Fedorow gründet Rüstungs-Startup – Palantir-Chef Karp investiert
Ex-Verteidigungsminister Fedorow gründet mit Palantir-Chef Alex Karp als Investor ein Tech-Unternehmen für Kriegserfahrungen aus der Ukraine.

Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow startet nach seinem überraschenden Ausscheiden aus der Regierung eine neue Karriere als Tech-Gründer. Der 35-Jährige hat ein Unternehmen für Verteidigungstechnologie ins Leben gerufen, das die im Krieg gegen Russland gesammelten Erfahrungen in marktfähige Produkte für Kiew und seine Verbündeten umwandeln soll.
Als erster Lead-Investor konnte Fedorow Alex Karp gewinnen, den CEO des auf Datenanalyse und Künstliche Intelligenz spezialisierten US-Konzerns Palantir. Die Höhe der Investition wurde bislang nicht bekannt gegeben. In einem gemeinsamen Video auf der Plattform X betonte Karp die Bedeutung des Vorhabens: Er zeigte sich beeindruckt von den ukrainischen Leistungen und überzeugt, dass das Unternehmen wegweisend sein werde, indem es das in der Kriegsführung gewonnene Wissen als Produkt in verbündete Länder exportiert.
Fokus auf bewährte Kriegstechnologien
Das neue Unternehmen soll sich nach Informationen aus dem Umfeld Fedorows auf jene Schlüsseltechnologien konzentrieren, die sich im Konflikt mit Russland als entscheidend erwiesen haben. Dazu zählen Robotik für den Fronteinsatz, die Produktion düsengetriebener Abfangdrohnen sowie KI-gesteuerte, kostengünstige Raketensysteme. Wie die „Financial Times“ berichtet, wirbt Fedorow in den USA zudem für einen separaten Verteidigungs-Investmentfonds, der diese technologischen Bereiche abdecken soll.
Fedorow betonte auf X, dass internationale Investitionen und Fachwissen die Entwicklung und Skalierung jener Instrumente beschleunigen würden, die der Ukraine einen entscheidenden Vorteil auf dem Schlachtfeld verschaffen. Während Fedorows Pressebüro ankündigte, weitere Details zur Kooperation mit Palantir schrittweise zu veröffentlichen, blieb eine Stellungnahme des Konzerns auf Anfrage zunächst aus.
Vom Minister zum Gründer
Fedorows Weg in die Privatwirtschaft ist eng mit den politischen Verwerfungen in Kiew verknüpft. Erst im Juli wurde er von Präsident Wolodymyr Selenskyj nach nur sechsmonatiger Amtszeit entlassen, was landesweit Massenproteste auslöste. Fedorow, der als treibende Kraft hinter der technologischen Aufrüstung der ukrainischen Armee gilt, hatte sich zuvor für umfassende Reformen eingesetzt. Im August sorgte er zudem für Aufsehen, als er sich offen gegen Selenskyj stellte und die Abhaltung von Wahlen während des Krieges forderte.
Bereits während seiner Amtszeit hatte Fedorow enge Beziehungen zu führenden US-Technologieunternehmern geknüpft. So bezeichnete er Elon Musk im vergangenen Monat als die für die Ukraine wichtigste Unternehmerpersönlichkeit, insbesondere wegen der Unterstützung durch den Satellitendienst Starlink. Alex Karp wiederum gilt als einer der ersten westlichen Konzernchefs, die nach Beginn des russischen Großangriffs 2022 nach Kiew reisten, um den direkten Austausch mit der ukrainischen Führung zu suchen. Fedorow nutzte nun einen jüngsten Besuch in Washington, um die Unterstützung für sein neues unternehmerisches Vorhaben zu festigen.
Der Schritt Fedorows unterstreicht, wie sehr Verteidigungstechnologie inzwischen auch außerhalb traditioneller Rüstungskonzerne zum Wachstumsfeld geworden ist. Die Kombination aus ukrainischer Kampferfahrung und westlicher Finanzkraft könnte dabei als Vorbild für weitere Gründungen dienen – und zeigt zugleich, welche Rolle private Investoren im Verteidigungssektor zunehmend spielen.
