Türkische Inflation auf Rekordniveau
Der steigende Mindestlohn und seine Auswirkungen auf die anhaltende wirtschaftliche Krise

Trotz der bemerkenswerten Anstrengungen der türkischen Notenbank, die Zinssätze drastisch zu erhöhen, zeigt sich die Inflationsrate im Land weiterhin unerbittlich. Die Erhöhung des Mindestlohns zu Beginn des neuen Jahres hat die Befürchtungen vor weiteren Preiserhöhungen geschürt. Im Dezember hat die bereits hohe Inflationsrate in der Türkei erneut zugenommen. Die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahr um besorgniserregende 64,77 Prozent, wie das nationale Statistikamt heute in Ankara mitteilte. Dieser Wert ist im Vergleich zu den 62 Prozent im November gestiegen, und somit haben wir zum zweiten Mal in Folge eine Steigerung verzeichnet. Dies ist der höchste Stand seit über einem Jahr.
Vor allem Preisanstiege in Hotels und Restaurants trugen dazu bei, die Inflation kurz vor dem Jahreswechsel anzufachen. Innerhalb eines Jahres haben sich die Preise in der Gastronomie nahezu verdoppelt. Auch die anhaltende Schwäche der Landeswährung, der türkischen Lira, spielt eine entscheidende Rolle. Im vergangenen Jahr hat die Lira gegenüber dem US-Dollar um erschreckende 37 Prozent an Wert verloren, was die Kosten für Importe erhöht und die Lebenshaltungskosten für die Menschen in der Türkei weiter verschärft.
Um die Inflation in den Griff zu bekommen, erhöhte die türkische Zentralbank im Jahr 2023 den Leitzins von 8,50 Prozent auf drastische 42,50 Prozent. Trotz dieser massiven Zinserhöhungen blieben die gewünschten Erfolge jedoch aus. Die Inflationsrate war nach der Währungskrise Ende 2021 sprunghaft angestiegen und erreichte im Oktober 2022 ihren Höhepunkt der letzten 24 Jahre bei 86 Prozent. Im vergangenen Jahr sank die Inflation zeitweise auf unter 40 Prozent, bevor sie sich seit dem vergangenen Sommer wieder kontinuierlich verschärfte. Beobachter führten diese Entwicklung insbesondere auf massive Ausgabenprogramme des wiedergewählten Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen zurück.
Nach seiner Wiederwahl nahm die türkische Zentralbank eine Kursänderung in ihrer Geldpolitik vor. Erdogan, der sich lange gegen Zinserhöhungen gewehrt hatte, ernannte Hafize Gaye Erkan, eine ehemalige Wall-Street-Bankerin, zur Chefin der Zentralbank und den liberalen Ökonomen Mehmet Simsek zum Finanzminister. Sie erhöhten schrittweise die Leitzinsen, wobei der Satz im Dezember um weitere 2,5 Prozentpunkte auf 42,5 Prozent stieg.
Experten befürchten angesichts der überraschend kräftigen Erhöhung des Mindestlohns im Jahr 2024 um 49 Prozent eine neue Welle der Inflation. Berke Icten, Vorsitzender des türkischen Verbands der Schuhhersteller, prognostiziert, dass die Preise um mindestens 25 bis 30 Prozent steigen werden. Arbeitsminister Vedat Isikhan kündigte an, dass der monatliche Mindestlohn im neuen Jahr auf 17.002 Lira (519 Euro) steigen wird, was einer Steigerung von 49 Prozent gegenüber dem im Juli festgelegten Niveau entspricht. Im Vergleich zu Januar 2023 ist dies sogar eine Verdoppelung und wird etwa sieben Millionen Türken zugutekommen.
Angesichts der anhaltend hohen Inflation und der Schwäche der Lira hat die Regierung in den letzten zwei Jahren den Mindestlohn alle sechs Monate erhöht. Die Unterstützung für Arbeitgeber zur Bewältigung der Auswirkungen dieser Maßnahme fiel jedoch geringer aus als erwartet. Experten sind besorgt, dass die Inflationsrate im ersten Halbjahr 2024 rund 70 Prozent erreichen könnte, trotz der drastischen Erhöhung des Mindestlohns. Wenn es keine weitere Anhebung Mitte des Jahres gibt, könnte der Mindestlohn inflationsbereinigt sogar sinken. Die wirtschaftliche Lage in der Türkei bleibt somit äußerst herausfordernd und erfordert weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Preise und der Währung.
