UniCredit rückt von Commerzbank-Übernahme ab
Neues Gebot für Banco BPM lenkt Kurs der Italiener um

Die geplante Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank UniCredit rückt zunehmend in weite Ferne. Mit einem überraschenden Kaufangebot für den heimischen Rivalen Banco BPM änderte UniCredit zu Beginn der Woche ihre strategische Ausrichtung. Der italienische Bankriese betonte zwar, das Gebot für Banco BPM stehe unabhängig vom Interesse an der Commerzbank. Dennoch wird die Übernahme der deutschen Bank durch diese Entwicklung weniger wahrscheinlich. Die Banco BPM wird aktuell mit einem Wert von etwa zehn Milliarden Euro gehandelt, während die Commerzbank eine Marktkapitalisierung von rund 17 Milliarden Euro aufweist.
Bereits am Wochenende hatte Bundesfinanzminister Jörg Kukies eine kritische Haltung zu einem möglichen Zusammenschluss signalisiert. In einem Interview erklärte er, der UniCredit-Vorstandsvorsitzende Andrea Orcel wolle sich nicht über die Bedenken der Bundesregierung hinwegsetzen. Dies deutet darauf hin, dass die Transaktion wahrscheinlich nicht weiter verfolgt wird. Am Freitag hatte Orcel zudem bekräftigt, dass während der politischen Unsicherheiten vor der für Ende Februar angesetzten Bundestagswahl keine konkreten Schritte unternommen würden.
Orcel fügte hinzu, die Wahrscheinlichkeit für einen Deal sei geringer, als zunächst angenommen. Er erklärte, die UniCredit werde sich nicht gleichzeitig um die Integration von zwei Banken bemühen. Stattdessen liege der Fokus derzeit auf der Verbesserung der Performance der Commerzbank, deren Beteiligung vorerst als reine Finanzinvestition betrachtet werde. Derzeit hält die UniCredit rund 21 Prozent der Anteile an der Commerzbank.
Die Börse reagierte prompt auf diese Entwicklungen. Die Übernahmefantasie für die Commerzbank, die bislang den Kurs beflügelt hatte, schwand deutlich. Bis zum Nachmittag des Montag sank der Aktienkurs der Commerzbank um sechs Prozent und erreichte damit den tiefsten Stand seit über zwei Monaten. Ein Börsenhändler kommentierte, UniCredit scheine momentan andere Prioritäten zu haben, als sich mit deutschen Regulierungsbehörden auseinanderzusetzen.
Gleichzeitig sorgte die Ankündigung des Kaufangebots für die Banco BPM auch in Italien für Reaktionen. Der italienische Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini äußerte sich skeptisch zu einer möglichen Konzentration im Bankensektor und zeigte sich überrascht von dem Vorstoß der UniCredit. Seine Äußerungen verdeutlichen, dass die geplante Transaktion auch in Italien nicht unumstritten ist.
