UniCredit baut Beteiligung an Commerzbank stark aus
Der Bund verliert seine Stellung als größter Aktionär und fürchtet Übernahmeabsichten

Die italienische UniCredit hat überraschend ihren Anteil an der Commerzbank auf rund 21 Prozent erhöht und sich damit zum größten Aktionär des deutschen Finanzinstituts gemacht. Diese Entwicklung führte dazu, dass der Aktienkurs der Commerzbank kurzzeitig um bis zu 0,6 Prozent zulegte, nachdem er zuvor um 6,2 Prozent gefallen war. Der Kurssturz erfolgte, nachdem der Bund erklärt hatte, vorerst keine weiteren Anteile der Commerzbank abzugeben. Trotz dieser Ankündigung hat sich UniCredit in den Hintergrund weiterhin zusätzliche Anteile gesichert und hält nun mehr Anteile als der Bund, der derzeit zwölf Prozent der Commerzbank besitzt.
UniCredit erlangte durch den Einsatz von Finanzinstrumenten, wahrscheinlich Kaufoptionen, Zugriff auf weitere 11,5 Prozent der Commerzbank-Anteile. Diese Vorgehensweise überraschte sowohl die Commerzbank als auch den Bund, da UniCredit ohne das Überschreiten der Meldeschwelle von drei Prozent weitere Anteile erwerben konnte. Trotz der Ankündigung von UniCredit-Chef Andrea Orcel, keine feindliche Übernahme anzustreben, wirkt der Schritt in den Augen der Commerzbank und des Bundes als feindlicher Akt. UniCredit plant nun, bei den Aufsichtsbehörden die Genehmigung für eine Aufstockung ihrer Beteiligung auf bis zu 29,9 Prozent zu beantragen, auch wenn ein positiver Bescheid derzeit unwahrscheinlich erscheint.
Die Commerzbank äußerte sich bislang nicht zu dieser Entwicklung, jedoch lässt die bisherige ablehnende Haltung gegenüber UniCredit auf eine negative Reaktion schließen. Zudem wurde von der Financial Times berichtet, dass die Commerzbank-Führung eine mögliche Fusion als Bedrohung für europäische Unternehmen betrachtet. Insbesondere könnte eine Verlagerung von Entscheidungen ins Ausland die Dienstleistungen für inländische Kunden beeinträchtigen. UniCredit versuchte dieser Darstellung entgegenzuwirken und betonte, dass ihre deutsche Tochter, die HypoVereinsbank, alle Entscheidungen weiterhin in Deutschland treffe.
Der Verkauf eines Commerzbank-Anteils vor zwei Wochen an UniCredit, zu einem hohen Preis von 13,20 Euro pro Aktie, stellt sich nun als problematisch für den Bund heraus. Neben der ungewollten Übernahmediskussion wird die ursprüngliche Absicht des Bundes, seine Anteile schrittweise zu verkaufen, erschwert. Durch das geplante Aktienrückkaufprogramm der Commerzbank wird sich der Anteil des Bundes automatisch erhöhen, da der Staat nicht an dem Rückkauf teilnehmen wird. Vor diesem Hintergrund könnte die Commerzbank ihren Rückkaufplan noch einmal überdenken, da auch der Anteil von UniCredit durch dieses Programm weiter wachsen würde.
