehmigt. Gleichzeitig verlangt die italienische Regierung von Unicredit, das Russland-Geschäft stärker zurückzufahren. Dies stellt für die Bank zusätzliche Auflagen und politische Hürden dar, die das internationale Engagement des Instituts beeinflussen.
